Das Fondue chinoise des Sports

Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr ist geprägt von vielen Traditionen und Ritualen. Diese gibt es auch im Sport – von Basketball bis Skispringen.

Flug zurück auf die Erde: Tournee in Garmisch. Foto: Getty

Flug zurück auf die Erde: Tournee in Garmisch. Foto: Getty

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Die Weihnachtszeit ist eine Zeit voller Traditionen, voller Rituale und Abläufe, die nur ungern durchbrochen werden, die sich über Jahre so eingenistet ­haben. Zuoberst auf dem Tannenbaum steckt ein goldener Stern, an Heiligabend isst man Fondue chinoise. Am 25. macht man einen Spaziergang, am 26. klagt man darüber, zu viel gegessen zu haben. An Silvester zündet man eine Tischbombe und giesst sich seine Zukunft in Blei. Traditionen zwischen Weihnachtsbaum und Silvesterfeuerwerk gibt es auch im Sport. Viele entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg und haben sich bis heute ­gehalten.

NBA Christmas Game
Dunks in Schneeflockensocken

Wenn die amerikanische Football-Liga ruht und auch kein Eishockey gespielt wird, tritt der Basketball ins Rampenlicht. Seit 1947 spielt die National Basketball League (NBA) Weihnachtsspiele am 25. Dezember. Die Begegnungen werden so gewählt, dass die Teams mit den besten Spielern aufeinandertreffen. Oft gibt es auch die Revanche des vergangenen Playoff-Finals. Seit 1967 wird das «Christmas Game» im Fernsehen übertragen. Heute ist es noch eines der ganz wenigen NBA-Spiele, das im nationalen TV zu sehen ist – und es beschert den Stationen sehr gute Quoten. «Weihnachten war immer speziell, weil ich wusste, dass alle zu Hause zuschauten», sagte der ehemalige Spieler Magic Johnson. Die Halftime-Show ist immer aufwendig, und mittlerweile ­tragen die Teams auch speziell festliche Trikots und Socken mit Schneeflocken-Aufdruck. Doch Sport am ersten Weihnachtstag begeistert nicht alle. 2009 sagte der Coach von Orlando, er habe Mitleid mit den Leuten, «die an Weihnachten nichts Besseres zu tun haben, als das Spiel zu schauen». Die NBA liess ihn ihre Tradition nicht so mit den Füssen treten und büsste ihn.

Boxing Day
Fäuste statt Schachteln

Während der Sport in den meisten Ländern am 25. ruht, ist der 26., der Boxing Day, ein Tag mit vielen Sportereignissen. In England wird traditionell eine Fussballrunde gespielt, gibt es Begegnungen im Rugby, finden grosse Pferderennen statt. Dieser «Geschenkschachtel»-Tag, an dem früher die Bediensteten von ­ihren Arbeitgebern Geschenke erhielten, wird in verschiedenen Ländern des Commonwealth aber auch anders verstanden: Boxing steht da für Kämpfe im Ring. Ob in Ghana oder in Guyana – der 26. Dezember ist das Datum für die wichtigen Meetings im Boxen. Diese Tradition wird auch in Italien gepflegt – und manchmal in der Schweiz. Im Berner Kursaal findet an diesem Datum oft ein Boxmeeting statt, und als in Zürich der grösste Schweizer Match stattfand, war ebenfalls 26. Dezember: 1971, als Muhammad Ali gegen Jürgen Blin antrat.

Annandagsbandy
Das Weihnachtsmann-Derby

In Schweden finden am 26. Dezember traditionellerweise Bandy-Spiele statt. Bandy ist der Vorläufer des Eishockeys. Es wird auf einer fussballfeldgrossen ­Eisfläche gespielt – mit Stock und Ball. Das «Weihnachtsmann-Derby» gibt es seit 1947. Es war einst das letzte Trainingsspiel vor dem Saisonstart, heute ist es ein normaler Spieltag. Die Affichen sind meistens Derbys oder die Neuauflage des letztjährigen Finals und werden im Fernsehen übertragen. Die schwedische Kirche war seit den Anfängen nicht sehr glücklich darüber, dass am Stephanstag Sport getrieben wurde. Doch bis 1999 war das Annandagsbandy der einzige Sportanlass in ganz Schweden. Heute finden auch Eishockey- und Handballspiele statt.

