«Das Geld schafft kaum Anreiz»

Die schwache Papierform widerspiegelt nicht seine aktuell starke Form. Deshalb rechnet sich der Zürcher Micha Egger (29) in Japan an der Judo-WM Chancen aus.

Ist körperlich fit: Judokämpfer Micha Egger.

Ist körperlich fit: Judokämpfer Micha Egger.

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Micha Egger, Ihre erste Teilnahme an einer Elite-WM wird dadurch getoppt, dass die Titelkämpfe im Mutterland des Judo stattfinden. Sind Sie auf diesen ganz speziellen Moment gefasst, wenn Sie am Freitag in Tokio auf die Matte treten?
Ich denke ja. Wir sind früh am Sonntag gelandet und konnten uns akklimatisieren. Auch der Schlafrhythmus pendelte sich rasch ein, indem wir trotz grosser Müdigkeit uns anfangs strikte daran gehalten haben, untertags nicht ins Bett zu gehen. Die Vorbereitungsphase ist für mich gut verlaufen. Die letzten Trainingseinheiten in der populären japanischen Judoschule Kodokan haben unterstrichen, dass ich körperlich fit bin.

Welche Eindrücke konnten Sie vor Ort schon einsaugen?
Heute (Mittwoch) besuchten wir zum ersten Mal die Wettkampfhalle: einen imposanten, stattlichen Bau. Viel bewegender wird es dann noch, wenn auf der Matte die Reihe an mir sein wird. Denn die Titelkämpfe geniessen hier einen beachtlichen Stellenwert, man wird sogar auf der Strasse darauf angesprochen.

An die letzte WM in Japan hat die Schweiz gute Erinnerungen. Damals, vor sieben Jahren, gewann Sergei Aschwanden in Osaka in Ihrer Gewichtsklasse bis 81 kg die Silbermedaille. Fühlen Sie sich bereit, in seine Fussstapfen zu treten?
So weit denke ich noch nicht. Denn dabei handelt es sich um einen Erfolg, der nicht so leicht nachzuahmen ist. Lieber fokussiere ich mich darauf, schönes, effektives Judo zu zeigen. Mein Anspruch ist es, Freude in den Kampf zu bringen.

Als Nummer 81 der Weltrangliste starten Sie ohne rosige Aussichten. Mit einem 3. Rang beim Weltcup in Lissabon Mitte Juni und dem Turniersieg bei den internationalen deutschen Meisterschaften in Hamburg vor einem Monat setzten Sie aber vielversprechende Akzente. Wo liegt die Wahrheit Ihres Könnens?
Gute Frage, vielleicht in der Mitte. Die Weltrangliste ist für mich nicht aussagekräftig, weil ich aus der Fülle an Turnieren wegen der hohen Kosten nur eine kleine Anzahl bestreite und deshalb auf viele Punkte verzichte. Mit meinen letzten Auftritten konnte ich mich gut positionieren. Vor allem bestärken mich die Resultate in meinem Glauben, dass hier vieles möglich sein kann.

Was genau?
Im Tableau mit 81 Athleten erhielt ich zunächst ein Freilos. Danach wartet entweder ein Amerikaner, dem ich in Lissabon im Halbfinal unterlegen war, oder ein Georgier. Beides sind Gegner, die in meiner Reichweite liegen. Gelingt es mir, schwungvoll ins Turnier zu starten, hoffe ich auf ein Top-7-Ergebnis.

Das wäre gleichbedeutend mit dem Viertelfinal-Vorstoss. Dies ist die Vorgabe des Verbandes, um nächste Saison von einer finanziellen Unterstützung zu profitieren. Also kämpfen Sie neben sportlichen Meriten auch um Ihre finanzielle Existenz?
Das ist eine falsche Annahme. Denn die Prämien, die der Verband ausschütten kann, sind bescheiden. Sie bewegen sich zwischen 300 Franken pro Monat, mit denen ein 7. Platz honoriert würde, und 1000 Franken für den WM-Titel. Dieses Geld schafft kaum einen Leistungsanreiz. Um die Olympiaqualifikation, die mit der WM beginnt, anpacken zu können, werde ich weiterhin jährlich 20 000 Franken investieren und einer 60-Prozent-Anstellung nachgehen müssen.

Erstellt: 09.09.2010, 13:05 Uhr

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