«Ein Rennen fahren zu können, davon bin ich weit entfernt»

Beat Feuz war nach Didier Cuches Rücktritt die grosse Hoffnung der Ski-Nation Schweiz. Doch sein Körper streikte. Nach langer Pause stand er heute wieder auf den Ski. Im Interview spricht er über Abstürze und neue Ziele.

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Vor mehr als neuen Monaten, Ende Oktober 2012, stand Beat Feuz, der Zweite im Gesamt-Weltcup und designierte Nachfolger von Didier Cuche als Leader im Schweizer Skiteam, letztmals auf den Ski. Nach einer weiteren Knieoperation im Frühling hatte er im Sommer mit der Mannschaft trainieren können. Doch in Sölden rebellierte das mit vielen Spritzen behandelte Knie. Innere Blutungen und eine Infektion machten weitere Operationen notwendig – insgesamt fünf innerhalb von vier Wochen. Der Emmentaler, der heute mit seiner österreichischen Freundin in Innsbruck lebt, war schon froh, wenn er aufstehen konnte. Der Weg zurück war lang und erforderte Geduld. Umso bedeutender war der Augenblick heute Morgen auf dem Gletscher in Hintertux, wo er erstmals wieder seine Skis anschnallte und, beobachtet von seinem Sonderbetreuer Sepp Brunner, seine ersten Schwünge in den Schnee zog.

Wie war es, zum ersten Mal seit neun Monaten wieder auf den Ski zu stehen?
Ein schönes Gefühl, und es ging ganz gut. Es war ja nur freies Skifahren mit gerutschten Schwüngen, und das ging ganz gut. Das Knie schmerzt nach den ersten Fahrten nicht besonders, ich spüre es, aber das ist normal am Anfang. Davon, ein Rennen fahren zu können, bin ich noch weit entfernt. Aber es war ein weiterer Schritt auf dem Weg zurück, einer von vielen Schritten, von denen es noch viele geben muss.

Der Moral tut es gut?
Es ist ein erster positiver Test, und es ist so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt hatte. Schlecht wäre gewesen, wenn ich nach einer oder zwei Fahrten hätte sagen müssen: So, das wars, mehr können wir nicht riskieren.

Waren Sie am Morgen nervös?
Es hielt sich in Grenzen. Ich war zuversichtlich, dass es gehen würde. Doch sicher konnte ich nach all dieser Zeit nicht sein.

Wie sieht jetzt das weitere Programm aus?
Ich werde solche Tage mit freiem Skifahren sicher wiederholen. Nächste und übernächste Woche je einen oder zwei Tage. Dabei geht es um eine technische Schulung mit Sepp Brunner. Das Ziel ist, dass ab September dann eine Steigerung möglich ist und ich die ersten Tore fahren kann.

Werden Sie dann zur Mannschaft zurückkehren?
Dann wird die Mannschaft aus Südamerika zurück sein, und für sie ist kein Schneetraining vorgesehen. Ich werde also weiterhin allein unterwegs sein. Schön wäre es, wenn ich im Oktober zum Team stossen könnte.

Dann wären Sie im Zeitplan, um im nächsten Winter wieder Rennen bestreiten zu können.
Was heisst schon Zeitplan. Mir konnte nie ein Arzt sagen, wann ich wieder würde Ski fahren können. Die Geschichte war dafür viel zu kompliziert. Doch ich hatte meine Vorstellung und sagte mir, dass ich im September wieder müsste Ski fahren können, wenn ich nicht auch die nächste Saison abschreiben wollte. Mein Ziel bleibt, Ende November in Lake Louise wieder am Start zu stehen. Dafür kämpfe ich. Ob es klappt, lässt sich nicht absehen. Dafür braucht es zuerst ein paar Trainingstage in den Toren.

Wie erlebten Sie die über neun Monate, in denen Sie nie auf den Ski stehen konnten?
Es war die schwierigste Zeit, vor allem der Anfang war hart, als jeder einzelne Schritt schmerzte und ich eigentlich gar nichts machen konnte und sich das linke Knie weder biegen noch strecken liess. Da denkt man natürlich oft, ob sich der ganze Aufwand überhaupt noch lohnt. Umso schöner ist es, wenn man dann wieder Ski fahren kann und sieht, dass es sich gelohnt hat.

Erstellt: 31.07.2013, 14:55 Uhr

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