Cancellaras Gegner hoffen wieder

Weil der Berner nicht mehr «Superman» ist, wittern heute bei Paris–Roubaix Hushovd, Boonen und BMC ihre Chance

Fabian Cancellara ist bei Paris–Roubaix der Gejagte.

Fabian Cancellara ist bei Paris–Roubaix der Gejagte. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Weltmeister sein ist gut. Paris–Roubaix zu gewinnen, wäre besser. Im Weltmeistertrikot als Erster auf der Rennbahn in Roubaix einzufahren, folglich das Grösste. Sagt Thor Hushovd, der Norweger, der vor einem Jahr hinter Fabian Cancellara der Beste der Deklassierten war und im Herbst in Australien Weltmeister wurde. Der Letzte, der in Roubaix als Weltmeister siegte, war Bernard Hinault vor 30 Jahren. Ausgerechnet Hinault. Der Bretone hasste die Pavés und interessierte sich während Jahren nicht für die «Königin der Classiques». 1981 betrat er widerwillig die «Hölle des Nordens» – nur um das lästige Rennen endlich abhaken zu können.

Thor Hushovd liebt die Pavés. Und er wartet darauf, dass die Liebe erwidert wird. Vor einem Jahr in der Tour de France gaben sie ihm ein Zeichen: Er gewann die Etappe, die von Cancellara geprägt war und beim Wald von Arenberg zu Ende ging.

Hat Hushovd der «Fluch des Regenbogentrikots» ereilt?

Die Passion, die für dieses Rennen eine der wichtigsten Voraussetzungen ist, macht Hushovd zu einem der ersten Herausforderer von Cancellara, der weiterhin der grosse Favorit bleibt, seinen Status als «Superman» bei der Flandern-Rundfahrt aber eingebüsst hat. Der Berner gibt sich betont locker und freut sich über jeden, der seine Ambitionen anmeldet.

Bei der Flandern-Rundfahrt gehörte Hushovd zu den grossen Geschlagenen. «Keine Kraft in den Beinen», war seine Erklärung für den 53. Platz. Leidet der Norweger, der im Weltmeistertrikot noch kein Rennen gewann, wie viele seiner Vorgänger unter dem «Fluch des Regenbogens»? Oder ist beim Team Garmin nach dem Rauswurf des Sportlichen Leiters Matthew White der Wurm drin? Auf dem Papier hat Garmin mit Hushovd, Tyler Farrar und Heinrich Haussler das stärkste Team für die Klassiker des Nordens. In Flandern gaben sie sich schon geschlagen, als das Finale begann.

Boonen mit Prellungen am Rücken und am Oberschenkel

Auch Tom Boonen hatte in der Flandern-Rundfahrt keinen grossen Tag. Nach zwei Stürzen am Mittwoch im Schelde-Prijs leidet er zudem unter Prellungen am Rücken und am Oberschenkel. Dennoch gibt er sich zuversichtlich. Er rechnet mit Gegenwind, der ein Solo, wie es Cancellara im Vorjahr zeigte, unmöglich machen werde, er setzt darauf, dass der Schweizer seinen Formhöhepunkt überschritten hat, und er weiss, dass er ihn im Spurt schlagen würde. Boonen hat mit Sylvain Chavanel einen starken Partner, der ihm taktischen Spielraum bieten wird, und mit Patrick Lefevere einen Teamchef, der mit seinen diversen Teams das Rennen schon zehnmal gewonnen hat (darunter vier Dreifachsiege). Mit dem vierten Sieg könnte Boonen zum Rekordsieger Roger de Vlaeminck aufschliessen – einem überzeugten Cancellara-Fan.

Das stärkste Team bei der Flandern-Rundfahrt war BMC. Als Cancellara zusammen mit Chavanel an der Spitze fuhr, waren die Roten von Patron Andy Rihs die Einzigen, die sich nicht geschlagen geben wollten. Sieben der acht gestarteten Fahrer waren im 50-köpfigen Spitzenfeld noch dabei (Kroon hatte sich das Schlüsselbein gebrochen). Sie sorgten dafür, dass die beiden Führenden eingeholt wurden, doch bei der Ernte gingen sie leer aus.

Das soll sich in Roubaix ändern. George Hincapie und Alessandro Ballan, zwei altgediente Pavé-Spezialisten, wurden als Leader bezeichnet. Weil der 38-jährige Amerikaner im Alter die Spritzigkeit eingebüsst hat, liegt ihm Paris–Roubaix besser als die Flandern-Rundfahrt. Auch Ballan stand in Roubaix schon auf dem Podest.

Ballan kommende Woche wohl vor einer Anklage

Der Italiener steht aber unter besonderem Druck. Gestern wurde bekannt, dass die Ermittlungen in der «Affäre von Modena» abgeschlossen wurden. Im Lauf der kommenden Woche soll offiziell Anklage erhoben werden gegen 32 Personen, zu denen – neben weiteren gegenwärtigen und ehemaligen Lampre-Fahrern (darunter auch Cunego) und Lampre-Teamchef Giuseppe Saronni – auch Ballan gehört. Ihm wird eine Eigenbluttransfusion 2009 vorgeworfen. Weil noch nichts Schriftliches vorliegt, darf Ballan heute starten. Als die Vorwürfe vor einem Jahr erstmals auftauchten, war der Flandern-Sieger von 2007 vorübergehend gesperrt worden.

Erstellt: 10.04.2011, 13:19 Uhr

Artikel zum Thema

Superman ist jetzt wieder Rennfahrer

Vorjahressieger Fabian Cancellara ist froh, dass der Druck vor dem sonntäglichen Klassiker Paris–Roubaix kleiner geworden ist. Mehr...

Wahre Liebe in der Hölle

Warum Fabian Cancellara die Kopfsteinpflaster-Passagen des Rad-Klassikers Paris–Roubaix trotz ihrer Tücken nicht missen möchte. Mehr...

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Blogs

Geldblog Warum auch Arbeitslose AHV-pflichtig sind

Mamablog Papas Alleswisserei nervt

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...