Die isländischen Karbonfüsse des «Blade Runners»

Tagesanzeiger.ch/Newsnet erklärt, wie die Prothesen des südafrikanischen Leichtathleten Oscar Pistorius aufgebaut sind und wie sie funktionieren.

Oscar Pistorius bietet dank seinen Prothesen der Weltelite Paroli.

Oscar Pistorius bietet dank seinen Prothesen der Weltelite Paroli. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Karbon-Sportprothesen des isländischen Herstellers Össur wiegen pro Stück nur 512 Gramm. Aus Oscar Pistorius machen sie aber ein sportliches Schwergewicht. Misstrauische Beobachter, darunter auch einige Wissenschaftler, behaupten gar, die ausgefeilte Konstruktion verschaffe dem unterschenkelamputierten Läufer einen unfairen Wettbewerbsvorteil gegenüber seinen Konkurrenten, die ohne Behinderung auf die Welt gekommen sind. Össur widerspricht jedoch entschieden.

Der Cheetah-Flex-Fuss, mit dem Pistorius sich für die WM qualifizierte, sei eine passive Prothese. «Dies bedeutet, dass er nur eine Portion der beim Laufen gespeicherten Energie wieder abgeben kann. Studien haben gezeigt, dass er bis zu 90 Prozent der Ladung abgeben kann, die anatomische Einheit aus Fuss, Knöchel und Wade dagegen bis zu 249 Prozent», schreibt das Unternehmen auf seiner Website.

Feder und dämpfendes Element zugleich

Dank seiner speziellen Form, die an eine Schaufel oder ein J erinnert, schont der Cheetah Flex die Knie, die Hüften und den unteren Bereich des Rückens. Er ist gleichzeitig eine Art Feder und ein dämpfendes Element. Dies ermöglicht Athleten ohne eigene Unterschenkel ein längeres Training und damit auch bessere Leistungen. Um herauszufinden, wie die Prothese ausgerichtet sein muss, ist eine Überprüfung der bestmöglichen Gangsymmetrie notwendig.

An den Stellen, die einer besonders grossen Belastung unterliegen, ist die Össur-Sportprothese mit zusätzlichen Karbonschichten verstärkt. Dort, wo der Cheetah Flex vor allem flexibel sein muss, ist er entsprechend dünner. Die genaue Dicke der seit 1997 im Prinzip unveränderten Konstruktion hängt vom Körpergewicht des Läufers ab. Die Prothese wäre stark genug, um einem 147 Kilo schweren Mann das Sprinten zu ermöglichen. Die maximal mögliche Höhe des Karbon-Elements beträgt 460 Millimeter, das Minimum 250 Millimeter. Pistorius' Chetaah Flex ist zudem mit Spikes versehen. Diese ermöglichen dem Südafrikaner idealen Halt auf der Tartanbahn. (ak)

Erstellt: 09.08.2011, 15:08 Uhr

Artikel zum Thema

Der «Blade Runner» scheidet die Geister

Der beinamputierte 400-m-Läufer Oscar Pistorius steht im südafrikanischen Aufgebot für die WM in Südkorea. Das freut nicht alle in der Leichtathletik-Szene. Mehr...

Prothesensprinter Pistorius eine Nacht im Gefängnis

Leichtathletik Der südafrikanische Prothesensprinter Oscar Pistorius hat eine Nacht im Gefängnis verbracht und muss mit einer Anklage wegen Körperverletzung rechnen. Mehr...

Bildstrecke

Oscar Pistorius unter Mordverdacht

Oscar Pistorius unter Mordverdacht Der unterschenkelamputierte Paralympics-Star Oscar Pistorius wird verdächtigt, seine Freundin Reeva Steenkamp erschossen zu haben.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Blogs

Von Kopf bis Fuss Warum Hafer (fast) so wirksam ist wie Medizin

Geldblog Der Crash wird über kurz oder lang kommen

Die Welt in Bildern

Ganz schön angeknipst: Ein Mitglied des Bingo Zirkus Theater steht anlässlich des 44. internationalen Zirkusfestivals in Monte Carlo auf der Bühne. (16. Januar 2020)
(Bild: Daniel Cole ) Mehr...