Jetzt jagen Messi und Ronaldo die Milliarden

Für die grossen europäischen Vereine geht es mit der Champions League ab Dienstag um viel Prestige und um noch viel mehr Geld.

Im Bann der Champions League: Liverpools rote Wand feierte im Frühjahr den begehrtesten Titel des Clubfussballs. Foto: Erwin Spek (Getty Images)

Im Bann der Champions League: Liverpools rote Wand feierte im Frühjahr den begehrtesten Titel des Clubfussballs. Foto: Erwin Spek (Getty Images)

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Peps Problem und der Glanz der Premier League

Wer es kurz mag, nennt ihn Pep. 48 ist dieser Pep inzwischen, die Glatze glänzt, der Bart ist grau, und er hat eine Eigenheit entwickelt: Sein Tenü an der Seiten­linie wechselt er erst, wenn es Winter und kalt wird.

Pep Guardiola ist ein faszinierender Trainer, unverkennbar der Stil seiner Mannschaft auch bei Manchester City. An einem guten Tag sind die Citizens ein Spektakel, und davon haben sie in den letzten zwei Jahren viele gehabt, zumindest national. Das sind ihre Meisterjahre, in denen sie zusammen 198 Punkte gewannen. Sie haben, auch mit ­Guardiola, nur einen Makel: Sie sind nie über die Viertelfinals der Champions League hinausgekommen, einmal schieden sie gar schon in den Achtelfinals aus. Guardiola hat diesen Wettbewerb als Trainer zweimal gewonnen, 2009 und 2011, damals mit Messis Barcelona. Das ist lange her für einen, der als Bester seines Fachs gilt. Jetzt nimmt er den nächsten Anlauf. Die Gruppenphase kann dabei höchstens zum Warmlaufen dienen: Denn die Gegner heissen Schachtar Donezk, Dinamo Zagreb und Atalanta Bergamo.

Am Samstag hat City allerdings einen Dämpfer hinnehmen müssen. Das 2:3 bei Aufsteiger Norwich hat seine Mängel in der zentralen Abwehr derart offengelegt, dass BBC-Experte Alan Shearer wegen der Aussetzer von John Stones und Nicolás Otamendi von einer «Horrorshow» berichtete. Guardiola, eigentlich ein Perfektionist, sagte: «Manchmal vergessen wir, dass diese ­Typen menschlich sind.» Was der Beobachter aber nicht vergisst: dass die ganze Mannschaft von Norwich weniger kostete als De Bruyne oder Mahrez. Die beiden waren bei City nur Ersatz.

10-mal die Super League

Neben City ist die Premier League diese Saison auch mit Liverpool, Tottenham und Chelsea in der Champions League vertreten. Es ist die Liga, die im Frühjahr dominierte. Liverpool gewann den Final der Königsklasse gegen Tottenham, Chelsea jenen der Europa League gegen Arsenal. City, Liverpool, Tottenham und Chelsea setzen zusammen pro Saison über 2,2 Milliarden Franken um, das ist ungefähr 10-mal das Budget der gesamten Super League.

Liverpool ist souverän in die nationale Saison gestartet und seit inzwischen 14 Ligaspielen ohne Punktverlust. Tottenham ist die Mannschaft, die der Zürcher Regierungsrat Mario Fehr zwar mit Verve verfolgen mag, aber trotzdem ohne besondere Strahlkraft ist. Chelsea schliesslich hat einen jungen Trainer mit grossem Namen und junge Spieler mit grosser Zwischenbilanz: Unter Frank Lampard erleben Tammy Abraham, Mason Mount und Fikayo Tomori ihre erste Blüte. Zusammen haben sie bisher alle elf Tore in der Liga erzielt, keiner ist älter als 21. (ths.)


Vier Titelanwärter im Transfer-Epos vereint

Zeitweise wirkte es in diesem Sommer wie auf dem Pausenhof, wenn die Kids um Panini-Bildli feilschen. Was muss man für einen Neymar geben? Einen Dembélé, einen Rakitic und einen Coutinho? Oder doch eher einen Bale, einen James Rodriguez und einen Navas?

Gleich vier Teams, die die Champions League gewinnen wollen, waren in den wirren Tanz um Neymar involviert: Paris Saint-Germain, Real Madrid, Barcelona und der FC Bayern München. Der immerhin konnte sich als kleiner Sieger fühlen, weil er seinen neuen Star Philippe ­Coutinho holen durfte, nachdem ­Barça endgültig aus dem Werben um Neymar ausgestiegen war.

Am Ende musste Neymar in Paris bleiben. Und die Frage ist: Wem ausser den Bayern hat der Tanz um das goldene Kalb am wenigsten geschadet? Die Pariser haben es schon mit einem Neymar, der knapp bei Laune war, nicht über die Achtelfinals hinaus geschafft. Warum soll der Exploit jetzt gelingen, da Neymar von den eigenen Fans leidenschaftlich beleidigt wird, wenn er nicht gerade in der letzten ­Minute des Spiels per Fallrückzieher einen Sieg sichert?

