Bonus fürs Falschparken

Bruno überlegt sich neue Finanzierungsmodelle.

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Es waren nur wenige Zeilen in seiner Lieblings­zeitung, aber Bruno spricht darüber an diesem verregneten Morgen, was Luca doch etwas erstaunt. Die Eishockeysaison ist noch weit weg, so scheint es wenigstens, der Sommer hat ja noch nicht einmal richtig begonnen, und Brunos Sympathien zum Schluefweg und zu den Klotenern sind sowieso erloschen, seit Fige Hollenstein zum zweiten Mal entlassen wurde. Aber die Meldung hat sein Interesse und vor allem seine Fantasie geweckt: Eine Saisonkarte bei den Flyers kostet im kommenden Winter zwar einige Franken weniger als bisher, sie gilt jedoch nur noch für die Spiele während der Qualifikation. Wer dabei sein will, wenn es nach langen Monaten des Wartens im Playoff endlich spannend wird, bekommt eine zusätz­liche Rechnung. Man hätte, schreibt die EHC Kloten Sport AG, auf «ein weltweit erfolgreich erprobtes Playoff-Ticket­-System» umgestellt.

Das könnte, meint Bruno, ein Geschäfts­modell sein, das vielleicht auch in anderen Bereichen des Lebens anwendbar wäre.

Zum Beispiel in seiner Lieblingsbadi. Die Gemeinde macht die Abonnements etwas billiger, mit der Einschränkung, dass bei einer Lufttemperatur über 30 Grad (gemessen mittags um 12.30 Uhr im Schatten) und einer Seetemperatur ab 24 Grad (gemessen 20 Zentimeter unter dem Wasserspiegel) beispielsweise 50 Rappen pro Grad zusätzlich zu entrichten sind. Nur bei einem plötzlich auftretenden Gewitter vor 18 Uhr würden diese wieder entfallen.

Oder in seinem Fitnessstudio. Das Jahres-Abo kostet in Zukunft etwas weniger, wer aber nach einem Monat die Gewichte an seinen Geräten überdurchschnittlich gesteigert hat, zahlt einen Aufpreis. Es müsste zusammen mit den Krankenkassen und der Ärztegesellschaft noch ausgehandelt werden, ab wann bei einem regelmässigen Training ein Fortschritt der Muskelkraft über die normale Entwicklung hinausgeht, und die Schwierigkeit dürfte darin bestehen, dass dabei noch das Alter zu berücksichtigen ist.

Eine neue Möglichkeit bietet sich auch den Strategen des Grasshopper-Clubs, die in letzter Zeit durch etliche Entscheidungen bereits einiges ­Aufsehen erregt haben. Sie könnten ­versuchen, den ständigen Zuschauerschwund im Letzigrund zu stoppen, indem sie wesentlich günstigere Tickets anbieten. Sollten aber die GC-Fussballer in einem Spiel drei und mehr Tore schiessen, zahlt man für dieses Spektakel beim Verlassen des Stadions zwei Franken pro zusätzliches Tor.

Ob es auch für kulturelle Institutionen neue Modelle gibt, bei der Preis­gestaltung flexibler zu werden, müsste noch überlegt werden. Kann man den Applaus im Theater per Dezibel messen und so bei einer entsprechend lauten Begeisterung etwas extra verlangen? Die kürzliche Premiere der Liebestragödie «Romeo und Julia» im Pfauen hätte dem Schauspielhaus auf diese Weise ein äusserst attraktives Zusatzeinkommen beschert. Das Prinzip wäre auch bei Konzerten anwendbar, wenn das ­Publikum einen Sänger zu einer dritten oder vierten Zugabe auffordert. Und, vielleicht auch denkbar: Wer sich in der Stadt Zürich innerhalb von zehn Tagen neunmal eine Parkbusse einhandelt (bringt Geld), dem wird die zehnte erlassen (Ansporn).

Bruno ist begeistert von seinen Vorschlägen, sieht als Werber bereits mögliche Kampagnen, «Muckis für Kohle» etwa, oder «Bonus für Falschparken». Er schreibt einige Slogans auf ein Blatt Papier, Luca ­verschluckt sich fast beim dritten Espresso und sagt schmunzelnd: «Die Sonne hat dir doch  etwas arg zugesetzt, du brauchst dringend Ferien.»

fredy.wettstein@tages-anzeiger.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.06.2015, 22:54 Uhr

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