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Hauptsache, die Grossen sind glücklich

Der Wettbewerb in der Champions League ist abgestumpft. Die Mannschaften der Top-4-Ligen dominieren die Königsklasse – dies zeigt, dass Geld leider alles ist.

Eine der raren Top-Partien in der Königsklasse: Der FC Liverpool erreicht mit einem 1:0 gegen Napoli die Achtelfinals der Champions League. (Video: Teleclub)

Die letzte Runde brachte selbst in der Champions League ein paar vergnügliche Stunden. Der FC Liverpool rang Napoli nieder, Ajax und Bayern bekämpften sich derart, dass es gar zwei Rote Karten gab, YB bejubelte sein 2:1 gegen Juventus, oder der ZSKA Moskau blamierte auswärts den Titelverteidiger aus Madrid.

Ausser in Anfield waren das aber bessere Freundschaftsspiele, Juventus etwa war schon vorher für die Achtelfinals qualifiziert und YB ausgeschieden, und Real konnte selbst mit einem ­B-Team den Gruppensieg nicht mehr verspielen. Die Aufregung war diese Woche klein. 12 der 16 Plätze in den Achtelfinals waren bereits nach fünf Runden vergeben gewesen.

Der Ausgang dieser Gruppenphase hat zu einem grossen Teil das Ergebnis gebracht, das am Tag der Auslosung zu erwarten war. Die Top-4-Ligen Europas haben 12 ihrer 16 Teilnehmer weitergebracht; Inter, Napoli und Valencia sind ausgeschieden, weil sie jeweils auf zwei andere Abgesandte der Topligen trafen. Aus neutraler Sicht war die Unterhaltung bloss in einer Gruppe hochstehend: in jener mit PSG, Liverpool und Napoli.

Das Diktat der Grossen

Der Herbst ist für die Grossen nicht mehr als ein Warmspielen, bevor es im Frühjahr zur K.-o.-Phase kommt. Und es dann vielleicht wieder einmal Real - Bayern gibt, Barcelona - Juventus oder Real - Atlético, und man sich denkt, das alles schon x-mal gesehen zu haben. Aber Hauptsache, die Grossen sind glücklich und können das viele Geld der Uefa möglichst unter sich aufteilen.

Die Teams der Top 4 rafften letzte Saison 873 Millionen Euro zusammen, was 64 Prozent des gesamten Preisgelds der Uefa entsprach. Und weil sie den Hals nicht vollkriegen, setzten sie durch, dass ab diesem Herbst jeweils vier ihrer Mannschaften für die Gruppenspiele gesetzt sind. Und nimmt man noch Frankreich dazu, sind bereits 19 von 32 Plätzen vergeben, bevor die Qualifikation überhaupt beginnt.

Längst sind Ajax und Porto zum Beiwerk degradiert worden.

Dem Rest bleiben Brosamen. Das zeigt der Blick aufs Teilnehmerfeld der Achtelfinals. Mit dem FC Porto und Ajax Amsterdam schaffen es noch zwei Aussenseiter, die Interessen der Erlauchten zu stören. Porto und Ajax waren einmal Schwergewichte des europäischen Fussballs, das war zu Zeiten, als Geld noch nicht gleich alles war. Porto gewann zweimal den Meistercup und die Champions League, Ajax gar viermal. Längst sind sie zum Beiwerk degradiert worden.

Porto holte 2004 seinen zweiten Titel, damals noch mit dem faszinierenden Emporkömmling José Mourinho als Trainer. Der Portugiese sah sich zu der Zeit selbst noch als Eisberg, der unantastbar durch ein Meer voller Haie treibt. Längst ist er selbst auf der Seite der Haie und erachtet es unter seiner Würde, wenn er mit Manchester United einmal nur in der Europa League teilnehmen darf.

