Der König sinnt auf Revanche

Schon 2008 im Schlussgang, will Matthias Sempach den Kilchberger Schwinget diesmal gewinnen.

Das Sägemehl liegt bereit in der 14 000 Zuschauer fassenden Arena in Kilchberg: Die Schwingermulde neben dem Gutsbetrieb Uf Stocken. Foto: Feuerwehr Kilchberg/Rüschlikon

Das Sägemehl liegt bereit in der 14 000 Zuschauer fassenden Arena in Kilchberg: Die Schwingermulde neben dem Gutsbetrieb Uf Stocken. Foto: Feuerwehr Kilchberg/Rüschlikon

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Vor einem Jahr liess sich der Riffelberg Matthias Sempach fast vor der Haustür in Burgdorf nach zwei makellosen Tagen im Sägemehl zum Schwingerkönig krönen. Dieser Triumph veränderte das Leben Sempachs – wenigstens für ein paar ­Wochen. Er wurde überschüttet mit Ein­ladungen, Ehrungen und Fanpost. Er nahm deshalb nach dem ersten Rummel eine Auszeit und flog nach Argentinien, wo es zwar Munis, aber kaum Schwinger gibt.

Der 28-jährige Sempach zeigte sich der Würde und Bürde des neuen Titels in der neuen Saison gewachsen. Es sei vor allem schwierig gewesen, ihn zu er­ringen, sagte er immer wieder. Er sei für ihn jetzt Motivation. Das unterscheidet ihn von seinem Vorgänger Kilian Wenger, der 2010 deutlich jünger war als Sempach, im Jahr nach dem Titel nicht so recht in die Gänge kam und unter anderem im Heimspiel in Interlaken beim Unspunnen-Fest wenig ausrichtete.

Sempach war auch als König ein dominanter Schwinger. Er nahm an zehn Kranzfesten teil und gewann fünf von ­ihnen. Im August feierte er seinen ins­gesamt 90. Kranz. Er erlitt in den vergangenen Wochen zwei Niederlagen ­gegen Nöldi Forrer auf dem Brünig und gegen den Berner Kollegen Matthias ­Siegenthaler beim Berner Kantonalen, die ihn aber nicht aus der Bahn warfen und zweifeln liessen.

Verantwortlich dafür ist auch seine konstante Haltung abseits der Arenen. Sempach, der bereits vor dem «Eidgenössischen» Sponsorenverträge auf ­hohem Niveau besass, blieb nach Burg­dorf seiner Philosophie treu. Er arbeitet 40 bis 50 Prozent bei einer Futter­mittel­fabrik, er macht nur Werbung für einheimische Produkte. Er verzichtet auf ­einen Reigen weiterer Mandate und Verpflichtungen, weil die ein Leben als Profischwinger erfordern würden. Es ist nicht in seinem Sinn, den Königstitel mit aller Macht zu vergolden.

Gefühl mit Berner Phalanx gut

Weil er Tiere liebt, lehnte er auch die über 20 000 Franken als Gegenwert für den Siegermuni Fors vo dr Lueg ab und präsentierte seither das Prachtexemplar, das an Ausstellungen Spitzenwerte erzielt, stolz bei verschiedenen An­lässen. Sempach wird seit knapp vier Jahren von der Agentur Fox Sports Mana­gement vertreten. Mit Christoph Bieri und Nöldi Forrer hat der Inhaber Roger M. Fuchs weitere Athleten in Kilchberg im Ring.

Der Sieg in Kilchberg (und zum Muni Wilson) führt aber mit einiger Sicherheit über Sempach, das Mitglied des Schwingclubs Kirchberg. Für den Athleten wird die Tagesform auf dem Gutsbetrieb Uf Stocken entscheidend sein. Dass die Berner Phalanx so stark ist, gibt auch ihm ein gutes Gefühl. Für ihn ist eine Steigerung von König ohnehin nicht möglich. Der Titel beim Eidgenössischen bedeutet für die Athleten doch noch mehr als der in Kilchberg. Was ihn reizen wird: Auch die sogenannte ­Revanche zum «Eidgenössischen» zu gewinnen, gelang bisher erst dem späteren Obmann Ernst Schläpfer vor 30 Jahren.

An Kilchberg hat Sempach durchaus gute Erinnerungen. Vor sechs Jahren kam er nach fünf Siegen in den Schlussgang gegen Christian Stucki, dem ein Gestellter genügte. Er vermochte diesen im Finale nicht zu erschüttern. Immerhin wurde ihm damals der begehrte Schönschwinger-Preis zugesprochen.

Und dann auf den Gornergrat

Der Kilchberger Schwinget ist der Höhepunkt der Saison und schon fast der Abschluss. Sempach ist eine Woche später bei der dreitägigen Premiere des Gorner­grat-Schwinget auf dem Riffelberg engagiert. Es ist 2500 Meter über Meer das höchstgelegene Fest. Das Patronat hat mit dem zurückgetretenen Jörg Abderhalden einer von Sempachs Vorgängern auf dem Thron übernommen.

Und nochmals eine Woche danach lädt das OK des «Eidgenössischen» von Payerne 2016 zur Muni-Taufe. Da darf der König als oberster Fan der Gattung nicht fehlen.

Erstellt: 05.09.2014, 06:55 Uhr

König Matthias Sempach. Foto: Keystone

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