Die beliebtesten Schweizer Sportler

Fit im Leutschenbach: Wer die Awards holte und wer auf dem roten Teppich die beste Falle machte.

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Als er sich von seinem Stuhl erhob, atmete er ganz tief durch. Da wurde offensichtlich: Fabian Cancellara hatte sich diesen allerletzten Titel seiner Profikarriere erhofft, gewünscht, herbeigesehnt. In einer Rede in gefühlter Rekordlänge bedankte er sich für die zweite Auszeichnung als Sportler des Jahres nach 2008 – und wurde zum Schluss vom Saal­publikum mit einer Standing Ovation geehrt. «Ich bin sehr, sehr gerührt. So eine Auszeichnung im eigenen Land zu erhalten, das macht mich besonders stolz», sagte er – neben vielem anderen. Wie viel ihm der Titel bedeuten würde, hatte er schon vor der Gala angedeutet: «Seit Rio ist dies der speziellste Event für mich.» Der Berner liess Nino Schurter hinter sich, den anderen Gold-Gewinner von Rio. Obwohl die Bike-Community im Vorfeld die Werbetrommel für ihr Aushängeschild gerührt hatte. «Aber wer gewinnen will, muss die Herzen von allen gewinnen», wusste der Bündner.

Vor der Bekanntgabe der beiden Hauptkategorien hatte es Jolanda Neff auf den Punkt gebracht. Worauf sie sich freuen würde, wurde sie gegen Ende der Show gefragt. «Auf Helene Fischer!», entfuhr es der Mountainbikerin. Sie war zwar nominiert für die Wahl zur Sportlerin des Jahres. Aber ihre Aussage zeigte die etwas paradoxe Situation: Die meistgenannten Favoritinnen fehlten im Fernsehstudio. Kunstturnerin Giulia Steingruber meldete sich via wackliger Videotelefonschaltung aus den Ferien auf den Fidschi-Inseln. Und Skifahrerin Lara Gut winkte vom Sofa in ihrem ­Hotel in Courchevel in den französischen Alpen. Dort steht für sie bereits morgen das nächste Weltcuprennen an. Die anwesenden Sportlerinnen dagegen, die gaben offen zu, keine Dankesreden vorbereitet zu haben.

Guts Dank in drei Sprachen

Ihr Instinkt hatte sie nicht getäuscht: ­Gesamtweltcupsiegerin Gut gewann mit deutlichem Vorsprung. «Kriege ich die Trophäe mit Schachtel?», fragte sie scherzend, nachdem sie zuvor zugegeben hatte, dass die Kristallkugel zu Hause immer noch in ihrer Schachtel verstaut sei. Danach dankte sie in Italienisch, Französisch und Deutsch, und schloss mit: «Solche Emotionen bereichern uns mehr als Punkte.»

Neben den grossen Ehrungen erfuhr man an den Sports Awards auch sonst allerhand. Zum Beispiel, dass Paralympics-Sieger Marcel Hug, der zum Behindertensportler des Jahres gekürt wurde, «grundsätzlich alle Weihnachtsguetzli gerne hat». Oder dass es für Schwingernacken keine passenden Hemdkragen gibt. Oder dass selbst durchtrainierte Spitzensportlerinnen froh sind um die Elastik des Abend­kleides – diese kaschierte Nicola Spirigs Babybäuchchen fast vollständig. Oder dass Nino Schurter keinen Lieblingsfussballer hat, aber Messi Ronaldo vorzieht. Oder dass einige Schüler der 4. bis 6. Klassen aus Worb gestern etwas später ins Bett gingen als gewöhnlich – um ihre Lehrerin, die ehemalige Beachvolleyballerin Nadine Zumkehr, im Fernsehen zu erspähen. Oder dass Triathletin Daniela Ryf auch in ihrer trainingsfreien Zeit 30 bis 60 Minuten täglich trainiert. Oder dass Tennisspielerin Timea Bacszinsky bei Interviews mit Vorliebe ihre linke Seite in der TV-Kamera präsentiert – «das ist meine bessere».

Herausstechendes Frauenduo

Die Lausannerin glänzte auch im Duett mit Martina Hingis, mit der sie als Team des Jahres nominiert war. Die beiden traten patriotisch in Rot auf. Auch das andere Frauenduo stach heraus: Joana Heid­rich nicht nur wegen ihrer Grösse (1,90 m), sondern wegen ihrer roten Robe, welche ein Highlight des Abends war. Dabei hatte sie das Kleid erst am Samstag gefunden. Kam dazu, dass Heidrich von Teamkollegin Nadine Zumkehr (in Grau) perfekt ergänzt wurde.

Gewonnen wurde aber die Teamkategorie von den Goldruderern. Die hatten sich gemeinsam beim Herrenausstatter einkleiden lassen. Nur ein Detail am Smoking steuerten die vier selber bei: Sie trugen goldene Olympia-Pins am ­Revers. «Den erhalten nur Olympiasieger!», fügte Mario Gyr stolz an. Vielleicht hatten sie im Geschäft Awards-Moderator Rainer Maria Salzgeber angetroffen. Jedenfalls hätte der in seinem Anzug beinahe als fünfter Ruderer durchgehen können. Zwar ohne Gold-Pin, dafür mit Blumen – für Helene Fischer.

Infografik: Die Sports Awards 2016 Grafik vergrössern (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 19.12.2016, 06:42 Uhr)

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