Der Doping-Windhund nimmt Fahrt auf

Von der spanischen Dopingaffäre sollen auch internationale Topathleten betroffen sein. In die Schlagzeilen geraten zudem Spaniens Fussballer.

Gefrager Mann: Julian Perez Templado, der Anwalt von Eufemiano Fuentes.

Gefrager Mann: Julian Perez Templado, der Anwalt von Eufemiano Fuentes. Bild: Keystone

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Die jüngste Dopingaffäre war bislang eine rein spanische – und auf die Leichtathletik beschränkt. Sie führte unter anderem zur vorläufigen Festnahme von Marta Domínguez, einer der grossen Figuren des spanischen Sports und 3000-m-Steeple-Europameisterin. Die Affäre allerdings hat allem Anschein nach Ausläufer, die über die Grenzen des Landes und der Leichtathletik hinausweisen. Dies berichten nun spanische Medien unter Berufung auf die Ermittlungsbehörden.

Demnach habe die Polizei bei ihrer «Operación Galgo» (Operation Windhund) auf der Computerfestplatte des involvierten Dopingarztes Eufemiano Fuentes Hinweise auf die Verstrickung von «internationalen Weltklassesportlern» gefunden. Namen oder Sportarten habe die Polizei nicht genannt – wahrscheinlich, um laufende Ermittlungen nicht zu gefährden. Ob Individual- oder Mannschaftssportler verwickelt seien, blieb offen. Allerdings sei klar, dass es sich nicht um Leichtathleten handle, schrieb «El Periódico».

Xavi: «Kein Doping im Fussball»

Spekuliert wird, ob der Fussball betroffen sein könnte. Denn angebliche Äusserungen von Fuentes sorgen für neues Aufsehen. Nach Angaben der Zeitungen «El Mundo» und «Marca», die im selben Verlag erscheinen, erklärten kleinkriminelle Zellengenossen von Fuentes, dieser habe nach seiner Inhaftierung mit seinem Wissen geprahlt. Wenn er auspacke, «hätten wir vielleicht weder den EM- noch den WM-Titel» im Fussball, soll Fuentes gesagt haben. Dessen Anwalt, Julián Pérez Templado, verwies diese Darstellung ins Reich der Fabel. Fuentes, der am Sonntag unter Auflagen freikam, äusserte sich nicht. Spanien gewann vor zwei Jahren die EM und in diesem Jahr die WM.

Der Arzt hatte schon 2006 im Zuge der Radsport-Dopingaffäre «Operación Puerto» damit gedroht, Dopingpraktiken im Fussball und anderen Sportarten zu enthüllen, dann aber einen Rückzieher gemacht. Fussball-Nationaltrainer Vicente del Bosque und Nationalspieler Xavi Hernández wiesen die Äusserungen zurück. Xavi sagte: «Wir haben den Weltmeistertitel in der Gewissheit gewonnen, dass es im Fussball kein Doping gibt.»

Zum Material, das bei Fuentes sichergestellt wurde, zählen angeblich Dopingund Wettkampfkalender. Besonders belastet wird dabei Spaniens erfolgreichste Leichtathletin Domínguez. Die Ermittler sollen bei Fuentes Unterlagen gefunden haben, in denen die 35-Jährige unter einem Decknamen und mit Telefonnummer aufgeführt sein soll. Daneben seien die Medikamente aufgelistet, die ihr verabreicht worden sein sollen, zudem Aufzeichnungen über angebliche Bluttransfusionen. Der Privatsender Telecinco berichtete, die Ermittler gingen nunmehr davon aus, dass Domínguez auch die ominöse Person ist, die in den «Puerto»-Unterlagen als «Rosa» geführt wurde. Die hatte bisher nicht identifiziert werden können.

Irritierend hohe Einnahmen

In der «Puerto»-Anfangsphase hatte es zunächst geheissen, auch Dopingpläne für die Leichtathletik-EM 2006 in Göteborg seien gefunden worden. Später wurden aber nur Radsportler belangt, darunter die deutsche Grösse Jan Ullrich. Dass Domínguez mit Fuentes zusammengearbeitet hat, ist erwiesen. Ihr früherer Trainer Mariano Díez gab zu Protokoll, dass Fuentes «seit Jahren» der Arzt der Athletin gewesen sei.

Während der blosse Dopingkonsum nur sportrechtlich relevant wäre, soll die Polizei Beweismittel zusammengetragen haben, die Domínguez strafrechtlich in Bedrängnis bringen könnten. Aus abgehörten Telefonaten und Observationen gehe hervor, dass sie anderen Sportlern Dopingmittel vermittelt haben soll. Zudem erhärten Kontobewegungen bei Banken in ungenannten Steuerparadiesen den Verdacht, Domínguez habe für Fuentes Sportler «angefixt». Nach Angaben von «El País» soll Domínguez über Einnahmen verfügt haben, die mit Startprämien und Stipendien nicht zu erzielen gewesen wären. Sie wies die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurück. «Ich habe nie Dopingsubstanzen weitergegeben. Bis jetzt hat mir noch niemand die Beweise gegen mich vorgelegt und mehr noch, nach acht Monaten Ermittlungen haben sie mir gesagt, dass ich in diesem Fall nur Zeugin bin», sagte sie der Nachrichtenagentur EFE. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.12.2010, 09:40 Uhr

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