Die Schweizer Fechter im Hoch

Mit fünf Turniersiegen haben sie eine äusserst erfolgreiche erste Saisonhälfte hinter sich. Und Fabian Kauter ist wieder die Weltnummer 1.

Kauter ist wieder ganz oben.

Kauter ist wieder ganz oben. Bild: Keystone

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Schon vor dem ersten Gefecht war er sich sicher, dass er auf der Bahn kein ­einziges Mal an seinem verletzten Finger herumstudieren würde. Eine Ent­zündung im rechten Zeigfinger der ­Griffhand machte Fabian Kauter im ­Richmond Oval in Vancouver, da, wo an den Olympischen Winterspielen die ­Eisschnellläufer ihre Runden gedreht hatten, zu schaffen. Oder eben nicht. Der 28-Jährige liess es nicht zu und eliminierte am Wochenende Gegner um Gegner, bis ihm im Final des Grand-Prix-Turniers noch der zweifache Weltmeister Nikolai Nowosjolow aus Estland gegenüberstand. Es wurde ein dramatisches Gefecht. Der Berner wusste, mit einem Sieg würde er die doppelte Punktzahl eines gewöhnlichen Weltcupturniers gewinnen, und er wusste, dass er damit erstmals seit dem Frühjahr 2012 wieder die Spitze der Weltrangliste übernehmen würde. Aber auch diese Ge­danken wollte Kauter verdrängen. Nur sich jetzt nicht aus dem Konzept bringen lassen. Und er schaffte den Coup. Der zweifache WM-Dritte gewann 11:10. Ein Punkt Unterschied, ein Punkt, der den mühsamen Saisonstart vergessen und ihn zum Leader machte.

Nach dem 18. Rang in Legnano (It), dem zweiten Turnier Ende Januar, habe er gewusst, «dass ich den Hebel jetzt ­herumreissen muss», sagt Kauter. «Natürlich habe ich meine Ziele mit EM und WM gegen Ende der Saison im Juni und Juli gesetzt, aber nach Legnano realisierte ich, dass ich Gas geben muss.»

Schnelle Fortschritte

In Heidenheim drei Wochen später sei er schon viel zufriedener mit sich gewesen. Auf die zweite Saisonhälfte hin, in der am 11. Mai mit Bern das dritte GP-Turnier ansteht, will er sein Repertoire weiter anreichern. «Ich arbeite derzeit an für mich neuen Aktionen und Elementen», sagt er, der meist von Angelo ­Mazzoni, einem der beiden italienischen Nationaltrainer, in Bern betreut wird.

In hoher Kadenz feiern die Schweizer Fechterinnen und Fechter im noch jungen Jahr Sieg um Sieg. Drei Wochen vor Kauter triumphierte bereits Max Heinzer, wie 2013 gewann der Zentralschweizer in Tallinn, es war sein siebter Weltcupsieg. Dieser habe ihn selber überrascht, sagte er. Nach der WM im August hatte er eine längere Auszeit genommen und sich am Fuss operieren lassen. Dieser hatte seine Leistung an den Titelkämpfen arg eingeschränkt.

Einen leichten Rückschlag bedeutete am Wochenende das Ausscheiden in den Achtelfinals in Vancouver. Heinzer ­fokussiert jedoch bereits den Weltcup in Paris Anfang Mai. «Ich will die kommenden fünf Wochen nutzen, um körperlich wieder ganz nach oben zu kommen, mir eine Basis für die Saisonhöhepunkte erarbeiten.» Ein erster ist das Heimturnier in Bern, das er zuletzt dreimal in Serie gewann. Und so unberechenbar er jetzt schon fechtet, so zielstrebig arbeitet auch Heinzer an weiteren Finessen. Seit einigen Wochen lektioniert er mit dem Junioren-Nationaltrainer Hervé Faget. «Er ist Linkshänder, er kann mich in ­dieser Beziehung noch weiterbringen», glaubt Heinzer.

Ein Jahr vor der Heim-EM in Montreux sind es jedoch nicht nur die beiden Zeitsoldaten, die glänzen und auch im Team mit Benjamin Steffen und Peer Borsky erfolgreich sind (Sieg in Heidenheim). Nach der enttäuschenden Leistung an der WM (19.) gewann die Walliserin Tiffany Géroudet in Doha ihr erstes Weltcupturnier überhaupt.

Eine Junioren-Europameisterin

Immer wieder lässt die Europameisterin von 2011 ihr Potenzial aufblitzen, noch mangelt es der 27-jährigen Walliserin aber an Konstanz. Dass sie in Doha von Gianni Muzio, dem älteren der Nationaltrainer, gecoacht wurde und nicht von Mazzoni, ist ein Indiz, dass das frühe WM-Out und die bösen Blicke zwischen Géroudet und Mazzoni vielleicht doch Spuren hinterlassen haben.

Grund zur Freude dürfte diesem aber Pauline Brunner bereiten. Mit der 19-Jährigen aus La Chaux-de-Fonds scheint Swiss Fencing eine Nachwuchsfechterin mit Zukunft zu haben. Brunner gewann Anfang März den Junioren-Europameistertitel und versucht nun, den Tritt bei der Elite zu fassen. Da kommt eine EM im eigenen Land gerade recht.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.03.2014, 20:47 Uhr

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