Ein Spektakel und ein paar fehlende Millimeter

Die Schweizer Fechter wurden am GP Bern im Teamwettkampf Zweite – Max Heinzer ragte aus allen heraus.

Max Heinzer jubelt nach dem Sieg über Ungarn. Foto: Keystone

Max Heinzer jubelt nach dem Sieg über Ungarn. Foto: Keystone

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Vorerst müsse er halt vor jedem Gefecht entscheiden, ob er ­offensiv oder defensiv agieren wolle, hatte Max Heinzer vor dem Grand Prix von Bern erklärt. Noch habe er rund einen Monat Trainingsrückstand wegen des im Juli an der WM erlittenen Innenbandrisses am Knie. Offensiv wäre für ihn normal, ­defensiv eine Strategie der Vorsicht, eine, in welcher der Gegner sich die guten Ausgangslagen erarbeiten muss. Die Frage nach der Taktik hat sich am GP im Teamwettkampf allerdings gar nicht gestellt. Der 27-jährige Zentralschweizer hatte jeweils keine Wahl mehr, als er gegen die hochkarätigen ­Schlussfechter des Gegners an der Reihe war.

Mager im Einzel

Nur die Offensive konnte da die Schweiz als Nummer 2 der Welt eine Runde weiterbringen. Und wie Heinzer in dieser Offensive aufblühte – nichts mehr war zu bemerken von einer kürzlichen Verletzung, konditionell zeigt er ohnehin keine Schwächen, und das Wichtigste: Heinzer wie auch seinen drei Kollegen Fabian Kauter, Benjamin Steffen und Peer Borsky (Ersatz) war nach den mehrheitlich mageren Einzelresultaten vom Samstag die Lust am Fechten überhaupt nicht vergangen. Heinzer und Kauter, die Leader im Team auf den Weltranglistenplätzen 8 und 9, waren bei erster Gelegenheit ausgeschieden (34. und 35. Rang), Steffen schaffte es immerhin in den Viertelfinal und wurde Sechster. «Wir wollten uns davon nicht verrückt machen lassen», sagte Heinzer.

Dreimal setzte er dann zu ­einer Jagd an, in der er mindestens fünf Punkte (zum Sieg) ­erzielen musste, «das habe ich in meiner Karriere so noch nie ­erlebt», sagte er. Gegen Ungarn im Viertelfinal machte er aus ­einem 15:19 ein 25:22 und liess den dreifachen Einzel-Europameister Gabor Boczko wie einen Statisten aussehen. Gegen Südkorea im Halbfinal, als ihn mit Jung Jinsun der Olympiadritte von London forderte, folgte ein kaum je gesehenes Spektakel.

41 Treffer in 3 Minuten

Heinzer übernahm bei 20:25 – und in den nächsten drei Minuten setzten die beiden 41 Treffer zum 43:43. Der Schweizer teilweise mit seinen gefürchteten Sprungangriffen, der Südkoreaner irgendwie. 41 Treffer entsprechen gut und gern zwei ­Gefechten im Einzel – à 9 Minuten. Zum 44:43-Siegtreffer sagte Heinzer dann: «Ich bin stolz und glücklich, dass mir nur zwölf ­Wochen nach dem Innenband­riss so etwas gelang, dass ich in den engen Momenten die richtigen Entscheidungen traf.» Im ­Final schliesslich, als ihm zuletzt und beim Stand von 24:30 der französische Einzel-Weltmeister Ulrich Robeiri gegenüberstand, liess er sich bis zum 38:38 Punkt für Punkt gutschreiben – wieder musste die Entscheidung in der Zusatz­minute fallen. «Da fehlten mir dann ein paar Millimeter zum Erfolg.» Was nach ­v­erpasstem Sieg aussah, war vielmehr ein hart erkämpfter 2. Rang und ein ­gelungener Saisonstart. Nur dürfte auch Heinzer nicht jedes Mal so über sich hinauswachsen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.10.2014, 23:02 Uhr

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