Schweizer Clubs haben im Exil schon Sternstunden erlebt

Der FC Lugano muss seine Heimspiele in St. Gallen austragen. Seit dem Jahr 2000 haben Schweizer Clubs 23 Europacup-Heimspiele in einer anderen Stadt ausgetragen.

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Manchmal ist es ein Superstar wie Bruce Springsteen. Oft ist es ein Stadion, das sich gerade im Bau befindet. Und immer wieder sind es die Leichtathleten, die die Schweizer Fussballer in fremde Städte treiben.

Wenn der FC Lugano heute Dynamo Kiew in St. Gallen begrüsst statt in seiner Heimatstadt, ist er längst keine Ausnahme. Seit dem Jahr 2000 gab es 23 Europacup-Partien, in denen ein Schweizer Team sein Heimspiel fern der Heimat austragen musste.

Und es sind sogar richtige Sternstunden des Schweizer Fussballs darunter. Grossartig war die Stimmung im Jahr 2000 im Hardturm. Der FC St. Gallen unter Trainer Marcel Koller empfing das grosse Chelsea mit Gianfranco Zola und Roberto di Matteo im Mittelfeld.

Nach einer 0:1-Niederlage in London waren die Hoffnungen zumindest nicht ganz geknickt. Aber was dann folgte, übertraf die wildesten Hoffnungen. Sascha Müller und Fan-Liebling Charles Amoah brachten die St. Galler bis zur 35. Minute 2:0 in Führung. Daran änderte sich bis zum Schluss nichts. Der Hardturm, dieses wunderbar enge Fussballstadion, barst fast ob der Energie der Ostschweizer Fans. Es ist bis heute der grösste internationale Erfolg des 1879 gegründeten Clubs.

Sowieso, der Hardturm, er war der beliebteste Ausweichort in der Schweiz, bevor er 2007 als baufällig deklariert wurde. Auch Basel und die Young Boys schauten vorbei, während ihre modernen Stadien noch im Bau waren.

Seit seiner Fertigstellung 2008 hat das Stadion in St. Gallen die Rolle des Hardturms übernommen. Es ist eng gebaut, nicht all zu gross, mit Naturrasen ausgestattet – und offenbar günstiger zu mieten als andere Stadien.

Leichtathleten schicken Fussballer nach St. Gallen

Vor allem liegt das St. Galler Stadion nahe genug an Zürich. Seit der Hardturm Geschichte ist, müssen die Grasshoppers und der FC Zürich immer wieder anderen Veranstaltern weichen, die den Letzigrund für sich beanspruchen. Besonders oft sind es die Leichtathleten mit Weltklasse Zürich, Europa- und Weltmeisterschaften.

So hat der FCZ, sozusagen in ausgleichender Gerechtigkeit, sein grösstes Ziel in St. Gallen erreicht: Mit einem 2:1 gegen die Letten aus Ventspils spielten sich die Zürcher 2009 ihr erstes und bislang letztes Mal in die Gruppenphase der Champions League.

Heimvorteil – oder kein Heimvorteil?

Die Frage, ob der Heimvorteil durch den Stadtwechsel verloren geht, kann nicht beantwortet werden. Da sind St. Gallen und der FCZ, die Sternstunden in fremden Heimstadien erlebten. Und da sind Partien wie jene des FC Sion, der sich im Stade de Genève mit dem Aus gegen die Letten von Marijampole blamierte. Und das vor gerade mal 410 entgeisterten Zuschauern.

In der Bilanz sind die Heimsiege leicht vor den Niederlagen.

Dass der FC Lugano seine Europa League in St. Gallen spielt und nicht mehr in Luzern wie 2017, hat jedenfalls nichts damit zu tun, dass sich die Tessiner in der Swissporarena unwohl gefühlt hätten. Ihnen war schlicht der Mietpreis in Luzern zu hoch.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

Die Sendung ist zu hören auf Spotify, bei Apple Podcasts oder direkt hier:

Erstellt: 03.10.2019, 16:06 Uhr

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