Jung und einsam durch verlassene Meere

Der Genfer Alan Roura bestreitet als Jüngster die legendäre Weltumseglung Vendée Globe.

Die Vendée Globe ist die Kult-­Regatta unter den Hochseerennen: Skipper Alan Roura ist der jüngste Teilnehmer.

Die Vendée Globe ist die Kult-­Regatta unter den Hochseerennen: Skipper Alan Roura ist der jüngste Teilnehmer. Bild: Laurent Gilliéron/Keystone

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Schweizer Weltumsegler haben Tradition. Alan Roura ist der dritte, der an der mythischen Vendée Globe teilnimmt. Vor zwei Wochen wurde die achte Ausgabe gestartet. Das Rennen gilt als härteste Weltumsegelungsregatta. Start und Zielort ist das Fischerstädtchen Les Sables d’Olonne an der französischen Atlantikküste.

Während mindestens zweieinhalb Monaten segeln nun 29 Konkurrenten auf ihren 18,28 Meter langen Hightechjachten ohne fremde Navigationshilfe über die drei Ozeane, den Atlantik, den Indischen und den Pazifischen Ozean. Die 45'000 Kilometer lange Route führt durch die härtesten und verlassensten Gegenden der Weltmeere, durch die sagenumwobenen «brüllenden Vier­ziger», zwischen dem 40. und 50. Breitengrad.

Und je weiter die Fahrt Richtung «heulende Fünfziger» geht, desto kälter wird es. Schneestürme beeinträchtigen die Sicht, Gefahr droht von Eisbergen. In diesen Gebieten fahren keine Containerschiffe, fliegen keine Helikopter des Seenotrettungsdienstes.

Schweizer Favoriten

Die Vendée Globe ist die Kult-­Regatta unter den Hochseerennen. Ein Grund dafür ist das simple Format des Rennens: ein Skipper, ein Boot, ein ­Planet, nonstop.

«Das Meer entscheidet, wen es durchlässt und wen nicht», sagte einst Dominique Wavre, lange Jahre der bekannteste Schweizer Weltumsegler. Er ist mittlerweile 61 und seit 2013 in Rente. Der acht Jahre jüngere Bernard Stamm, Sieger des Barcelona World Race 2015 mit seinem bretonischen Partner Jean Le Cam, sitzt zurzeit auf dem Trockenen. Er ist ohne Sponsor und ohne Boot.

Beide Schweizer zählten in ihren besten Zeiten zum erweiterten Favoritenkreis der Vendée Globe; doch Stamm kam bei drei Starts nie in die Wertung. Und Wavres beste Klassierungen waren Platz 4 und 5.

Ihr Genfer Nachfolger Alan Roura sagte vor dem Start: «Ich habe absolut keine Chance, das Rennen zu gewinnen.» Er hat ein Boot, das 16 Jahre alt ist und so in diesem Hightechbusiness bereits als Fossil gilt. Und mit 400'000 Franken verfügt er über das kleinste Budget. Er sagt: «Für mich geht es darum, das Rennen zu beenden.»

Der eine 23, der andere 66

Trotzdem war Roura vor dem Start ein gefragter Mann. Mit 23 ist er der Jüngste in der Geschichte der Vendée Globe, die seit 1989 alle vier Jahre gestartet wird. Sein Gegenpart ist der 66-jährige Amerikaner Rich Wilson, ein Mathematiker mit Harvard-Abschluss. Schon 2008/09 segelte Wilson als ältester Teilnehmer – auf Platz 9.

«Alt und Jung, das gehört auch zu diesem Rennen», sagt Roura. «Es geht um den Kampf gegen sich, darum, die Herausforderung zu meistern.» Zwei Wochen nach dem Start segelt er 3500 Kilometer hinter Leader Alex Thom­son aus England, auf Position 24.

Das beherrschende Thema dieser Vendée Globe sind die sogenannten Foils. Die leicht sichel- oder L-förmigen Seitenschwerter pressen bei genügend Wind den Bug aus dem Wasser und verringern so den Wasserwiderstand. Der Vorteil ist enorm. Sechs Boote der neusten Generation sind damit aus-­ und ein älteres nachgerüstet. Sie gelten als «fliegende» Boote.

Doch die Foils sind anfällig, es ist ein heikles Zusammenspiel zwischen Speed und Risiko. «Es ist ziemlich beeindruckend, auf einem Boot zu segeln, das bei 17 Knoten Wind durchschnittlich 22 Knoten Geschwindigkeit macht», meldete Spitzenmann Thomson – und hat nun aber prompt ein Problem mit den Foils.

Roura dagegen kommt gerade auf 12 Knoten. Für den jungen Genfer wird es eine lange Reise der Einsamkeit.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.11.2016, 22:50 Uhr

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