Porträt

145 Kilo Schweizer Football-Kraft

Daniel Glauser ist der erste Schweizer Footballer in der First Divison. Tagesanzeiger.ch/Newsnet sprach vor der Superbowl vom Sonntag mit dem 22-Jährigen über seine Erfahrungen und Aussichten im US-Football.

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Im Dezember 2011 konnte die College-Football-Mannschaft der Florida State Seminoles den Zuzug von Daniel Glauser vermelden. Der Rheinfeldner ist der erste Schweizer, der es in die First Division geschafft hat. Als Left Tackle gehört er zur Offensivlinie der Mannschaft. Diese beinhaltet fünf Spieler, die vor dem Quarterback aufgestellt sind. Der Left Tackle ist eine besonders wichtige Position, da dieser Spieler beim Ballwechsel die blinde Seite des Quarterbacks sichern muss. Tagesanzeiger.ch/Newsnet sprach mit dem 22-Jährigen über seine Erfahrungen und Aussichten im US-Football.

Als Left Tackle müssen sie körperlich robust sein…
Ja, also ich bin 1.98 Meter gross und wiege 145 Kilo. Doch ich habe keinen Bauch oder so. Manchmal frage ich mich auch, wo das Gewicht herkommt.

Wie kam es, dass Sie in die USA gingen?
Mein Headcoach Dwaine Wood sah, dass ich Potenzial habe. Und mit 18 oder 19 Jahren habe ich mich auf einer der Recruiting Homepages angemeldet und mein Highlight-Tape hinzugefügt. Eigentlich nur aus Spass, da ich noch mitten in meiner Lehre war. Es vergingen keine zwei Tage und die ersten Schulen haben mir geschrieben. Dann habe ich mich für jene in New Mexiko entschieden.

Was hat Ihre Familie dazu gesagt?
Meine Mutter war zu Beginn ein bisschen skeptisch, da ich meine Lehre abbrechen musste. Ich versicherte aber, dass ich dort weiter zur Schule gehe und meinen Abschluss mache. Und bis jetzt läuft es gut, einen Abschluss habe ich schon und bin nun am Bachelor.

Wie ist das Gefälle zwischen dem Football in den USA und in Europa? Das muss ein grosser Sprung gewesen sein?
Football am Junior College war eine Umstellung: Ich habe zuvor für die Gladiators beider Basel gespielt, wo wir zweimal in der Woche zwei Stunden trainiert und dann am Wochenende gespielt haben. Im Junior College wird das ernster genommen. Ich hatte jeden Tag eineinhalb Stunden Training. Darüber hinaus handelte es sich in meinem Fall um eine Militärschule: Wir mussten jeden Tag um 5.30 Uhr aufstehen, wir hatten bei jeder Gelegenheit Formationen und trugen ständig Uniform.

Wie sind Sie von New Mexico nach Florida gekommen?
Ich habe das «All American Team» und das «First Team all Conference» erreicht. Das waren die beiden besten Auszeichnungen, die man bekommen kann…

Sie kamen also mit sehr vielen Vorschusslorbeeren.
Ja, aber sie erwarten nun auch viel von mir.

Sie hatten bestimmt keinen Exotenbonus in den USA?
Da ich zuerst zwei Saisons Junior College gespielt habe und dort die «All American» und «First Team All Conference» erreicht habe, wusste man in Florida, dass ich Football spielen kann. Deshalb wurde ich auch gut aufgenommen. Es ist anders – härter.

Wie wurden Sie in den USA als Schweizer Footballspieler wahrgenommen?
Das Interesse der amerikanischen Medien war auf jeden Fall grösser als dasjenige der Presse in der Schweiz.

Und das Leben neben dem Football?
Naja, ich war in einer kleinen Stadt, Roswell. Ab und zu würde ich auch gerne wieder die Schweiz besuchen, aber die Zeit und das Geld fehlen mir. In diesem Jahr habe ich eine Woche Frühlingsferien und acht Tage frei im Sommer – ein normaler Student hat vier Monate. Aber ich bin mit meiner Familie und Freunden ständig in Kontakt.

Warum haben Sie genau zur Florida State gewechselt?
Am Ende meiner Zeit in New Mexico hatte ich etwa vierzehn Angebote. Man hat fünf Besuche offen, bei denen dir alles gezahlt wird. Beim meinem Besuch bei Florida State hat mir alles gefallen. Es hat einfach gepasst.

Sind Sie der einzige Europäer im Team?
Nein, es gibt noch einen weiteren – Björn Werner aus Deutschland. Er spielt an der Defense Line und ist sehr gut. In einem Jahr wird er in die NFL wechseln. Ich hoffe, dass ich so gut bin wie er. Ansonsten ist das Team wie eine grosse Familie mit einem Ziel: so viele Spiele zu gewinnen wie möglich.

Hat sich mit Björn Werner eine spezielle Freundschaft entwickelt?
Es ist für beide cool, deutsch zu reden anstatt die ganze Zeit englisch.

Was sind Ihre Ambitionen in der College League?
Ich kann hier noch zwei Jahre spielen. Für jeden Spieler ist natürlich die NFL das Ziel und dafür arbeiten wir hart. Zweieinhalb Stunden trainieren wir täglich. Ich habe mir aber noch keine Gedanken gemacht. Doch meine Trainer meinen, wenn ich eine gute Saison mache, hätte ich gute Chancen.

Werden Sie in der kommenden Saison Spielzeit bekommen?
Das erwarten die Trainer von mir und ich von mir selber auch. Deswegen bin ich hierher gekommen. Mein Vorgänger auf dieser Position wechselte in die NFL, deswegen wurde ich rekrutiert.

Haben Sie einen Plan B, falls es mit der NFL nicht klappen sollte?
Ich hätte dann immer noch meinen Abschluss als Business Manager of Logistics. Wahrscheinlich gehe ich dann nach Europa Football spielen, da ich eine amerikanische Football-Ausbildung habe – und einen Schweizer Pass. Das heisst, ich würde dann für europäische Teams nicht als Import zählen und das haben die europäischen Teams gerne.

Am Sonntag findet die Superbowl zwischen den New York Giants und den New England Patriots statt. Was ist Ihr Tipp, wer die Partie gewinnt?
Ich hoffe, New England gewinnt. Ich bin ein Washington-Redskins-Fan und die Giants sind in derselben Conference. Deswegen mag ich die Giants nicht. Und New Englands Quarterback Tom Brady hat noch eine offene Rechnung mit den Giants vom Final von 2008.

Erstellt: 03.02.2012, 10:57 Uhr

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