Die Raffgier der Agnellis

Seit jenem Triumph Portos im Final gegen Monaco sind die Machtverhältnisse etabliert. Spanien, England, Italien und Deutschland stellen in der Königsklasse alle Sieger und Finalisten sowie 53 von 56 Halbfinalisten. Nur der PSV Eindhoven (2005), Lyon (2010) und Monaco (2017) zwängten sich in die Halbfinals. Selbst für den mit Katar-Milliarden alimentierten PSG war bislang stets spätestens im Viertelfinal Schluss.

Der Wettbewerb in der Champions League ist abgestumpft, weil sie keine besonderen Geschichten mehr zulässt, weil sie die Ajax und Portos kleinhält. Das ist langweilig, aber mag die freuen, die von ihrer Raffgier getrieben sind, die Rummenigges und Agnellis aus München und Turin, welche alle anderen als Quantité négligeable anschauen, als vernachlässigbare Grösse. Dass sie vor gut zwei Jahren die Gedankenspiele betrieben, sich gleich ganz von der Uefa und ihren nationalen Meisterschaften abzuspalten und einen eigenen Wettbewerb zu gründen, überrascht nicht. Ihr Pressing gegen den europäischen Verband wurde schliesslich mit den vielen garantierten Startplätzen in der Champions League belohnt.

Kleinere nationale Ligen, dafür mehr Spiele auf europäischer Ebene.

Die zehn umsatzstärksten Vereine kamen in der Saison 2016/17 zusammen auf 5,3 Milliarden Euro, umgerechnet 6 Milliarden Franken. Die nächsten zehn, darunter immerhin Tottenham, Dortmund, Atlético und Napoli, verbuchten nicht einmal die Hälfte davon. Allein das belegt, wie selbst unter den Grossen die Schere aufgegangen ist. Bayern München wies für die letzte Saison 302,5 Millionen Euro Lohnkosten aus, Dortmund als Nummer 2 der Bundesliga 116 Millionen weniger. Allein die Differenz erlaubt es den Bayern, die Gehälter von Lewandowski, Neuer, Müller, James, Boateng, Robben, Ribéry und Hummels zu zahlen. Und von Alaba dazu.

Vor drei Wochen erklärten Uefa-Präsident Aleksander Ceferin und Juventus-Besitzer Andrea Agnelli nach einer Sitzung mit der EU an einer Pressekonferenz in Brüssel, dass sie keine europäische Super League wollen, dafür aber ab 2024 harmonisierte Spielpläne aller europäischen Ligen. Der Hintergedanke war: kleinere nationale Ligen, dafür mehr Spiele auf europäischer Ebene. Inzwischen preschte Agnelli mit seiner Idee vor, die Champions League nicht mehr in acht Vierer-, sondern in vier Achtergruppen auszutragen. Also noch ein paar Spiele mehr, in denen es um so viel geht wie bei Real - ZSKA. Dann gute Nacht.

Barça, Juve oder City?

Wie weit weg der durchschnittliche Schweizer Verein von der europäischen Spitze ist, zeigt sich an den Young Boys. In der Super League haben sie derzeit so viel Vorsprung wie niemand sonst in Europa zum vergleichbaren Zeitpunkt der Meisterschaft. In der Königsklasse jedoch waren sie Lehrlinge. Die zehn Super-League-Teams weisen zusammen einen Umsatz von rund 270 Millionen Franken aus, das hat allein ein internationaler Durchschnittsclub wie Schalke 04.

Den Top-4-Ligen wird sicher noch etwas einfallen, um noch mehr auf die Seite zu schaffen. Als würde das etwas an den Stärkeverhältnissen unter ihnen verändern. Wenn Barcelona 200 Millionen mehr einnimmt, tut das auch Real. Oder Juventus. Oder Manchester City. Es bleibt ein Nullsummenspiel.

Am Ende ist noch eines unverändert: Es gibt immer nur einen, der den Wettbewerb gewinnt. Diese Saison heisst er vielleicht Barcelona, Juventus oder Manchester City. Sie sind, Stand jetzt, die Favoriten.

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