Vorsicht mit dem zweiten Ball

Donald Trump bricht die Golfregeln, wie es ihm gerade passt. Dabei ist Schummeln auf dem Golfplatz eine Kunstform.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nun wissen wir es: Donald Trump nimmt es auch mit den Golfregeln nicht genau. Schamlos findet er einen Ball, den er gerade noch für alle sichtbar im Wasser versenkt hat, in der Mitte des Fairways liegend. Boxchampion Oscar de la Hoya ist der letzte seiner Mitspieler, der detailliert berichtete, wie unverfroren der Präsidentschaftsanwärter beim Schummeln vorgeht. Dem Milliardär scheint der gute Ruf wirklich egal zu sein.

Dabei wird Betrügen auf dem Golfplatz hart geahndet: mit Disqualifikation, Sperren, teilweise Rauswurf aus dem Club – und gesellschaftlicher Ächtung. Geschummelt wird natürlich trotzdem, wobei die Angst vor dem Erwischtwerden bewirkt hat, dass sich diese Disziplin zur hoch entwickelten Kunstform mit Innovationsreichtum und Raffinesse entwickelt hat. Entwickeln musste.

Zwar gibt es die plumpen Tricks, falsch zu zählen oder einen schlecht liegenden Ball mit einem Fusskick unbemerkt in eine bessere Lage zu bringen. Doch plump ist heikel, denn das Fernglas des Turnierchefs reicht fast überall hin. Ähnlich simpel, aber subtiler und schon deshalb beliebt ist auch der Bleistift-Trick: Ein Strich bei einem missglückten Loch wird auf der Skorekarte in eine 4 verwandelt – und die Welt sieht wieder freundlicher aus. Mehr Geschick und Vorbereitung erfordert es, einen neuen Ball unbemerkt ins Spiel zu bringen. Dabei wird eine identische zweite Kugel mitgeführt und bei Bedarf durch ein Loch im Hosensack aufs Gras gerollt, wenn sich der erste partout nicht mehr finden lässt.Alle Tricksereien bergen ein Restrisiko, wie ein Fall aus Österreich illustriert: Ein bekannter Skitrainer fand seinen Ball nach einigem Suchen in der Nähe des Grüns. Dummerweise wurde kurz darauf sein erster Ball entdeckt – im Loch. Statt sich über ein Hole-in-one zu freuen, wurde er als Betrüger entlarvt und zum Gespött aller.

Also Vorsicht: Wer betrügt, wird erwischt. Irgendwann. Ausser Kim Jong-il: Der «Geliebte Führer» Nordkoreas soll in einer Runde gleich elf Holes-in-one geschlagen haben. Keiner im Land wagte das zu bezweifeln. Darauf könnte nicht einmal ein Präsident Trump hoffen.

Erstellt: 06.05.2016, 20:56 Uhr

Artikel zum Thema

Wie Donald Trump die Golfregeln bricht

Milliardär, aber kein Gentleman: Auf seinen eigenen Golfkursen wendet Donald Trump eigene Gesetze an. Mehr...

Der Entertainer

Analyse Donald Trump macht uns fassungslos. Und wir schauen trotzdem hin. Weil er eine Show liefert – eine Horrorshow. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Blogs

Geldblog Fürstliche Anlagen mit Potenzial

Sweet Home Willkommen im «Nouveau Boudoir»

Die Welt in Bildern

Bis die Reifen qualmen: Ein irakischer Biker kämpft sich mit seiner Maschine durch eine Strassensperre, die Demonstranten in Najaf errichtet haben. Sie protestieren gegen die aktuelle Regierung. (20. Januar 2020)
(Bild: Alaa al-Marjani) Mehr...