«Es sah wie abgemacht aus»

Der ehemalige Schweizer Boxer Stefan Angehrn hält es nicht für ausgeschlossen, dass Chisoras Gewaltausbrüche vor und nach dem Kampf Teile einer Inszenierung waren.

Der Kampf nach dem Kampf: David Haye und Dereck Chisora prügeln sich in München an der Medienkonferenz.


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Stefan Angehrn, am Samstag kam es nach dem Kampf Witali Klitschkos gegen Dereck Chisora zu wüsten Szenen. Wie beurteilen Sie den Eklat an der Medienkonferenz mit David Haye, der nach einer Schimpftirade von Chisora körperlich angegangen wurde?
Primitiver geht es wirklich nicht mehr. Das war die unterste Schublade. Solche Szenen hat der Boxsport nicht nötig. Solche Aktionen sollte man in Zukunft unterbinden. Sie schaden dem Boxen. Wer sich so verhält, muss sanktioniert werden. Es darf nicht weiter einreissen.

Chisora behauptet, er habe von Haye eine Flasche ins Gesicht bekommen. Zudem drohte Chisora dem Provokateur mit dem Tod.
Ich finde das einfach nur bedenklich. Der Verband muss da klare Regeln setzen, das hat nichts mehr mit Sport zu tun.

Vermutlich profitiert der Boxsport wegen dieser Schandtaten. Diese Aggressionen steigern die Aufmerksamkeit.
Leider, muss man sagen, leider. Trotzdem ist es geschmacklos.

Könnte es nicht sein, dass alles nur eine grosse Show war? Schon im Vorfeld beim Wiegen sorgte Chisora mit einer Ohrfeige gegen Klitschko für Aufruhr und im Boxring spritzte er noch vor der ersten Runde seinem Bruder Wladimir Wasser ins Gesicht.
Der Gedanke kam mir auch. Es sah wirklich alles wie abgemacht aus. Ich kann es mir zwar nicht vorstellen, aber es sah in der Tat so aus, als wären diese Provokationen inszeniert gewesen. Das heizt natürlich die Stimmung auf, was die Fans noch emotionaler macht.

Was führt Sie zu der Annahme, dass alles abgemacht war?
Was mich zum ersten Mal stutzig machte, war die Szene mit der Ohrfeige. Witali blieb ganz cool, er reagierte gar nicht darauf. Es schien, als wäre er darauf vorbereitet gewesen, dass Chisora ihm eine verpasst. Gerade als Boxer hätte Witali, nur schon aus dem Instinkt heraus, zurückschlagen müssen.

Hat Sie wenigstens der Kampf im Ring sportlich überzeugt?
Der Kampf als solcher war attraktiv. Chisora war angriffslustig, er hat sehr aktiv geboxt und Witali bedrängt. Er war sehr mutig, da ziehe ich den Hut.

Auffallend war, dass Chisora ihn fast katzenhaft bedrängte.
Ja, er hat Witali immer wieder angesprungen. Er musste das machen, um ihn nicht in einen Rhythmus kommen zu lassen.

Welchen Eindruck machte Klitschko auf Sie?
Ich kenne Witali sehr gut. Wir haben ein paar Jahre zusammen trainiert. Er schien mir ein wenig überfordert. Er wirkte ein wenig dünner, ein bisschen ausgemergelt. Früher hatte er grössere Oberarme. Aber am Ende hat er doch verdient gewonnen.

Erstellt: 20.02.2012, 13:36 Uhr

Stefan Angehrn ist ein ehemaliger Schweizer Profi-Boxer, der seine Karriere im Jahr 2000 beendete. Er kämpfte unter anderem zweimal gegen Ralf Rocchigiani um den WM-Titel (1996 und 1997). Ebenfalls im Jahr 1997 besiegte er Torsten May in Düsseldorf. 1998 wurde Stefan Angehrn nach seinem Sieg über Dan Ward IBF-Interkontinental-Champion.

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