Dann misst sie sich halt an den Männern

Ironman-Weltmeisterin Daniela Ryf steuert am Sonntag beim Ironman 70.3 in Rapperswil-Jona den sechsten Sieg an. Um im Rennen gefordert zu sein, setzt sie sich spezielle Ziele.

Hier starten heisst für sie siegen: Daniela Ryf in Rapperswil-Jona. Foto: Claude Diderich (Freshfocus)

Hier starten heisst für sie siegen: Daniela Ryf in Rapperswil-Jona. Foto: Claude Diderich (Freshfocus)

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Für die Serie ist Daniela Ryf berühmt. Viermal in Folge hat sie den Ironman Hawaii gewonnen, viermal hat sie schier Unbeschreibliches geleistet, nach bis zu knapp neun Stunden Wettkampfdauer lief sie jeweils als Weltmeisterin in Kailua Kona ein. Diese Serie zählt zu den herausragendsten, nicht nur auf Hawaii, sondern im Weltsport.

Die Hawaii-Siege sind darum auch die bedeutendsten Erfolge in der Karriere der 32-jährigen Solothurnerin. Ihre längste Serie ist aber eine andere. Beim Ironman 70.3 in Rapperswil-Jona hat sie seit 2014 Jahr für Jahr gewonnen. Und niemand zweifelt daran, dass am Sonntag ein sechster Triumph folgen wird.

Die Premiere 2014 war wegweisend. Ryf, die vormalige ­U-23-Weltmeisterin und zweimalige Olympiateilnehmerin über die Olympische Distanz, siegte – und besiegte dabei die Gewinnerin des Vorjahres, Olympiasiegerin Nicola Spirig. «Ich habe es kaum fassen können», erzählt sie. Es war für sie ein Schlüsselerlebnis: «Ich powerte los, und der Einbruch ist einfach nicht gekommen.»

Rapperswil war für Ryf ein Schlüsselmoment: «Da hat meine Ironman- Karriere so richtig begonnen.»

Heute erkennt Ryf noch weitere Eckpunkte: «In Rapperswil-Jona hat meine Ironman-Karriere so richtig begonnen.» Es folge das Ironman-Debüt in Zürich Ende Juli 2014 – notabene einen Tag nach dem Sieg im 5150-Rennen. Und dann im Oktober die Hawaii-Premiere mit Rang 2.

Der Vierte war der Beste

Der unaufhaltsame Aufstieg glückte ihr und ihrem Coach Brett Sutton imponierend schnell. Es folgten weitere Kapitel. Der vierte Hawaii-Sieg vom letzten Herbst war der bis anhin eindrücklichste. «Der Tag, von dem sie befürchtete, es werde der schlimmste des Lebens, wird ihr bester», schrieb «Das Magazin» später. Trainer Sutton sagte in dem Beitrag: «Daniela ist eine Pionierin, der Roger Federer der Triathletinnen, nur dominanter.»

Auch Rapperswil-Jona ist die Ausnahmesportlerin treu geblieben. «Das Heimrennen über die halbe Ironman-Distanz ist zu einem Puzzlestück auf dem Weg nach Hawaii geworden», sagt sie. Die anspruchsvolle Strecke gefällt ihr, der Zeitpunkt liegt günstig, und sie sieht die Möglichkeit, sich dem Schweizer Publikum zu präsentieren.

Ryf sagt: «Hier begleitet mich meine Familie, hier sind meine Fans dabei.» Über den Stellenwert meint sie: «Rapperswil ist für mich eine Art Trainingswettkampf», Rennpraxis sammeln und «ein Stück weiterkommen» – das sind dabei die entscheidenden Faktoren. Die Siege versüssen die intensive Arbeit von jeweils etwas mehr als vier ­Stunden.

Zweimal ist sie 2019 bereits gestartet – zweimal hat sie gewonnen. Die Ungeschlagenheit hält an.

Vor einem Jahr begleiteten Ryf vor ihrem Rapperswil-Rennen grundlegende Fragen. Sie stand am Ende einer mehr als sechsmonatigen Wettkampfpause. Das sorgte für Emotionen. «Eine unglaubliche Vorfreude» spürte sie. Ganz zappelig sei sie gewesen. Vorgenommen hatte sie sich nicht weniger, als «auf tutti zu gehen», sprich «vom ersten Schwimmmeter mit voller Aggressivität bei der Sache zu sein». Nur so liessen sich Grenzen verschieben, war sie überzeugt.

Das ist sie noch immer. In diesem Jahr entfällt die Ungewissheit durch die Rennabstinenz. Die Ungeschlagenheit des ganzen letzten Jahres hat sie fortgesetzt. 2019 hat sie bereits zwei Rennen bestritten: den Ironman 70.3 in Oceanside (USA) sowie den Ironman Texas. Gerade in Texas aber sah sie sich gefordert. Jocelyn McCauley, die aktuell führende US-Langdistanz-Athletin, verlangte Ryf alles ab. Erst 6 km vor dem Ziel eroberte sich die Schweizerin die Leaderposition zurück. «Ich durfte wieder einmal erleben, was es bringt, wenn du immer an dich glaubst und nie aufgibst», sagte sie hinterher.

Die Konkurrenz fehlt

In Rapperswil-Jona dürfte die ebenbürtige Konkurrenz fehlen. Angetrieben wird sich Ryf dennoch fühlen. Sie stellt sich im Rennen selbst Aufgaben, braucht beispielsweise männliche Profis als Sparringspartner. «Sich an sie heranangeln und an ihnen vorbeiziehen – das beflügelt.» Letztes Jahr waren am Schluss nur sechs schneller, im Halbmarathon gar nur vier.

Doch Daniela Ryf freut sich auch auf die Zeit nach Rapperswil: Sie fährt nach St. Moritz. Die vier Monate in der Höhenlage des Engadins will sie dazu nutzen, «das nächste Level zu erklimmen und in Hawaii-Form zu kommen».

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 31.05.2019, 06:38 Uhr

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