Sydney-Hobart Yacht Race
1200 km auf dem Meer

Während Europa auf den Winter wartet, sitzt Australien an Weihnachten am Strand. Am 26. Dezember startet vor der Küste Sydneys eine der härtesten Hochseeregatten der Welt. Seit 1945 werden im Sydney-Hobart Yacht Race die rund 1200 km von Australien nach Tasmanien gesegelt. Die Gewässer sind berüchtigt für ihre starken Winde und die raue See. 1998 sanken in einem Sturm fünf Boote – 6 Segler kamen ums Leben. Der erste Sieger brauchte 6 Tage, 14 Stunden und 22 Minuten. Der Rekord des Offshore-Klassikers liegt heute bei 1 Tag, 18 Stunden und 23 Minuten. Nach den Strapazen feiern die Besatzungen jeweils in ­Hobart zusammen Silvester.

World Team Challenge
Biathlon in der Fussball-Arena

Die Idee entstand aus einem Loch im Programm: Deutsche Fernsehanstalten waren auf der Suche nach einem kurzweiligen Format für die Altjahrswoche. So ­erfand der ehemalige Spitzenbiathlet Herbert Fritzenwenger die World Team Challenge – die inoffizielle Mannschafts-Weltmeisterschaft. In den 90er-Jahren kamen im Schnitt 5000 Fans, 2 Millionen schauten von zu Hause aus zu. Seit 2002 findet der Wettkampf in der Schalker Veltins-Arena statt. Der Kunstschnee für die etwa 1,2 km lange Loipe wird aus ­einer Skihalle in Nordrhein-Westfalen geholt. Das Stadion ist jedes Jahr mit rund 40'000 Zuschauern gefüllt. Mehr Tickets dürfen nicht verkauft werden, da die Sitze hinter dem Schiessstand aus ­Sicherheitsgründen leer bleiben müssen. Mittlerweile ist auch das Rahmenprogramm gross. Neben Skihütten-Gaudi gibt es auch die Schneeballschlacht-WM.

Spengler-Cup
Das Traditionsturnier

In der Stiftungsurkunde wird er angepriesen als «Gelegenheit für die einst feindlichen Nationen, im friedlichen Kampf ihre Kräfte zu messen und sich kameradschaftlich die Hand zu reichen». Der Spengler-Cup wurde fünf Jahre nach dem Ersten Weltkrieg vom Davoser Arzt Carl Spengler ins Leben ­gerufen. Die erste Austragung zog sich wegen starker Schneefälle und Lawinenniedergängen bis in den Januar hinein. Im Final schlug Oxford den Club aus ­Berlin. Das älteste internationale Eishockeyturnier für Mannschaften wird seit 1960 auch vom Fernsehen übertragen – mittlerweile in die ganze Welt. Seit 1979 wird der Spengler-Cup unter einem Dach ausgetragen, was die Planung um einiges einfacher machte. Davor konnten einige Austragungen wegen zu viel Schnee oder zu warmer Temperaturen erst im Januar zu Ende gespielt werden. Heute ist der Final jeweils um Punkt 12 an Silvester.

Neujahrsspringen
Sprung ins neue Jahr

Seit 1922 wird am ersten Tag im Jahr in Garmisch-Partenkirchen ein Skisprung-Wettbewerb veranstaltet. Das erste Neujahrsspringen gewann der Norweger ­Jakob Vaage – er sprang 76 m weit. Heute liegt der Schanzenrekord bei 143,5 m, aufgestellt von Simon Ammann. Das Springen auf der Grossen Olympiaschanze ist traditionsgemäss die zweite Station der Vierschanzentournee. Die Idee dazu kam den Skiclubs Partenkirchen und Innsbruck schon 1949. Allerdings durften nach dem Zweiten Weltkrieg keine ausländischen Springer in Deutschland starten und auch keine Deutschen im Ausland. Am 1. Januar 1953 fand dann das erste Springen der «Tournee» statt. 20'000 Zuschauer waren vor Ort. Drei Jahre später begann auch das Fernsehen den Anlass zu übertragen, ab 1960 war es bei allen Stationen der ­Vierschanzentournee dabei.

Erstellt: 23.12.2015, 23:55 Uhr

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