14 Monate nach einem Hirntrauma surft er wieder

Nachdem er von einer Welle verschluckt worden war, musste Owen Wright das Surfen wieder lernen. Jetzt ist er zurück auf der Tour.

Zurück in der Pipe: Owen Wright, hier in einer Aufnahme von 2015, vor seinem schweren Hirntrauma.

Zurück in der Pipe: Owen Wright, hier in einer Aufnahme von 2015, vor seinem schweren Hirntrauma. Bild: Keystone

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Es war bloss die erste Runde eines Qualifikations-Events. Doch für Owen Wright fühlte sich der Ritt vor dem Mereweather Beach an wie eine Wiedergeburt. 2015 war der australische Surfer ein ernsthafter Anwärter auf den Weltmeistertitel gewesen, er entzückte die Szene mit perfekten Läufen am Fiji Pro. Dann verschluckte ihn vor Hawaii eine Welle – und nichts war mehr wie zuvor.

Als das Wasser über ihm zusammenschlug, erlitt Wright in jenem Dezember ein schweres Hirntrauma und leichte Hirnblutungen. Danach plagte ihn Gedächtnisverlust, und sein Körper versagte vorübergehend seinen Dienst.

«Du hörst all diese Geschichten von Leuten mit ähnlichen Verletzungen», erzählte seine Schwester Tyler Wright nach Owens Rückkehr in die World Surf League gegenüber ABC, «du liest, wie hart diese Leute kämpfen müssen, um wieder zu jenem Menschen zu werden, der sie einst waren. Und ich habe ihn mit eigenen Augen gesehen: den Kampf, wieder sich selbst zu werden.» Die aktuelle Surfweltmeisterin war während der ersten Wochen nach dem Unfall die engste Pflegerin ihres Bruders gewesen.

Erinnerungen an Albrecht

Der Fall erinnert an die Geschichte des ehemaligen Schweizer Skifahrers Daniel Albrecht, der 2009 in Kitzbühel ein schweres Schädelhirntrauma erlitt und sich danach Schritt für Schritt wieder zurück ins Leben kämpfen musste.

Albrecht fand nie mehr zur alten Stärke auf der Piste zurück. Trotzdem überwogen für ihn bei seinem Rücktritt 2013 die positiven Gefühle: «Ich kann als gesunder Mensch aufhören. Und dass mir das nach dieser schweren Verletzung gelungen ist, das ist wertvoller als alle meine Medaillen.»

Für Wright dagegen könnte die Karriere noch etwas andauern. Zumindest gewann er bei seinem Comeback in der Heimat den ersten Lauf und qualifizierte sich für die nächste Runde.

Allerdings haben sich auch bei Wright die Prioritäten im Leben verschoben. Als er vier Monate nach seiner Verletzung erstmals wieder auf ein Surfbrett steigen wollte, konnte sich sein Körper nicht mehr an die Bewegungen erinnern: «Ich kam nicht auf die Füsse. Also bin ich einfach auf dem Brett gelegen.» Der ehemalige Profi-Surfer Luke Munro stellte fest, es fühle sich an, als müsse Wright «das Surfen noch einmal ganz von Anfang an lernen».

«Vergleiche mit früher sind nur schädlich»

Wright selbst schrieb damals: «Ich habe realisiert, dass ich mich zwar verbessern muss. Aber der Vergleich damit, was früher war oder was andere können – und die Frage, warum ich nicht gut genug bin, sind nur schädlich. Einfach gesagt ... aber wahnsinnig schwierig, wenn man es tun muss.»

Offenbar hat Wright seinen Weg gefunden. «Das letzte Jahr war das härteste meines Lebens», sagte er nach seinem ersten Auftritt am Mereweather Beach, «es war ein Ritt auf einer riesigen Achterbahn. Jetzt fühle ich mich auf der anderen Seite des Tunnels. Ich fühle mich besser und stärker als zuvor.»

Owen Wrights perfekte Läufe am Fiji Pro 2015. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.02.2017, 13:27 Uhr

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