Würdigung

An der Freude fehlt es ihr keineswegs

Nach dem Weltcup-Final am nächsten Wochenende in Baden tritt die weltbeste Orientierungsläuferin zurück. Eine Würdigung.

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23 Weltmeistertitel, 10 Europameistertitel, 8 Weltcupgesamtsiege, 38 Schweizer-Meister-Titel und Schweizer Sportlerin der Jahre 2003, 2005, 2007 und – womöglich – 2013. Das sind die bedeutendsten Erfolge der Orientierungsläuferin Simone Niggli-Luder. Doch mit dieser Aufzählung wird man der 35-jährigen Bernerin nicht gerecht.

Simone Niggli ist längst das Gesicht einer Sportart geworden. Einer Sportart, die dank ihr vor allem hierzulande gewaltig an Ausstrahlung gewonnen hat. Und in der die Schweiz nicht zuletzt dank Nigglis Vorbildrolle, dank Sponsorenunterstützung und gewonnener Attraktivität über ein international hochklassiges Niveau verfügt – vor allem ans aktuelle Männerteam sei hier erinnert.

Schwieriger Entscheid

Heute Mittag gab die Orientierungsläuferin aus Münsingen ihren Rücktritt bekannt – emotional bewegt wie kaum je gesehen in den letzten zwölf Jahren, in denen sie ihre Sportart geprägt und ihr ein Gesicht gegeben hat. Gerade in diesem Augenblick wurde deutlich, mit wie viel Herzblut sie den Orientierungslauf betrieben hat.

Im Raum gestanden hatte die Frage über Rücktritt oder Fortsetzung der Karriere bereits vor einem Jahr, nach den Heimweltmeisterschaften in Lausanne. Niggli entschied sich trotz erfolgreicher Saison dagegen und sprach von der «ungebrochenen Freude am OL» und der Absicht, «noch eine, wohl eher zwei Saisons anzuhängen». Nach reiflicher Überlegung und Gesprächen mit diversen Bezugspersonen entschied sich die Ausnahmekönnerin nun zum «schwierigen» Schritt. Denn an der Freude fehlt es ihr, der dreifachen Mutter, nach wie vor keineswegs.

Die Altersfrage

Aber Simone Niggli sagte auch: «Gerade im letzten Winter zeigte sich, dass sich auch bei mir die Altersfrage in Form von Verletzungen und Krankheiten stellt.» Und gerade in dieser Periode verspürte sie einen Druck, dem entgegenzuhalten ihr immer schwerer gefallen ist. Das hinderte die exzellente Wettkampfathletin nicht daran, auf den Sommer hin und dank eines dreimonatigen Trainingsaufenthalts in Finnland in Topform zu kommen. Und ihrem einzigartigen Palmarès drei weitere Einzel-Weltmeistertitel (und Staffel-Bronze) hinzuzufügen – und das in Vuokatti, in einem ungewohnten, äusserst schwierigen Gelände, im Heimterrain der traditionellen OL-Nationen.

Diese Erfolge entsprachen einer Krönung erster Güte. «Das war ein absolutes Highlight», sagt Niggli selber. Und für sie schloss sich auch ein Kreis: In Finnland gewann sie 2001 ihr erstes WM-Gold (Langdistanz in Tampere). Und wie wird es nun weitergehen, Simone Niggli? «Da gibt es einige Ideen, aber noch nichts Spruchreifes», sagt sie und betont, «auch die OL-Läuferin Simone Niggli wird es weiter geben, einfach vor einem anderen Hintergrund.»

Erstellt: 30.09.2013, 14:49 Uhr

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