Bei Real Madrid heissen die Leistungsträger im Sturm neben ­Karim Benzema derzeit Gareth Bale und James Rodríguez, für die doch eben noch dringend ­Abnehmer gesucht wurden. Das allein ist schon mal kein gutes Zeichen.

Kommt dazu, dass die Königlichen in der zweiten Amtszeit unter Zinédine Zidane noch immer wie zu den Zeiten mit Cristiano Ronaldo spielen – bloss, dass da kein CR7 mehr ist. Die Partie vom Mittwoch zwischen dem PSG und Real ist damit ­irgendwie auch das Duell zweier gigalomaner Projekte, die auf Sand gebaut scheinen. Während Madrid und Paris in der Vergangenheit hängen geblieben scheinen, haben sie in Barcelona am Wochenende womöglich die Zukunft erblickt. Ein Tor und ein Assist gelang da Ansu Fati beim 5:2 gegen Valencia. Nur 16 Jahre ist der Flügelstürmer jung, und die Zeitung «Sport» fragte auf dem Titel bereits ehrfürchtig: «Von welchem Planeten bist du gekommen?»

Aber natürlich wird es vor allem an einem liegen, wenn der Titel nach fünf Jahren Unterbruch wieder nach Barcelona gehen soll: Lionel Messi war zuletzt verletzt. Aber rechtzeitig vor dem Startspiel in Dortmund meldet er sich zurück. Messi ist jetzt 32 – und dezidiert der Meinung, dass vier Triumphe in der Champions League seine Klasse zu wenig reflektieren. (fra)


Ronaldos Rekordjagd und Contes spannendes Projekt

Cristiano Ronaldo ist 34, aber immer noch hungrig auf seiner unvergleichlichen Rekordjagd. Der Portugiese strebt mit Juventus den sechsten Champions-League-Titel an, das gelang einzig Paco Gento mit Real Madrid weit vor der Königsklassenzeit. Ronaldo wäre dann der zweite Spieler nach Clarence Seedorf (Ajax, Real, Milan), der als Stammspieler mit drei verschiedenen Vereinen (Manchester United, Real, Juventus) die wichtigste Trophäe des Clubfussballs gewonnen hätte. «Wir können Grosses erreichen», sagt Ronaldo. Sein neuer Trainer Maurizio Sarri, Kettenraucher mit 60 Zigaretten täglich, sass am Samstag beim mageren 0:0 in Florenz nach schwerer Lungenentzündung erstmals diese Saison auf der Bank.

Juventus ist solid gestartet (3 Spiele, 7 Punkte), überzeugte aber noch nicht. «Wir werden im Frühling in Bestform sein», sagt ­Sarri, der während seiner Zeit bei Napoli gerne klassenkämpferische Töne angeschlagen hatte im ­Duell mit Juventus. Nun steht ihm das klar beste und wertvollste Kader Italiens zur Verfügung. Erwartet wird nach fünf Finalniederlagen ab 1997 der zweite Champions-League-Erfolg seit 1996. Als letztes italienisches Team gewann Inter unter José Mourinho 2010 den Titel. Der hochbezahlte Starcoach Antonio Conte, neu in Mailand, durfte fast 200 Millionen Franken ausgeben für Akteure, die in sein geliebtes 3-5-2-System passen. Es kamen unter anderem der erfahrene Verteidiger Diego Godín von Atlético Madrid (ablösefrei), die talentierten italienischen Aufbauer Stefano Sensi und Nicolò Barella sowie die bei Manchester United gescheiterten Angreifer Romelu Lukaku und Alexis Sánchez. Inter ist mit drei Siegen in die Liga gestartet und darf heute um 18.55 Uhr die Champions-League-Saison gegen Slavia Prag eröffnen. Die weiteren Gegner sind Barcelona und Dortmund. Conte sagt, das sei eine brutale Gruppe. «Auch für die anderen.»

Alissons Parade gegen Napoli

Noch gehört Inter nicht zu den Topfavoriten. Wie Napoli. Beide Serie-A-Vertreter scheiterten letzte Saison äusserst unglücklich in der Gruppenphase. Inter hätte zu Hause Aussenseiter PSV Eindhoven bezwingen müssen, dann wäre Tottenham ausgeschieden, vergab beim 1:1 aber ­allerbeste Chancen. Tottenham erreichte später den Final und verlor dort gegen Liverpool.

Jenes Liverpool, das nur dank eines 1:0 gegen Napoli die Vorrunde überstanden hatte – nachdem Goalie Alisson weit in der Nachspielzeit die «Parade der Saison» (Trainer Jürgen Klopp) gezeigt und einen Schuss Arkadiusz Miliks aus vier Metern pariert hatte. «Wir waren nahe dran, Liverpool auszuschalten», sagt Napoli-Coach Carlo Ancelotti. Heute startet sein eingespieltes Team zu Hause gegen ebendieses Liverpool in die Gruppenphase. (fdr)


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

Die Sendung ist zu hören auf Spotify, bei Apple Podcasts oder direkt hier:

Erstellt: 17.09.2019, 09:33 Uhr

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