Erst bemitleidenswert, jetzt furios

Jahrelang hat Salzburg auf die Champions League gewartet, ist oft denkbar knapp gescheitert. Jetzt mischen die Österreicher dafür um so spektakulärer mit.

Jahrelang verpasst, endlich dabei: Salzburgs Premiere in der Champions League.

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Gestern, da lieferten sie sich einen atemberaubenden Schlagabtausch mit Napoli, es war ein Mittwochabend ganz nach dem Geschmack von Fans der Champions League. Vor einem, vor zwei, vor drei Jahren, da spielten sie jeweils am Donnerstagabend in der Europa Leauge, bestimmt nicht schlecht, einmal Achtel-, einmal Halbfinal. Das Jahr 2019 hat etwas Bereinigendes für die Spieler von Red Bull Salzburg und bestimmt auch für ihre Fans. Jahrelang mussten sie zuvor die Häme von Fussballeuropa über sich ergehen lassen, das Scheitern auf den letzten Stufen zur Königsklasse hatte schon fast Tradition: sieben Mal nacheinander verpasste Salzburg die Champions League, seit 2006 und dem Einstieg von Red Bull sind es sogar elf Mal.

Und jetzt: elf Tore nach drei Spielen, drei Mal mitreissender Fussball, drei Mal Spektakel. Mit drei Punkten gar Hoffnung auf ein Weiterkommen neben den Grössen Liverpool und Napoli, in bester Position für Rang 3 in der Gruppe. Und: mit Erling Braut Haland hat Salzburg den absoluten Spektakelmacher der ersten Champions-League-Wochen im Team, der Norweger hat in drei Spielen sechs Treffer erzielt, ist bester Schütze aller Teams.

Unwirklich muss den Österreichern der Blick zurück vorkommen. Die Bilanz des Schreckens aus den vergangenen Jahren mag für sie kein Vergnügen sein, aber interessante Episoden hält sie allemal bereit. Mal war es ein (zu Unrecht) aberkanntes Tor, das die Salzburger von der Königsklasse trennte, mal ein Doppelschlag des Gegners in zwei Minuten, dann eine echte Blamage wie das Out gegen den Fussballzwerg Düdelingen. Diverse Trainer sind gescheitert, einige von ihnen mit grossem Namen wie etwa Giovanni Trappatoni, andere waren später auf europäischer Bühne richtig erfolgreich wie Adi Hütter (Halbfinale in der Europa League mit Frankfurt).

«Die Tür bleibt zu»

So titelte die «Basler Zeitung» am 30. August letzten Jahres. Salzburg hatte gegen Roter Stern Belgrad im Playoff-Rückspiel zwei schnelle Tore kassiert und war mal wieder im letzten Moment gescheitert – zum elften und, wie sich zeigen sollte, vorerst letzten Mal. «Nur das Scheitern hat Tradition», tönte es im Netzt, wo sich Fussball-Romantiker traditionell über den Einstieg von Red Bull in Salzburg und Leipzig mokieren.

«Auf Salzburg ist Verlass»

So titelte der «Blick» im August 2017, nach dem Aus Salzburgs gegen Rijeka (0:0 nach 1:1 im Heimspiel). Es war die Krönung der Peinlichkeit, das zehnte Scheitern insgesamt, und hämische Beobachter kreierten den ironischen Begriff der «Décima», des zehnfachen Scheiterns von Red Bull auf dem Weg in die Champions League.

«Das ging richtig in die Dose»

So beschrieb die «Tageswoche» (selig) die Mutter aller Peinlichkeiten von Red Bull Salzburg in der Champions-League-Qualifikation. Nach einem 0:1 auswärts gewann man zwar 4:3 zu Hause, die drei Auswärtstore bedeuteten aber den «Sieg» für die Feierabendfussballer von F91 Düdelingen aus Luxemburg.

Die beste Pointe der ganzen Leidensgeschichte von Salzburg liegt aber im Erfolg: Als der österreichische Serienmeister in diesem Jahr dann endlich zum ersten Mal an der Champions League teilnehmen darf, hat er sich qualifiziert gegen...niemanden. Weil sowohl CL-Sieger Liverpool als auch Europa-League-Gewinner Chelsea über den Ligaweg qualifiziert waren, rückte Salzburg gleich direkt nach. Die Blamage blieb für einmal erspart – viel mehr mischt die offensive Salzburger Truppe nun die Champions League auf. (mrm)

Erstellt: 24.10.2019, 10:31 Uhr

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