Interview

«Ich verliere eigentlich sehr selten»

Der neue Unspunnen-Sieger Daniel Bösch imponierte in Interlaken mit seiner Ruhe. Nach seinem grossen Triumph erklärte er, weshalb er bis zum Schluss cool blieb.

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Der siegreiche Vertreter der Nordostschweizer zeigte sich nicht nur im Sägemehlring, sondern auch in den folgenden Interviews gelassen. Gegenüber dem Schweizer Fernsehen gab der 23-jährige Metzger den Grund für seine Ruhe und Konzentration, auch während des Schlussgangs gegen Christian Schuler aus Rothenturm, an. «Ich habe mir vor dem letzten Kampf gesagt: Egal, was passiert, ich gehe morgen in die Ferien.» Der St. Galler Bösch, der im thurgauischen Sirnach wohnt, hatte eigentlich geplant, am Montagabend nach Neuseeland zu reisen, um die Rugby-WM zu verfolgen. Wie auch immer für ihn das Unspunnen-Schwinget enden würde: Die Vorfreude auf die grosse Reise war bei Bösch den ganzen Tag tief im Herzen drin. Und somit war für Nervosität kein grosser Platz in den Gefühlen vorhanden. Jetzt sieht es so aus, dass er nach diesem wunderbaren Erlebnis im Berner Oberland den Trip nach Ozeanien verschieben muss.

Dank dieser inneren Ruhe und der mentalen Stärke bodigte er zuletzt auch den Innerschweizer Schuler und schwang von allen Teilnehmern obenaus. «Das ist schon ein unglaublich schönes Gefühl», bekannte der positiv überraschende Schwinger, der in Interlaken den grössten Erfolg in seiner Laufbahn feierte. An den Sieg habe er eigentlich nie gedacht, sondern sei die Kämpfe mit dem Motto angegangen: «Es muss zuerst geschwungen werden. Am Schluss ist die Rechnung aufgegangen.» Die Mutter von Bösch fügte bei, dass ihr Sohn schon immer ein ruhiger Typ gewesen sei.

Wenigstens ein Fest

Obwohl erst 23-jährig, wirkte der Ostschweizer während des gesamten Tages sehr routiniert und abgeklärt. «Ich hatte Hochs und Tiefs in diesem Jahr. Aber das gute Gefühl war schon da. Und ich verliere eigentlich sehr selten.» Mit anderen Worten: Bösch war mit einer Portion gesunden Selbstvertrauens in den Kanton Bern gereist.

Wird der Triumph im Familienkreis gefeiert? Der erfolgreiche «Senn» wusste auf diese Frage keine konkrete Antwort. «Ich habe keine Ahnung, was jetzt passiert. Ich lasse mich überraschen.» Wie auch immer: Ein kleines Fest hat der überzeugende Unspunnen-Sieger auf jeden Fall verdient – und die Ferien auch. Egal, wann Bösch die Zeit für eine Auszeit findet.

Die schwierige Rolle des Königs

Weniger zum Feiern zumute war den favorisierten Bernern. Sie erlitten eine Heimschlappe und wurden vom Regen quasi weggespült. Schwingerkönig Kilian Wenger war schon nach zwei Gängen aus dem Rennen. Der Diemtigtaler bekannte gegenüber der Agentur Sportinformation: «Im Gang gegen Noldi Forrer hatte ein enormer Druck auf mir gelastet, nach dem ganzen Tamtam, das in den vergangenen Tagen um diesen Kampf veranstaltet worden war.»

Wenger stand seit seinem Triumph in Frauenfeld vor einem Jahr stets im Fokus der Medien, aber auch von PR-Agenturen und Firmen. Im Mittelpunkt des nationalen Interesses zu stehen, ist keine einfache Aufgabe – der einzige König der Schweiz hat dies in den letzten zwölf Monaten, aber auch an diesem verregneten Sonntag in Interlaken deutlich zu spüren bekommen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.09.2011, 18:02 Uhr

Siegerporträt

Daniel Bösch. - Geboren am 5. März 1988. - Wohnort Sirnach. - Grösse/Gewicht: 193 cm/125 kg. - Beruf: Metzger. - 45 Kränze. - Grösste Erfolge: Unspunnen 2011, Eidgenössischer Kranz 2007, St. Galler Kantonales 2011, Glarner-Bündner 2010.

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