Feinkost auf und neben dem Feld

Chinesische Topspieler prägten die Badminton Swiss Open, deren Faszination in ultraschnellen Ballwechseln liegt.

Angespannt von zuoberst bis zuunterst: Siegerin Sun Yu. Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

Angespannt von zuoberst bis zuunterst: Siegerin Sun Yu. Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

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Der Siegesschrei der Chinesin zerreisst die Stille, er tönt ein wenig wie das Wiehern eines heiseren Pferdes. Und es ist, als ob sich in der St. Jakobshalle plötzlich ein Ventil öffnet. Alle trauen sich wieder zu atmen, sich wieder zu regen und zu bewegen. Die Spannung ist auf einen Schlag gewichen, die Anspannung der Spielerinnen hat sich in Euphorie auf der einen und Enttäuschung auf der anderen Seite verwandelt. Siegerin Sun Yu und Verliererin Busanan Ongbumrungpan (Thailand) bedanken sich beim Stuhlschiedsrichter, die rund 4000 Zuschauenden applaudieren.

Seit Mittag liegt wie seit einigen Jahren am Finaltag des Badminton Swiss Open der Centre Court hell erleuchtet in der sonst ganz abgedunkelten Arena. Licht aus, Spot an für das 25-Jahr-Jubiläum. Die Finalspieler erreichen das Feld über einen roten Teppich, der effektvoll in bestem Licht liegt. Sie schreiten auf diesem kurzen Weg vorbei an den fünf Pokalen, die an diesem Nachmittag vergeben werden, gefolgt vom imposanten Staff, der eine solche Partie beaufsichtigt und grösser ist als eine Fussballmannschaft. Allein zehn Linienrichter entscheiden über «out» und «in», ihr Chef sitzt auf dem Stuhl und zählt, eine Kollegin tauscht zerzauste Spielbälle oder Shuttles, wie sie in der Badmintonsprache heissen, gegen neue aus, und eine 13. Person trocknet den Court von Schweiss­flecken und wischt Staub zusammen. Verblüffend ist, wie lautlos sie alle arbeiten – als wäre gar niemand anwesend.

Die Ausnahmefinalisten

Nicht nur das Endspiel der Frauen ist eine rein asiatische Angelegenheit. Mit einer Ausnahme präsentieren sich die fünf Finals als asiatische Festspiele. Nur dem 21-jährigen Titelverteidiger im Einzel, Viktor Axelsen aus Dänemark, ist es gelungen, sich Runde für Runde gegen die Phalanx aus dem Fernen Osten zu behaupten. Aus Malaysia, Hongkong, Taiwan und China stammten seine Gegner, zu guter Letzt trifft der Aufsteiger von 2014, der es von Rang 26 bis auf Platz 6 in der Weltrangliste geschafft hat, auf einen Inder.

Spielen mit Kunststücken

Und dann, mitten in dieser Partie, passiert auf der Stahlrohrtribüne, welche die Halle teilt, Aussergewöhnliches. «Feini Patisserie» tönt es halblaut hinter einem grossen Tablett auserlesenster Köstlichkeiten hervor, Torten, Törtli, Mousse und Panna cotta. Ein schwieriger Moment. Das realisiert auch der beschürzte Verkäufer. Denn was sich auf dem Court abspielt, ist ein mindestens so verführerischer Leckerbissen, von dem sich fast niemand ablenken lassen will. K Srikanth, der Inder, der natürlich auch einen ganzen Vornamen besitzt, aber die Kürzestform bevorzugt, demonstriert geschmeidig, blitzschnell und gefühlvoll, wieso er die Weltnummer 4 ist. Axelsen, rund zwei Köpfe grösser, brilliert zwar mit seinen Backhandschlägen, muss den ersten Satz aber dennoch hergeben. Nun ist er angestachelt, im zweiten Durchgang zieht er sofort davon bis zum 1:1-Ausgleich.

Im Einsatz sind nun die letzten von rund 2000 Federbällen, die an einem solchen Turnier «verspielt» werden. Teilweise in hoher Kadenz. Ein oder zwei längere Ballwechsel genügen, und die Spieler zweifeln bereits Stromlinienförmigkeit und damit Flugtauglichkeit an. Weg damit. Jeden Morgen testete der Organisator die aus Gänsefedern gefertigten Kunststücke auf ihre Geschwindigkeit. Wobei die in leerer Halle eine andere ist als in voller Halle. Denn je höher die Luftfeuchtigkeit, desto schneller der Shuttle. Die Federn saugen die Feuchtigkeit auf, werden dadurch schwerer und der Ball damit schneller.

Daran verschwendet Axelsen jetzt keine Gedanken. Es entwickeln sich im Entscheidungssatz Ballwechsel wie ­Gewitter. Er ist in höchster Bedrängnis, sein Gegner hat sich von einem Tief ­erholt – und wird letztlich der einzige nicht chinesische Sieger. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.03.2015, 21:55 Uhr

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