Ball statt Puck in der Swiss Arena

Über Nacht wurde die Eishockeyhalle für die Unihockey-Superfinals hergerichtet.

Dämpfer für Dietlikon zum Ende des Startdrittels: Die Churerin Priska von Rickenbach bejubelt vor schöner Kulisse in Kloten ihr 3:1. Foto: Siggi Bucher (Keystone)

Dämpfer für Dietlikon zum Ende des Startdrittels: Die Churerin Priska von Rickenbach bejubelt vor schöner Kulisse in Kloten ihr 3:1. Foto: Siggi Bucher (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Bild der zwei Herzen in der Brust ist schief. Aber jeder weiss, was damit gemeint ist. Christian Fontana bediente sich im Vorfeld der Superfinals dieser Metapher. Der Präsident des lokalen ­Organisationskomitees ist einerseits ­Anhänger des EHC Kloten, andererseits war er in der Nacht auf Sonntag ­bestrebt, die Eishockeyarena möglichst zügig in eine Unihockeyhalle zu verwandeln. Als jedoch Rapperswil-Jona am späten Samstagabend im fünften Spiel der Ligaqualifikation kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit in Führung lag, spürte Fontana, dass auch bei ihm eben nur ein Herz in der Brust schlägt – jenes für den EHC. Beim Ausgleichstreffer Denis Hollensteins in der Schlussminute überwog denn auch die Freude über das Erreichen der Verlängerung, und nicht der Frust darüber, dass die Zeit für die ­Umbauarbeiten noch knapper würde.

Kurz vor 23 Uhr schoss Thierry Bader Kloten ins Glück. Nach Mitternacht hiess es für Fontana und Kollegen: Halle reinigen, Banden abbauen, zwei Materialschichten über das Eis ziehen, um die Feuchtigkeit einzudämmen, und schliesslich 600 Einzelplatten zu einem Unihockeyboden zu verlegen. «Für eine Stunde Schlaf hat es auch noch gereicht», sagte Fontana. Der Frauenfinal zwischen Dietlikon und Chur konnte ohne Verzögerung um 12 Uhr beginnen.

Nur nahmen es die Zürcherinnen mit der Pünktlichkeit nicht so genau – respektive: Sie waren auf den Punkt nicht bereit. Am Ende siegte Chur 5:3, und Dietlikons Center Tanja Stella konstatierte: «Wir wussten, was uns zu Beginn erwarten würde. Trotzdem verloren wir die Partie im Startdrittel.»

«Das ist ungemein frustrierend»

Die beiden Teams standen sich zum siebten Mal in Folge im Final gegenüber, wobei der Titelträger seit 2015 nicht mehr in einer Playoff-Serie ermittelt wird, sondern in einer einzigen Partie im Rahmen des Superfinals. Die ausgeglichener besetzten Churerinnen setzten Dietlikon früh unter Druck; die Equipe von Coach Simone Berner kam vorerst kaum zur Entfaltung, geschweige denn zu Möglichkeiten.

Dies galt vor allem für Michelle Wiki. Die filigrane Angreiferin hatte bis zum Superfinal 58 Tore erzielt, sie blieb im wichtigsten Match der Saison einiges schuldig. «Es ist bitter und sehr enttäuschend, konnte ich meine Leistung nicht abrufen», sagte Wiki. Zur besten Akteurin avancierte Julia Suter. Sie war an ­allen drei Dietlikon-Toren beteiligt und zeigte wenige Monate nach ihrem Comeback, dass sie noch immer die Spielerin für grosse Momente sein kann.

«Das Potenzial für noch mehr Zuschauer wäre vorhanden.»Daniel Kasser, Eventleiter 

Suter hatte vor vier Jahren Abstand vom Unihockey gesucht, weil ihr der übertriebene Ehrgeiz oft im Weg gestanden hatte. Gestern zeigte sie in der Analyse, dass sie zumindest nichts an Leidenschaft eingebüsst hat. «Wenn du so oft in Rückstand gerätst wie wir in dieser Saison, kannst du keinen Titel holen. Das ist ungemein frustrierend», sagte Suter. Und: «Wir verhielten uns naiv, kassierten zweimal ein Tor, unmittelbar nachdem uns ein Treffer gelungen war. Da müssen sich Spielerinnen und Staff an der Nase nehmen.»

Bei den Männern setzte sich Köniz überraschend gegen den elffachen Meister Wiler-Ersigen durch (5:2). Die Berner Vorstädter holten zum ersten Mal in der Clubgeschichte den Titel und bescherten dem zurücktretenden Trainer René Berliat den perfekten Abgang.

Pro Stimmung, pro Kloten

Offen ist, ob der Superfinal auch nächstes Jahr in der Swiss Arena durchgeführt wird. Der Vertrag läuft aus. Beim Verband wurde vor geraumer Zeit mit fünfstelligen Zuschauerzahlen geliebäugelt und über den Umzug ins Hallenstadion diskutiert. Doch Eventleiter Daniel Kasser sagt: «Das Potenzial für noch mehr Zuschauer wäre vorhanden. Aber die Werte von der Heim-WM 2012 im Hallenstadion haben uns gezeigt, dass in der Swiss Arena die Stimmung für Unihockeypartien schlicht besser ist.»

Gestern verfolgten über 8000 Besucher den Männerfinal. Kurz nachdem sie die Halle verlassen hatten, begann der Rückbau – obwohl Fontana hofft, dass das Eis nicht mehr für ein siebtes Spiel in der ­Ligaqualifikation benötigt wird.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.04.2018, 23:06 Uhr

Artikel zum Thema

Unihockey putzt sich heraus

Ab heute überträgt das Schweizer Fernsehen jeden Samstagabend ein Playoffspiel live. Warum SRF die Sportart derart fördert – und wie diese die grosse Chance nutzen will. Mehr...

Aufgeräumt, erleichtert, im Kampfmodus

Nach der Last-Minute-Wende am Samstag können die Klotener heute in Rapperswil-Jona den Klassenerhalt schaffen. Das dramatische Spiel 5 hinterliess Spuren. Mehr...

Welch ein verrückter Abend

SonntagsZeitung Der EHC Kloten dreht ein scheinbar verlorenes Spiel zu einem 4:3 über die SCRJ Lakers. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Nachspielzeit Die Zitrone Champions League ist ausgepresst

Politblog So reden Verlierer

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Festival vereint die verschiedenen Kulturen des Landes: Eine Frau singt und tanzt bei einem Strassenfest in Südafrika in einem traditionellen Kleid. (14. Dezember 2018)
(Bild: Rajesh JANTILAL) Mehr...