Cancellara und die WM der Sprinter

Beim Radklassiker Mailand–Sanremo hat der Berner Zeitfahr-Olympiasieger heute nur Chancen, wenn das Rennen schwer gemacht wird.

Für einmal nur Aussenseiter: Fabian Cancellara.

Für einmal nur Aussenseiter: Fabian Cancellara. Bild: Keystone

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Das Rennen hat viele Namen. Mailand–Sanremo heisst es offiziell. Die Italiener nennen die mit fast 300 km längste Classique auch «La Classicissima» oder jahreszeitgemäss «La Primavera». Von «WM des Frühlings» ist die Rede und von der «WM der Sprinter». Von den fünf Monumenten – die andern sind Flandern-Rundfahrt, Paris–Roubaix, Lüttich–Bastogne–Lüttich, Lombardei-Rundfahrt – ist es das einzige, bei dem die Sprinter eine Chance haben. Zu den Siegern der letzten 15 Jahre gehören mit Zabel (4), Freire (3), Cipollini, Petacchi und Cavendish die besten Sprinter ihrer Epoche.

Freire, Petacchi und Cavendish sind auch diesmal dabei. Während sich der Italiener eben erst von einer Erkältung erholt hat, gehören der Spanier und der Brite erneut zu den Topfavoriten. Vor Freire fürchten sich alle am meisten, «weil man ihn nie sieht und er im richtigen Moment da ist», wie Fabian Cancellara sagt. Cavendish sieht sich selber als Favorit, auch wenn der Winterspeck noch nicht ganz weg ist. Zu seinem Trainingsprogramm im Winter gehörte auch Yoga. Im Kopf sei er deshalb noch stärker geworden. «Ihm genügen 50 Prozent», sagt Erik Zabel, sein Mentor im HCT-Team, «der Rest macht der Kopf.» Ausserdem hat Cavendish eine «Geheimwaffe»: ein Hightech-Rennvelo, das mithilfe der McLaren-Werke entwickelt wurde.

Herausgefordert werden die drei ehemaligen Sieger von einem Trio, das allen Angst macht und das sich dank dem Zusammenschluss von Garmin und Cervélo gebildet hat: Tyler Farrar, Thor Hushovd und Heinrich Haussler. Farrar gehört zu denen, die auch schon schneller waren als Cavendish, Haussler und Weltmeister Hushovd standen vor 2 Jahren neben Cavendish auf dem Podest.

Gilbert klar über Cancellara

Und da ist auch noch Tom Boonen, der belgische Ex-Weltmeister. Ihm fehlt Sanremo noch immer im Palmarès. Auch er beeindruckte bei Tirreno–Adriatico. Das tat auch Cancellara. Der Berner ist der Letzte, der die Sprinter im Finale überraschen konnte. 2008 mit einem unvergesslichen Antritt 1200 m vor dem Ziel. «Es wird schwer, diesen Coup zu wiederholen», sagt er, «meine Gegner sind gewarnt, und ein solcher Angriff gelingt sowieso nur alle zehn Jahre einmal.» Cancellara gehört zur Gruppe der Classique-Jäger, die darauf hoffen, dass das Rennen so schwer wird, dass Cipressa und Poggio, die beiden letzten Steigungen, Schiedsrichter spielen können und es zu keinem Massensprint kommt. Im Finale komme es darauf an, die Gegner genau zu beobachten, aufmerksam zu sein und jedes Detail zu berücksichtigen, sagt Cancellara. «Dann gewinnt der Fahrer, der das Puzzle am besten zusammensetzt.»

Cancellara wird das durchaus zugetraut. Doch einer steht auf der Liste noch klar über ihm: Philippe Gilbert. Der Wallone, der im letzten Herbst die Lombardei-Rundfahrt gewann, knüpfte in den letzten Wochen bereits wieder an diese Form an. Er siegte auf den «Strade bianche» in der Toskana, und er gewann eine Etappe des Tirreno. «Er hat von allen am meisten beeindruckt», sagt Cancellara. Gilbert könnte im Finale Cancellaras Verbündeter werden. Was dem Berner aber nicht unbedingt weiterhilft: Gilbert ist der bessere Sprinter. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.03.2011, 12:23 Uhr

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