Anpeilen, fokussieren, abhaken

Fabian Cancellara: Was die Sonderklasse des Schweizer Modellathleten ausmacht.

Fabian Cancellara: Auch im Training gibt der Radsportler Vollgas.

Fabian Cancellara: Auch im Training gibt der Radsportler Vollgas. Bild: Keystone

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Das Züngeln verhiess nichts Gutes. Und wir, die wir vor dem Fernseher sassen und das Schlimmste befürchteten, behielten recht: Marco Streller, der virtuose Zungenspieler, verschoss den Penalty, Tranquillo Barnetta und Ricardo Cabanas taten es ihm gleich. Und so vergab die Schweiz im Spiel gegen die Ukraine die grosse Chance, an der Fussball-WM in Deutschland in die Viertelfinals einzuziehen. Typisch schweizerisch: Wenn es darauf ankommt, versagen die Nerven. Sagten wir vor vier Jahren.

Alles auf ein Ziel ausgerichtet

Das war einmal. Typisch schweizerisch bedeutet im Sport heute etwas anderes. Es heisst: den Druck spüren, wie Carlo Janka es vor dem Riesenslalom bei den Olympischen Spielen in Vancouver tat, ins Starthaus gehen, «den Puls herunterfahren und einfach mal fahren». Es heisst auch: Auf dem Schanzenturm stehen, sich konzentrieren, den Puls auf 180 hochtreiben, die genau richtige Körperspannung finden, losfahren, abspringen, den Druck unter den Brettern spüren und fliiiiiiiiiegen. So wurde Simon Ammann zum zweiten Mal Doppelolympiasieger.

Für das neue typisch Schweizerische gibt es einen Ausdruck: fokussieren. Wer fokussiert, blendet alles aus, was der Leistung schaden könnte. Auch Roger Federer beherrscht das. Fokussieren. Es klingt furchtbar einfach, doch es hilft nur jenen, die wissen, dass sie alles dafür getan haben, die Besten zu sein.

Zu ihnen gehört auch Fabian Cancellara, der Radprofi aus Bern, der am Ostersonntag als erster Schweizer seit 87 Jahren die Flandern-Rundfahrt gewann und am kommenden Sonntag bei Paris–Roubaix nachdoppeln will.

Als Cancellara vor zwölf Jahren Junioren-Weltmeister im Zeitfahren geworden war, erklärte er: «Ich möchte einmal die Tour de France gewinnen.» Seither wird er immer wieder darauf angesprochen. Die Tour sei ein Traum, antwortet er, und stehe am Ende einer langen Entwicklung mit vielen Zwischenzielen.

Was Cancellara bis jetzt erreichen wollte, hat er erreicht

Anstreben, vorbereiten, abhaken, weiterschauen. Was er bis jetzt erreichen wollte, hat er erreicht. Fünf Ziele, die für den 80 Kilo schweren Modellathleten mit dem «grössten Motor im Feld» (Saxo-Bank-Teamchef Bjarne Riis) in Reichweite lagen, schaffte er: Weltmeister und Olympiasieger im Zeitfahren, Sieger bei den «Monumenten»: Mailand–Sanremo, Paris–Roubaix und Flandern-Rundfahrt. Es waren keine gewöhnlichen Siege, sondern Triumphe «alla Cancellara». So, wie nur er es kann.

Auch er selber sieht das so. Cancellara ist stolz auf das, was er erreicht hat. Seinen Sieg in Flandern verglich er mit einem 6:0, 6:0, 6:0 in einem Wimbledon-Final. Das klang überheblich und ist doch nur Ausdruck seines Selbstvertrauens. Er weiss, was er kann, wie er seine Ziele erreicht – und was er zu tun hat, um noch weiterzukommen. Seine nächste Herausforderung sind die Berge, für die er mit seinem Gewicht nicht gebaut ist. Erste Annäherungen an die Zukunft hat er bereits hinter sich: Im letzten Jahr gewann er trotz drei Bergankünften die Tour de Suisse, im Herbst wurde er auf einer Strecke mit 4500 Meter Höhendifferenz nur deshalb nicht Weltmeister, weil er als Favorit zu sehr bewacht wurde.

Auf dem Weg zur Tour de France

Lüttich–Bastogne–Lüttich und die Lombardei-Rundfahrt, die topografisch schwierigsten unter den klassischen Eintagesrennen, sind auf dem Weg zur Tour de France, seinem Traum, die nächsten Stationen. Schafft er es, erklimmt er noch einmal eine höhere Stufe. Erst drei Fahrer haben alle fünf «Monumente» gewonnen: Eddy Merckx, Roger de Vlaeminck und Rik Van Looy. Nur einer von ihnen hat auch noch die Tour im Palmarès: Eddy, der Kannibale.

Erstellt: 09.04.2010, 09:49 Uhr

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