Der erste Sturm ist überstanden

Die Schweizer Ruderer, die den Atlantik überqueren wollen, halten mit den ­Favoriten mit. Obwohl es nicht immer einfach ist.

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«Jungs, wir sind am südlichsten!», ruft Luca Baltensperger seinen drei Kollegen voller Freude zu, als er die Nachricht über Satellitentelefon erhält. Südlich. Das ist gut für die vier Schweizer Ruderer, die am vergangenen Donnerstag zur Atlantic Challenge starteten. Die ­südliche ist eine von zwei Routen, die die Rennleitung vorschlägt. Sie ist in Kilometern gemessen zwar die längere, hat aber die bessere Strömung. Der Plan, diese Route zu nehmen ist also auf­gegangen. Und auch sonst läuft es gut für Baltensperger, Marlin Strub, Yves Schultheiss und Laurenz Elsässer. Die 26- bis 28-Jährigen haben sich viel ­vorgenommen auf dieser 4800 km langen Reise von den Kanaren nach Antigua, sie wollen gewinnen.

Einen Rückschlag müssen sie aber in der Nacht auf Mittwoch hinnehmen. Swiss Mocean gerät in seinen ersten richtigen Sturm. Die Männer werfen den Anker und ziehen sich in ihre Kojen zurück. Der Vorsprung von über 50 km auf das bisher viertplatzierte Team Kung Fu Cha Cha ist dahin, die Chinesinnen überholen die Schweizer über Nacht. Vorneweg weiterhin die Leader aus Antigua, die in den letzten 24 Stunden über 150 km vorwärts gemacht haben. Zum Vergleich: Swiss Mocean kam wegen dem Sturm knapp auf die Hälfte.

«Zum Glück habe ich diese Idioten gefunden.» Swiss Mocean hat vor dem Start noch gute Laune. Video: Talisker Whisky Atlantic Challenge

Die Distanzen scheinen riesig. Wenn man allerdings beachtet, wie weit die hintersten Viererteams von den vier Spitzenplätzen entfernt sind, kann man durchaus sagen: Swiss Mocean gehört weiterhin zur Spitze des Feldes. Die Briten vom Team Oarstruck befinden sich mit gut 250 km Rückstand auf die Schweizer auf dem letzten Platz. Und auch die Gegner sind nicht vor Unwettern gefeit.

Swiss Mocean selbst ist ob dem Rückstand auf die beiden Führenden nicht nervös. Ein Blick auf den Livetracker zeigt: Die Schweizer verlassen sich auf die südliche Route, während die Engländer und Antiguaner eher den direktesten Weg in die Karibik suchen. «Irgendwann schneiden wir dann rechts rein und überholen die beiden», warnt Baltensperger.

Zwei haben schon aufgegeben

Die Stimmung im Schweizer Team ist also auch am siebten Tag noch gut. Obwohl: So locker, wie sich Baltensperger am Telefon tönt, war es auch vor dem Sturm nicht immer. Die ersten Tage seien hart gewesen. ­Immer habe es irgendwo geschmerzt, «die Hände, das Gesäss, die Kniekehlen, die Schultern, alles wechselt sich ab.» Die Wellen waren «etwa fünf Meter hoch», gekentert ist das Team aber noch nie. Die Schweizer, die meist auf dem Zürichsee trainierten, waren solchen Situationen das erste Mal ausgesetzt. Die ­mentale Herausforderung ist enorm, «vor allem wenn man alleine in der Koje ist», so Baltensperger. Jeder der Muskelprotze weinte sich schon mal in den Schlaf.

Und dann kam noch die Seekrankheit dazu. Sie traf besonders Elsässer hart. «Er hing oft über der ­Reling», erzählt Kollege Baltensperger. Er selbst, Strub und Schultheiss seien weniger anfällig gewesen, als erwartet. Das Team konnte so fast durchgehend rudern.

Selbstverständlich ist das nicht. Zwei Ruderer, die in der Kategorie Solo gestartet waren, ­gaben bereits auf. Ein Szenario, an das die Schweizer nicht denken. Sie ­probieren, sich an den kleinen Dingen des Lebens zu erfreuen. An einer Orange zum Beispiel, die Baltensperger vor dem Start noch eingepackt hatte. «Die beste meines Lebens» sagt er, gefolgt von einem lauten Lachen. Das Gespräch mit dem Zürcher zeigt: Bis dieser Mann an den Strapazen des Rennens verzweifelt, braucht es noch viel. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.12.2017, 06:45 Uhr

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