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Und trotzdem sagt Favre «Puuh!»

Ein stürmisches Team, Siege in Serie, zweimal Platz 1. Aber Dortmunds Trainer will mehr.

Der Portugiese schoss Tore zwei und vier: Lucien Favre wechselt Raphaël Guerreiro ein.
Der Portugiese schoss Tore zwei und vier: Lucien Favre wechselt Raphaël Guerreiro ein.
Keystone

Dieses Mal hat er es nicht gemacht. Er ist nicht nach dem Sieg dagestanden, hat verlegen gelächelt und gesagt: «Es gibt noch viel Arbeit.»

Es wäre auch ein bisschen komisch gewesen, hätte Favre auch nach einem 4:0 gegen den spanischen Spitzenclub Atlético Madrid auf seinen Lieblingssatz zurückgegriffen. Es gibt ja Experten, die finden, Atlético habe die stärkste Abwehr Europas. Und deshalb hat Favre dieses Mal gesagt: «Es war fantastisch, wir sind unbesiegbar.»

Nein, das hat er natürlich nicht. Der 60-jährige Romand ist nach dem grossen Abend in Dortmund dagestanden, hat verlegen gelächelt und gesagt: «Es gibt viele Sachen, die wir noch besser machen können.»

Magisches Spiel für die Dortmunder: Gegen Atlético treffen sie viermal.
Magisches Spiel für die Dortmunder: Gegen Atlético treffen sie viermal.
Keystone
Axel Witsel feiert in der 38. Minute seinen Treffer mit einer Geste, die der Schweiz bestens bekannt ist.
Axel Witsel feiert in der 38. Minute seinen Treffer mit einer Geste, die der Schweiz bestens bekannt ist.
Keystone
Atlético-Coach Diego Simeone leidet an der Seitenlinie. Sein Team kommt an diesem Champions-League-Abend nicht auf Touren, vergibt gute Chancen.
Atlético-Coach Diego Simeone leidet an der Seitenlinie. Sein Team kommt an diesem Champions-League-Abend nicht auf Touren, vergibt gute Chancen.
Keystone
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Er meint das ernst. Und er hat ja auch gar nicht unrecht. Obwohl es eigenartig klingt nach einem solchen Resultat. Gegen einen solchen Gegner. Und nach diesem Lauf der Dortmunder.

12 Spiele hat der BVB unter Favre in dieser Saison gemacht. Die Eckdaten dazu:

  • Die Mannschaft ist ungeschlagen. 10 Siege, 2 Unentschieden, 37:8 Tore.
  • Sie steht auf Platz 1 in der Bundesliga, drei Punkte vor Gladbach, vier vor den Bayern.
  • Dortmund hat in der Champions League nach drei Runden das Punktemaximum und 8:0 Tore erzielt.
  • Dem BVB gelangen in den vergangenen sechs Spielen einmal drei, viermal vier und einmal sieben Tore.

Der BVB brauchte gegen Atlético nicht einmal Paco Alcacer, den Stürmer, der in der Bundesliga im Schnitt alle 18 (!) Minuten und schon 7-mal getroffen hat, nun aber verletzt fehlte. Der BVB aber benötigte Glück für einen perfekten Spielverlauf. Das 1:0 in der 38. Minute gab ihm Sicherheit. Das 2:0 fiel während einer Druckphase Atléticos. Das 3:0 und 4:0 waren Zugaben für die immer euphorischer spielenden Dortmunder. Favre sagte am Ende: «Was die Effizienz angeht, war es ein perfekter Auftritt. Doch wenn ich das Spiel ansehe, ist das 4:0 für Atlético ein wenig hart.»

In der 53. Minute gelingt Atlético beinahe der Ausgleich. Quelle: SRF

Es hätte auch anders ausgehen können, das wusste Favre. Das wusste sein Schweizer Goalie Roman Bürki. Atlético traf trotz guter Möglichkeiten nicht ins Tor und je einmal an Latte und Pfosten. Der dritte Dortmunder Treffer fiel nach einem nicht geahndeten Offside, der vierte nach einem fürchterlichen Fehlpass der Madrilenen. «Wenn man die ersten 15, 20 Minuten der zweiten Halbzeit anschaut, hätte ich nicht gedacht, dass es so ausgeht», sagte Bürki, «aber wir sind ruhig geblieben.» Und Favre sagte zu den ersten Minuten nach der Pause: «Puuh! Atlético war besser. Ballbesitz total.»

Sancho sorgt für das 3:0. Quelle SRF

Und trotzdem: Einen Kantersieg gegen Atlético gibt es nicht einfach so mit etwas Glück und perfektem Spielverlauf. Was der BVB leisten kann, ist aussergewöhnlich. Das hat mit dem Tempo zu tun, das diese Mannschaft anschlagen kann. Mit der Mischung. Mit der Klasse und dem Händchen des Trainers. Mit der Qualität der Neuen, Jungen und Unbeschwerten.

Tweet eines begeisterten Favre-Jüngers.

Die 29-jährigen Reus und Witsel sind die Anführer. Bürki hält gerade hervorragend. Favre setzte am Mittwochabend sieben Spieler im Alter von 22 Jahren oder jünger ein, darunter die drei Verteidiger Diallo (22), Zagadou (19) und Hakimi (19) – der 23-jährige Schweizer Akanji fehlte verletzt. Die eingewechselten Guerreiro und der 18-jährige englische Neo-Nationalspieler Sancho erzielten drei Tore.

Es war nicht zum ersten Mal in dieser Saison, dass Jokertore den BVB zum Sieg führten. Ende September machte die Mannschaft in Leverkusen aus einem 0:2 ein 4:2. Favre sagt: «Die Einwechselspieler sind einfach gut. Sie wissen, was sie machen müssen. Sie spüren den Fussball.»

Sogar der Trainer der Gegner schwärmt

Dieser BVB hat grosses Potenzial. Atléticos Trainer Diego Simeone schwärmte: «Dortmunds Fussball ist sehr schön anzusehen. Die Mannschaft spielt sehr schnell und hat ein klares Ziel vor Augen. Es war von ihr ein aussergewöhnliches Spiel.» Dieser BVB kann nach einigen Veränderungen im Sommer, mit dem neuen Trainer und vielen jungen Spielern aber kaum schon gefestigt sein. Er muss mit Rückschlägen rechnen.

Captain Reus sagt: «Wir haben seit mehreren Wochen einen Rausch, wissen aber, dass das nicht immer so sein wird.» Und Favre erklärt: «Wir träumen nicht. 10 Siege und zwei Unentschieden – es hätte wenig gebraucht, und diese Zahlen sähen anders aus.» Er verlangt weiterhin Zeit, weil «19-, 20-Jährige zwei, drei Jahre brauchen, um reif zu sein». Und deshalb setzt er eben auch nach einem 4:0 gegen Atlético an zu einem seiner berühmten Sätze: «Taktik, Technik, Technik in der Luft, Technik am Boden, Ballannahme. Es gibt viele Sachen, die wir noch besser machen können.»

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