Jung, wild – und unglaublich teuer geworden

Ajax Amsterdam rockt gerade die Champions League. Und das macht sich an vielen Fronten bemerkbar.

Wunderschön anzusehen: Ajax spielt sich mit einer lehrbuchreifen Passstafette durch die Turiner Reihen. (Video: SRF)

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Sie sind jung, sie sind wild und vor allem sind sie erfolgreich. Sie sind Ajax Amsterdam. Am Dienstag warfen die Zauberer aus Holland mit Technik, Tempo und Zielstrebigkeit Juventus aus der Königsklasse. Die Jugend setzte sich in Turin 2:1 durch – und hätte durchaus mehr Tore gegen die Alte Dame erzielen können.

Bei Juventus Turin setzt man auf Erfahrung, der Altersdurchschnitt des Kaders liegt bei 28,7 Jahren. 21 A-Nationalspieler stehen in den Reihen des italienischen Rekordmeisters. Vor der Saison war ein 33-Jähriger ihr Königstransfer. Wahrlich ein Ausnahmekönner, doch ist Cristiano Ronaldo wohl auf seinem Zenit angelangt.

Ganz anders die Holländer. In Amsterdam setzt man traditionell auf die Jugend, gepaart mit einzelnen Erfahrenen. Das war bereits bei der letzten Halbfinal-Qualifikation 1997 der Fall und ist es auch heute. Der Kader ist im Schnitt 24,1 Jahre alt. Es stehen «nur» 13 A-Nationalspieler unter Vertrag, dafür neun Jugendnationalspieler; bei Juventus ist es ein einziger.

Marktwert fast verdoppelt

Vor der Saison war klar: Das Team von Ajax hat Potential, kann national um den Titel mitspielen und vielleicht international mal einen Grossen ärgern. Die Saison war bisher – zumindest international – noch viel, viel besser als erwartet. Mit temporeichen, vertikalem Direktfussball (ein Beispiel oben im Video) brachten sie Bayern in der Gruppenphase an den Rand einer Niederlage, spielten das in den letzten Jahren dominante Real Madrid auswärts an die Wand und zeigte am Dienstag dem italienischen Rekordmeister die Grenzen auf. So einen steilen Aufstieg hatten den Jungspunden noch nicht mal die Experten in der Heimat zugetraut.

Die jungen Wilden von Ajax schmeissen die Alte Dame raus: Amsterdam siegt in Turin 2:1. (Video: Teleclub)

Die internationalen Erfolge lassen die Marktwerte der Ajax-Akteure steigen. Gemäss dem Portal transfermarkt.de stieg der Wert des Kaders seit Saisonbeginn um über 180 Millionen Euro auf rund 420 Millionen.

Die grösste Wertsteigerung verzeichnen die beiden bekanntesten Akteure. Es sind allein bei diesen Zweien rund 100 Millionen: Der 19-jährige Innenverteidiger und Captain Matthijs de Ligt ist nun nochmals 30 Millionen mehr wert und wird im Sommer mindestens 70 Millionen kosten. Er wird für Ajax dennoch kaum zu halten sein. Regisseur Frenkie de Jong, 21 Jahre alt, verzehnfachte seinen Wert von 7 auf 75 Millionen. De Jong wird Amsterdam nach der Saison Richtung Barcelona verlassen und eben diese 75 Millionen in die Ajax-Kasse spühlen.

Clevere Transferpolitik

Weitere junge Teamstützen wurden für einen Bruchteil ihres heutigen Werts verpflichtet oder in der eigenen Jugend ausgebildet, so wie de Ligt. Goalie André Onana wurde 2015 für 150'000 Euro von der U-19 des FC Barcelona verpflichtet. Heute ist der 23-jährige Kameruner 35 Millionen wert, ein Plus von 20 Millionen im Vergleich zum Sommer 2018. Die wirblige Flügelzange Neres/Zyiech kam in den vergangenen Jahren für jeweils knapp über zehn Millionen. Heute sind beide jeweils mehr als 30 Mio wert.

Da macht der Sportchef in Amsterdam einen wirklich guten Job. Nicht ohne Grund wurde der Vertrag von Marc Overmars erst im März vorzeitig bis 2024 verlängert. Overmars – selbst einst erfolgreicher Profi bei Ajax, Arsenal und in Barcelona – hat die perfekte Mischung aus Talent und Erfahrung zusammengestellt.

Drei Spieler der älteren Garde haben auch einen grossen Anteil am Erfolg. In der Abwehr unterstützt Daley Blind Captain de Ligt und sichert ab, wenn dieser sich in den Angriff einschaltet. Im Mittelfeld unterstützt der 32-jährige Lasse Schöne den Denker und Lenker de Jong. Und in der Offensive spielt sich Dusan Tadic, vor der Saison für 11 Millionen aus Southampton gekommen, in die Form seines Lebens – und das mit 30 Jahren. Derzeit ist Tadic 20 Millionen wert.

Rosige Zukunft – sportlich oder finanziell

Die Transfer-Anfragen dürften in Amsterdam nicht weniger werden und einige Spieler werden kaum zu halten sein. Wenn die etablierten Clubs anklopfen und mit ihrem Scheckbuch wedeln, wird so mancher Spieler dem Ruf des Geldes folgen. Doch mit einem Mann wie Marc Overmars als Sportchef, einer hervorragenden Scouting-Abteilung und der renommierten Nachwuchsakademie muss man sich bei Ajax keine Sorgen um die Zukunft machen. Entweder es bleiben dem Club einige Europa-Eroberer erhalten oder das Clubkonto wird gut gefüllt. Diese Millionen werden mit Sicherheit gut investiert – so wie es auch in der Vergangenheit der Fall war.

Erstellt: 17.04.2019, 12:39 Uhr

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