«Es gehört zum Job, dass etwas zwickt»

Der Westschweizer NBA-Profi Thabo Sefolosha startet morgen mit Oklahoma in die Saison – und erwartet viele Eisbeutel-Behandlungen.

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Thabo Sefolosha, am 30. April sind Sie mit Oklahoma im Playoff gegen die Lakers ausgeschieden. Die EM-Qualifikationsspiele mit der Schweizer Nationalmannschaft im August haben Sie ausgelassen. Sind die Batterien wieder geladen?
ch brauchte diese Pause. 82 Spiele bis zum Playoff sind lang. Es ist ein Unterschied, ob man 17 Minuten pro Match spielt, wie zuletzt bei den Chicago Bulls, oder fast 30 Minuten mit Oklahoma. Ich bin erst 26, aber dennoch spürte ich Ende Saison, dass mein Körper Erholung brauchte. Es tat gut, den Sommer mit der Familie in der Heimat zu verbringen. Das Basketball-Camp mit den Kids in Blonay verlangt von mir während zweier Wochen viel Präsenz, aber es gibt mir auch viel Inspiration. Zudem gab es viele andere Aktivitäten wie mein Engagement für die Stiftung Make-AWish, die kranken Kindern ihre Herzenswünsche erfüllt. Jetzt bin ich wieder voller Energie. Gut, dass es endlich wieder losgeht.

Der erste Gegner heisst Chicago Bulls. Ist das für Sie immer noch ein spezielles Spiel?
Aber sicher. Ich habe erst kürzlich wieder mit Joakim Noah telefoniert, und wir haben News ausgetauscht. Es ist interessant zu hören, was beim ehemaligen Team läuft. Allerdings sind nicht mehr viele Spieler dabei, mit denen ich noch zusammen gespielt habe, seit ich von den Bulls getradet wurde (am 19. Februar 2009, die Redaktion). Vom jetzigen Team sind es neben Noah noch Luol Deng und Derrick Rose.

Die NBA-Saison bedeutet eine enorme Belastung für den Körper. Welche Körperteile spüren Sie am meisten nach dem Spiel?
Die Knie. Viele Spieler lassen sich nach den Spielen in der Kabine Eisbeutel um die Knie wickeln, und ich mache das auch. Das tut gut und gibt einem das Gefühl, sich besser zu erholen. Während der Saison ist man fast nie 100 Prozent fit, man hat immer etwas, das zwickt. Aber das gehört zum Job. Ich war noch nie ernsthaft verletzt, dafür bin ich dankbar.

Von den sieben Vorbereitungsspielen der Thunder machten Sie nur vier mit – wegen Krankheit und einer Fingerverletzung. Wie sieht es damit aus?
Das ist kein Problem. Ich hatte eine leichte Verstauchung an einem Finger, und so setzte ich zwei Spiele aus. Das war eine reine Vorsichtsmassnahme. In der Meisterschaft hätte ich gespielt.

Kann Oklahoma die starke letzte Saison bestätigen?
Wir spüren, dass der Erwartungsdruck steigt, nun gelten wir nicht mehr als grosser Aussenseiter. Ich sehe es als Vorteil, dass wir nur sehr wenige Wechsel im Team hatten. So ist es einfacher, die Automatismen wieder zu finden. Wir sollten schon zu Saisonbeginn eingespielt sein.

Was haben Sie sich für die neue Saison vorgenommen?
Wichtig für meine Spielweise ist die Energie, vor allem in der Abwehr. Ich habe meine Rolle, und ich akzeptiere sie. Im Angriff ist das Spiel nicht auf mich ausgerichtet. Wenn ich frei bin, nehme ich den Wurf, aber catch and shoot (fangen und werfen) ist eigentlich nicht meine erste Stärke im Angriff. In Frankreich und Italien lebte mein Offensivspiel davon, dass ich viel mehr zum Korb ziehen konnte. In Oklahoma habe ich andere Aufgaben.

Letzte Saison wurden Sie zum achtbesten Defensivspieler der NBA gewählt. Die Top 5 würden Ihren Marktwert nochmals steigern. Ist das Ihr nächstes Ziel?
Natürlich ist das ein Ziel, einer der fünf besten Defensivspieler der Liga zu werden. Aber das sind persönliche Statistiken. Wichtig ist, dass wir in der Abwehr noch stabiler werden. Wenn wir ein ganz grosses Team werden wollen, geht es nur über die Verteidigung.

Kevin Durant ist mit 21 Jahren der jüngste Topskorer der NBAGeschichte. Auf dem Feld ist er der grosse Leader. Ist er das auch in der Kabine?
Ich denke vor jedem Spiel: Was für ein Glück, dass ich mit Kevin Durant spiele und nicht gegen ihn. Er ist ein unglaublich talentierter und vielseitiger Spieler. Ich erlebe das ja auch täglich im Training. Ihn zu stoppen, ist enorm schwer. Doch wir haben im Team keinen eigentlichen Leader. Wir leben von unserer Solidarität. Jeder kennt seine Rolle. Das ist unsere Stärke. Wir zählen zu den jüngsten Teams, und auch die Schnelligkeit ist unser Plus. Ich zähle mit meinen 26 Jahren bereits zu den Veteranen (lacht).

LeBron James, der zurzeit als der beste Spieler der NBA gilt, wechselte im Sommer zu Miami Heat. Nun spielen alle Ausnahmespieler vom Draft 2003 bei Miami. Ist Miami auch für Sie der grosse Favorit?
Wir haben in der Vorbereitung gegen Miami gespielt und verloren (96:103). Doch es wird sich zeigen, ob sie in der Lage sind, die Verantwortung aufzuteilen. Jeder der drei ist sich gewohnt, 30 Würfe pro Spiel zu nehmen. Das ist nun kaum mehr möglich und kann zu Frustration führen.

Und die Lakers?
Die Lakers sind die Lakers. An ihnen führt kein Weg vorbei, wenn man Meister werden will.

Erstellt: 26.10.2010, 10:09 Uhr

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