«Ich will bei der ersten Abfahrt am Start stehen»

Noch immer muss Beat Feuz um die Fortsetzung seiner Karriere bangen. Im Interview erklärt der Skistar, warum er trotz aller Rückschläge den Glauben an eine bessere Zukunft nie verloren hat.

Sand statt Schnee: Beat Feuz im Swiss-Ski-Trainingslager auf Mallorca.

Sand statt Schnee: Beat Feuz im Swiss-Ski-Trainingslager auf Mallorca. Bild: Keystone

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Die Nachricht ist ungewohnt. Beat Feuz, so hört man im Teamhotel der Schweizer Skifahrer auf Mallorca, soll die Gruppe beim Velofahren nicht nur angeführt, sondern mit einem kräftigen Antritt gar fast gesprengt haben. Feuz? Der galt einst nicht als Trainingsweltmeister, und das alljährliche Angebot von Bicycle Holidays Max Hürzeler, mit Rennvelotouren den Trainingsalltag auf Mallorca aufzulockern, war nicht seine Lieblingsbeschäftigung. Doch nach seinem Totalschaden im linken Knie, der ihn vergangenen Sommer beinahe den Unterschenkel gekostet hat, ist der Emmentaler froh um jede sportliche Betätigung, die ihn schmerzfrei näher ans momentan noch so ferne und ungewisse Comeback bringt. Elfmal, sagt Feuz, sei das Knie innert kürzester Zeit operiert worden, sein Knorpel ist heftigst beschädigt, der Meniskus praktisch weg. Ungebrochen ist bei Beat Feuz der Wille, nochmals ganz vorne in der Weltspitze mitzufahren.

Beat Feuz, sind Sie sicher, dass Sie jemals wieder Skisport auf Weltklasseniveau betreiben werden?
Nein. Einen ersten Anhaltspunkt werde ich haben, wenn ich wieder auf Ski gestanden bin, aber es muss auch unter Rennbelastung funktionieren.

Sie sind seit vergangenem Herbst nie wieder Ski gefahren?
Doch, aber da war ich mit Tourenski unterwegs, nicht auf unseren zwei Meter langen Latten, nicht in den extrem harten Skischuhen.

Skitouren liegen drin?
Ja, aber nur, wenn ich direkt nach dem Aufstieg abfahre, die Muskulatur ums Knie darf nicht abkühlen.

Wie schwierig ist es, die Ruhe zu bewahren, nicht zu viel zu machen?
Es darf einfach kein Fehler passieren, das ist das Wichtigste. Ich kann Krafttraining absolvieren, aber da muss mich jemand anleiten, ich darf keine falschen Bewegungen machen. Selbst würde ich das manchmal nicht spüren, aber der Fachmann sieht das sofort. Und er achtet auch darauf, dass ich beide Körperseiten gleich belaste.

Diesen Fachmann finanzieren Sie selbst?
Ja, seit drei Wochen arbeite ich mit einem Konditionstrainer aus Österreich, der sich vor allem im Kraftbereich sehr gut auskennt.

Sie haben vorhin gesagt, es dürften keine Fehler passieren. Besser wäre wohl gewesen: Es dürfen keine Fehler mehr passieren… Ist denn restlos aufgearbeitet, wie es vor einem Jahr bei einem Eingriff zu diesem Totalschaden am linken Knie kommen konnte, der Sie beinahe das Bein gekostet hat?
Nicht wirklich. Aber das werden wir wohl nie erfahren.

Weil es Sie nicht mehr interessiert? Oder weil die Rekonstruktion mittlerweile einfach nicht mehr möglich ist?
Beides. In erster Linie will ich es nicht mehr wissen. Und ausserdem sind ein paar der Beteiligten, ob innerhalb oder ausserhalb des Verbandes, nicht mehr da.

Gibt es ein Vertrauensproblem mit den aktuellen medizinischen Betreuern bei Swiss-Ski?
Nein, die Neuen wissen gar nicht, was passiert ist, und deshalb will ich mit ihnen auch gar nicht darüber reden. Zu ihnen habe ich hundertprozentiges Vertrauen.

Hat die reale Möglichkeit, dass Ihre Karriere vielleicht beendet ist, Ihre Einstellung zum Skisport verändert?
Das kann ich erst sagen, wenn ich diesen Skisport wieder betreibe. Was ich sicher weiss: Ich geniesse es sehr, erstmals seit vergangenem Herbst hier auf Mallorca wieder beim Team zu sein.

Wie froh waren Sie vergangenen Winter, nicht Mitglied dieses Krisenteams sein zu müssen?
Vielleicht wäre es gar nicht in diese Krise geraten, wenn ich hätte fahren können… das ist jetzt natürlich etwas hoch gegriffen...

Hatten Sie als zumindest temporär Aussenstehender bereits während der Saison eine Erklärung, warum es so schlecht läuft?
Ich hab ja heute noch keine Erklärung. Im vergangenen Sommer war ich zwar nur drei Tage im Trainingslager in Argentinien dabei, aber ich habe die Bedingungen gesehen, die waren top. Irgendetwas muss von Anfang an gefehlt haben, ist man nicht ans Limit gegangen? Vom Saisonstart an wurde auch im Team über das Fehlen von Cuche und mir geredet, es wurde gewerweisst, wie es ohne uns laufen würde. Das war keine rundweg positive Stimmung.

Das Männerteam hat mit Chefcoach Walter Hlebayna und Abfahrtstrainer Walter Hubmann ein stark österreichisch geprägtes Betreuerteam, dazu kommt Rudi Huber als Chef Leistungssport alpin. Hilft es Ihnen im Umgang mit den Neuen, dass Sie eine österreichische Freundin haben?
Ich verstehe ihre Sprache vielleicht ein klein wenig besser als andere.

Hängt bei Ihnen daheim ein bestimmtes Datum des kommenden Weltcups, der Name einer bestimmten Destination?
Es ist klar: Ich will in Lake Louise Ende November bei der ersten Abfahrt am Start stehen. Das wäre der ideale Verlauf meiner Saisonplanung.

Und wenn es nicht so kommt?
Dann muss man Anpassungen vornehmen.

Und wenn es gar nicht mehr geht?
Damit befasse ich mich nicht.

Erstellt: 17.05.2013, 10:35 Uhr

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