Der schwarze Schwinger

Harald Cropt ist Schwinger - und er ist dunkelhäutig. Als Exot fühlt sich der Waadtländer nicht, trotz aller Widerstände, auf die er zu Beginn seiner Karriere stiess.

Harald Cropt wischt dem unterlegenen St. Galler Daniel Rieser das Sägemehl vom Hemd.

Harald Cropt wischt dem unterlegenen St. Galler Daniel Rieser das Sägemehl vom Hemd. Bild: Keystone

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Am Eidgenössischen Schwingfest, das vom 20. bis 22. August in Frauenfeld über die Bühne geht, ist Harald Cropt einer von 27 Startern des Südwestschweizer Teilverbands. Zu den Favoriten auf den Königstitel zählt er nicht, und doch ist der 27-jährige Winzer aus Aigle ein ganz besonderer Athlet. Um sich den Weg ans Eidgenössische zu bahnen, musste er nämlich nicht nur seine Gegner im Ring ins Sägemehl drücken, sondern auch die Vorurteile, die ihm als Sohn eines Schweizers und einer Haitianerin in der helvetischsten aller Sportarten begegnet sind.

Kenner der Schwingszene berichten von Buhrufen rassistischer Zuschauer, denen Cropt zu Beginn seiner Laufbahn ausgesetzt war. Er selbst möchte die alten Geschichten nicht aufwärmen. «Ja, es gab ein paar Probleme», gab er in einem Interview mit dem «Sport Magazin» aber einst zu. Die Kameradschaft unter den Schwingern selbst lobt Cropt dagegen in den höchsten Tönen. «Die Rivalität ist kleiner als in anderen Sportarten», sagt er. «Sobald wir den Ring verlassen haben, sind wir alle wieder Freunde.»

Die Liebe zum Schwingen hat Cropt durch Zufall entdeckt. Der Präsident des Schwingklubs von Aigle sah den damals 14-Jährigen und überredete ihn zu einem Probetraining. Cropt, der für seine erste sportliche Liebe Basketball zu schwer gebaut ist, war sofort Feuer und Flamme für den im Welschland zuweilen argwöhnisch beäugten Bauernsport.

Der Weinbau kommt vor dem Schwingen

Jean-Christian Althaus, der starke Mann im Schwingklub von Aigle, glaubt, dass Cropt mittlerweile manch ganz Bösem gefährlich werden kann. Er sei mit den Jahren gereift, wie einer seiner Weine. «Er hat gelernt, sein Gewicht und seine Grösse einzusetzen, und auch seine Technik wird stetig besser», so Althaus gegenüber dem Magazin «Terre & Nature». Auch die Aggressivität im Ring, die ihm lange gefehlt habe, sei inzwischen da.

In einem Punkt repräsentiert Cropt übrigens haargenau den Typus des althergebrachten Schwingers: Er sieht sich als Amateur. «Das Schwingen ist und bleibt ein Hobby für mich, der einzige Sinn meines Lebens ist es nicht.» Auch im Jahr des Eidgenössischen liegt sein Fokus mehr auf der Familie und dem neuen Weinberg, den er vor zwei Jahren für sich angelegt hat. Nicht umsonst hat Cropt Weinbau und nicht etwa Sport studiert. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.08.2010, 11:05 Uhr

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