Eine Reporter-Legende geht in Rente

Hans Jucker kommentiert am Sonntag zum letzten Mal eine Etappe der Tour de France. Höchste Zeit für eine Würdigung des legendären Reporters aus dem Zürcher Säuliamt.

Quelle: Youtube


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Unter dem zunehmend farblosen Kabinenpersonal des Schweizer Fernsehens mutet Hans Jucker wie ein liebenswürdiger Exot an. Der 64-Jährige, der sich selbst als Fossil der Sportberichterstattung bezeichnet, macht mit seiner blechernen Stimme selbst eine langweilige Flachetappe der Tour de France zum Erlebnis und inspiriert Hobbykomiker im ganzen Land zu Parodien. «Herzlich willkommen, liebe Radsportfreunde», heisst die Zauberformel, mit der er seit drei Jahrzehnten seine Zuschauer empfängt, um ihnen von den Leiden der Fahrer und der Geschichte der französischen Schlösser zu erzählen.

«Am Ende dieser Tour de France trete ich in Paris unter den Arc de Triomphe und verbrenne alle meine Unterlagen. Das ist ein würdiger Ort, um meine Karriere als Radsport-Kommentator zu beenden», erklärte Jucker im Juni in einem Interview mit dem Magazin «TV Star». Die Tour 2011 wird er als TV-Rentner erleben.

«Jetzt chömed ja zersch no die Schiiss-Ponys»

So sehr Jucker auch mit dem Radsport verbunden ist, seine grösste kulturelle Leistung war ein Kommentar über das Geschehen an einem Pferdespringen. «Du Pesche, ich weiss nöd, wie lang mer no Ziit händ. Jetzt chömed ja zersch no die Schiiss-Ponys», sagte er im Glauben, keiner ausser dem Sendeleiter höre mit. Den früheren Weltklasse-Abfahrer Peter Müller nannte Jucker bei einem Interview konsequent Pirmin Zurbriggen, an der Tour de Suisse 2004 rief er Fabian Jeker bereits einen Kilometer vor dem Ziel zum Gesamtsieger aus, wenig später musste er einräumen, dass Jan Ullrich Jeker noch verdrängen konnte.

Als Sportkommentator müsse man zu seinen Fehlern stehen können, findet Jucker. Er selbst schaffte es immer wieder, peinliche Momente mit einem herzhaften Lachen zu überbrücken. Sein Lachen begleitete an den Olympischen Spielen 1992 in Albertville auch zwei Ski-Exoten, deren Wege sich während des Rennens auf der Piste kreuzten. Anlässlich seines 40. Dienstjubiläums widmete das Schweizer Fernsehen Jucker in der Sendung «Sport aktuell» einen dreieinhalbminütigen Best-of-Clip.

Nur einmal wusste Jucker nicht mehr, was er sagen sollte. Bei einer Etappe der Tour de France, so erzählt er, habe er sich dermassen in einem Satzgebilde verirrt, dass er einfach den Knopf zur Unterbrechung der Tonspur drückte. Nachdem er sich wieder gefangen hatte, öffnete er die Leitung wieder und teilte den Zuschauern mit, es habe irgendwo ein technisches Problem gegeben. Auch bei seinem allerersten TV-Auftrag, einem Langlaufrennen im Jahr 1966, musste sich Jucker eines Tricks bedienen: Weil er und sein Kameramann den Zieleinlauf verpasst hatten, bat er den Sieger, diesen noch einmal nachzustellen. «Er hat zum Glück Ja gesagt», erinnert sich der Fernsehmann, der in seinem Leben rund 10'000 Stunden live kommentierte.

16 Jahre Polizeivorstand in Affoltern am Albis

Wenn Jucker nicht gerade in einem Kommentatorenhäuschen sitzt oder um die Welt reist und Sportgrössen wie Muhammad Ali trifft, trinkt er gerne ein Gläschen Rotwein in einer Beiz in Affoltern am Albis. Im Säuliämter 11'000-Einwohner-Ort lebt er seit bald 35 Jahren, zwischen 1982 und 1998 sass er sogar als Polizeivorstand für die FDP im Gemeinderat. Im November 2008 erklärte ihn die Affoltermer Postfiliale trotz all seiner Meriten für tot. Ein an Jucker adressiertes Exemplar der Zeitschrift «Pferde Woche» liess die Post mit dem Vermerk «gestorben» an den Absender zurückgehen. Der «Blick» brachte die Geschichte unter dem Titel «War es ein makabrer Scherz?», Jucker selbst glaubte ebenfalls an eine gezielte Aktion. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.07.2010, 11:03 Uhr

Für seine farbige Sprache bekannt: Hans Jucker. (SF)

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