Die Gegner sind zu schwach: Zürcher Club will ins Ausland

Volero, der Dominator des Schweizer Frauenvolleyballs, plant den Wegzug nach Deutschland oder Frankreich.

Nächste Saison wird Volero gegen neue Gegner punkten müssen.

Nächste Saison wird Volero gegen neue Gegner punkten müssen. Bild: Keystone

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Es stellt das Schweizer Frauenvolleyball komplett auf den Kopf. Wenn Stav Jacobi umsetzt, was er sich zum Ziel gesetzt hat: Der Präsident von Volero Zürich plant, den Serienmeister aus der Nationalliga A zurückzuziehen und ab kommender Saison in einer ausländischen Liga spielen zu lassen. Die deutsche oder französische Meisterschaft, die schweben ihm vor.

Der Gang ins Ausland wäre ein ­Novum im Schweizer Spitzensport, für Jacobi aber der einzige Ausweg aus der «Sackgasse», wie er die derzeitige Situation nennt. «Wir erdrücken die anderen Teams in der Schweiz, sie sind nur Statisten. Die NLA verkam zu einer Show um Volero herum.» Die Zahlen dazu: In den letzten 13 Jahren entschieden die Zürcherinnen 12-mal Meisterschaft und Cup für sich. Bei der 2:3-Niederlage gegen Kanti Schaffhausen zum Auftakt dieser Saison riss eine Serie, die ihresgleichen vergeblich sucht: 185 Liga- und Cuppartien hatte das Team bis dahin in Folge gewonnen.

Millionen, nur, um zu scheitern

Erst jetzt, da Jacobi das Budget von 4 auf 2 Millionen halbiert und seine Stars vorwiegend durch junge Spielerinnen ersetzt hat, um sich und seinem Portemonnaie eine Pause zu gönnen, ist ­Volero wieder bezwingbar geworden. Trotzdem führt es mit 14 Siegen und 3 Niederlagen die NLA bereits wieder an. Jacobi sagt: «Das Niveau hier erlaubt uns nicht, international Erfolg zu haben.» Der 50-Jährige hat genug davon, Jahr für Jahr Millionen zu investieren, nur um Mal für Mal in der Champions League oder der Club-WM zu scheitern.

Fünfmal hat Volero die letzte Runde vor dem Einzug in das Finalturnier der besten vier Teams der Königsklasse nicht überstanden. Den Grund glaubt der Mann längst gefunden zu haben, der aus dem Club in den letzten 15 Jahren eine Adresse machte, die in der ganzen Volleyballwelt angesehen ist: Die Gegner in der Schweiz sind so schwach, dass seine Spielerinnen mit dem horrenden Tempo überfordert sind, das international angeschlagen wird.

Ein Umzug nach Deutschland oder Frankreich, den Jacobi mit seinem riesigen Netzwerk wohl problemlos bewerkstelligen könnte, sieht er als Lösung ­dieses Problems. «Diese Meisterschaften sind deutlich kompetitiver», sagt er. Sich den starken Ligen in Russland, der Türkei oder Italien anzuschliessen, schloss er aus logistischen, politischen und persönlichen Gründen aus. «Lieber schaue ich in unserer Nachbarschaft, wo ich die Mentalität besser verstehe und ich nicht gezwungen werde, einheimische Spielerinnen einzusetzen», sagt er.

Stav Jacobi. Will mit Volero nächste Saison in Frankreich oder Deutschland spielen. Bild: Keystone

In der Schweiz ist das noch anders. Drei sogenannt «lokal ausgebildete Spielerinnen» hat jedes NLA-Team auf dem Matchblatt zu führen, mindestens zwei davon müssen immer auf dem Feld stehen. «Ich musste deshalb beinahe zwei Teams unterhalten: eines für die NLA und eines für die internationalen Turniere. Das macht keinen Sinn.» Zudem fiel es ihm schwer, Schweizerinnen zu finden, die seinen Ansprüchen genügten. Seit Jahren moniert Jacobi, dass hier kaum Volleyballerinnen zu Profis ausgebildet würden. «Zwei ­waren es ausserhalb von Volero in den letzten 15 Jahren. Das ist doch viel zu ­wenig», sagt er. «Die hiesigen Clubs betreiben Nachwuchsarbeit in die Breite, nicht in die Spitze.» Ein gangbarer Weg, das findet auch er. Nur ist das eben so gar nicht derjenige des umtriebigen Präsidenten, der alles auf Professionalität ausrichtet.

Nachwuchsakademie in Zürich

Nun hat er sich zum Ziel gesetzt, auch dem entgegenzuwirken. Er plant, nur das Spitzenteam im Ausland anzusiedeln und gleichzeitig seine Talentschule in Zürich auszubauen und zu professionalisieren. Rund 60 Mädchen zwischen 8 und 17 Jahren sollen hier gleichzeitig und in Zusammenarbeit mit den lokalen Schulen an den Beruf Volleyballerin herangeführt werden. Noch sucht er eine geeignete sportliche Leitung hierfür – und gemeinsam mit der Stadt nach einer passenden Infrastruktur-Lösung. Die Lust am Volleyball, die Jacobi Ende letzter Saison verloren zu haben schien, ist zurück. Und wie.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.01.2018, 14:43 Uhr

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