«Ich brauche niemanden, der für mich denkt»

Jan van Berkel startete beim Zürich Ironman als Favorit, er lag in Führung und wurde doch nur Fünfter. Er brauche nun einen Ernährungsberater, sagt der 28-jährige Bülacher, keinen Proficoach.

«Es kam wieder der Punkt, an dem nichts mehr funktionierte»: Jan van Berkel. Foto: Keystone

«Es kam wieder der Punkt, an dem nichts mehr funktionierte»: Jan van Berkel. Foto: Keystone

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Sie reisten ­gestern an die grosse Ironman-Sieger­ehrung auf der Landiwiese. Eine Straf­aufgabe?
Gar nicht. Dieses Awards Banquet ist Teil unseres Sports. Da gibt es solche, die besser waren also du, und solche, die dich bewundern, auch wenn du nicht gewonnen hast. Mit meiner Präsenz zolle ich all diesen Leuten Respekt. Das erklärt auch, dass ich mich trotz der Enttäuschung am späten Sonntagabend zur Ziellinie begab, um die letzten Finisher zu begrüssen. Das ist Ironman. Das hat Tradition. Und: Schämen muss ich mich nicht, nur weil ich schlechter war als ­erwartet.

Heisst das, dass Sie trotz allem eine gewisse Genugtuung verspüren?
Richtig, finishen ist bereits ein recht grosser Sieg, ein Sieg über sich selbst, eine Überwindung und Trost für den verpassten Sieg. Aber ich war plötzlich in eine Situation geraten, mit der ich mich nicht befasst hatte. Ich führte, sah lange wie der grosse Sieger aus und wurde nach acht Stunden quasi auf der Zielgeraden abgefangen und überholt. Das wird sofort ein ganz anderes Rennen. Ich zählte nicht, wie viele an mir vorbeizogen. Es gab nur noch das eine: ankommen, irgendwie die letzten Kilometer bewältigen, das Ziel erreichen.

Konnten Sie schon Fehler in Ihrer Renngestaltung ausmachen?
Die Detailanalyse folgt noch. Die Energie, um die rohen Daten auszuwerten, hat mir noch gefehlt. Zuerst geht es darum, meine Gedanken zu ordnen.

Wie weit hilft die Erfahrung vom letzten Jahr, als Sie kollabierten und ins Spital mussten?
Das war nun ein komplett anderes Rennen. Ich rannte nicht mehr kopflos los und brach zusammen. Vielmehr ging ich die ganze Herausforderung sehr geordnet an. Aber es kam wieder der Punkt, an dem nichts mehr funktionierte.

Wie zeigte sich dies?
Die Energieaufnahme kippte. Jedes Mal, wenn ich Kohlenhydrate zuführte, fühlte ich mich sofort extrem viel schlechter. Es trat der gegenteilige Effekt von dem ein, was ich bezweckt hatte. Stress statt Push. Dieser Zustand begann bei Kilometer 10 der Laufstrecke. Ich hörte auf zu essen, nahm keine Gels mehr zu mir. Nur noch Wasser. Ich hoffte, dass die Körperreserven bis ins Ziel ausreichen würden. Dem war leider nicht so. Die Energiedepots waren schon zu sehr aufgezehrt.

Was schliessen Sie daraus?
Dieses Problem muss ich mit gescheiten Köpfen anschauen, mit Ernährungs- und Sportwissenschaftlern. Das übersteigt meine Fähigkeiten.

Wie gehen Sie diese Verarbeitung an?
Hinterfragen, aber nicht zweifeln. Mit Selbstreflexion.

Einige Beobachter meinten, Ihnen habe ein professionelles Coaching gefehlt, in der Vorbereitung wie während des Rennens.
Diese Meinung teile ich nicht. Roger ­Fischlin (der vielfache Gigathlon-Champion, die Red.) unterstützte mich bei der Ernährung. Ich besprach mich mit dem Mentaltrainer. Ich konnte die Verantwortung in gewissen Bereichen abgeben. Aber nicht überall, und das passt zu mir. Ich will mein eigener Chef bleiben, brauche niemanden, der für mich denkt.

Erstellt: 29.07.2014, 08:27 Uhr

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