Lea Sprunger redet sich stark – und liefert

Die Romande sprintet an der WM zu Platz 4 über 400 m Hürden. In 54,06 Sekunden verbessert sie den 28 Jahre alten Nationalrekord – und denkt doch schon ans nächste Jahr.

Ein fast perfekter Lauf: Lea Sprunger zeigte im Final eine starke Leistung und schaffte beinahe die Sensation. (Video: SRF)

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«Sei mutig!», trichterte sich Lea Sprunger vor ihrem Final-Auftritt über 400 m Hürden ein. Und tatsächlich startete die Romande mit viel Courage ins Rennen, flog über die Hürden und durfte darum auf der Zielgeraden gar noch um die Bronzemedaille kämpfen. Die Jamaikanerin Rushell Clayton war da aber noch ein wenig frischer. Darum grämte sich Sprunger nach dem Zieleinlauf zuerst. «Ich war angetreten, eine Medaille zu gewinnen», sagte sie. Nun war es dieser ungeliebte vierte Platz geworden.

Doch der Blick auf die Uhr dämpfte die leise Enttäuschung. Mit 54,06 Sekunden verbesserte die 29-Jährige den Schweizer ­Rekord von Anita Protti – endlich, muss man sagen. Denn seit ihrem Aufstieg in die Weltklasse jagte Sprunger neben dem Kontinentaltitel immer wieder auch diese 54,25 aus dem fernen 1991, ebenfalls an einer WM gelaufen.

Das Lob der Schwester

«Darauf habe ich lange gewartet», sagte Sprunger glücklich. Mit «push, push, push» hatte sie sich im Rennen selber angefeuert, zumal sie von der neunten Bahn aus gestartet war und damit ihre Konkurrentinnen lange nur im Rücken spürte. «Lea ist mental stärker geworden», sagte ihre Schwester Ellen, die als SRF-Expertin den Lauf analysierte. Dass sie damit recht hat, wurde in Doha offensichtlich: Zitterte Lea Sprunger an Grossanlässen einst geradezu, hat sie sich in den letzten zwei, drei Jahren die Coolness für die ganz grossen Momente erarbeitet. Der EM-Titel von 2018 sowie das Hallen-EM-Gold (über 400 m) von diesem Frühjahr halfen ihr dabei.

Dass ihr Langzeitcoach Laurent Meuwly sie zudem stets punktgenau auf den Saisonhöhepunkt in Form zu bringen vermag, hilft ebenfalls. Dabei verliefen die vergangenen Monate für Sprunger alles andere als reibungslos. Nach dem EM-Titel vom August 2018 folgte die grosse Leere und die Frage, was ihr jetzt überhaupt noch an Zielen bleibe. Im Frühling plagte sie sich mit Rückenproblemen, was bei der Ungeduldigen zu bescheidenen Resultaten und Zweifeln führte. Zumal die Form über den Sommer einfach nicht besser werden wollte. Zumindest stagnierte sie zeitmässig fern der angestrebten 54 Sekunden.

Weltrekord von Muhammad

Ein souveräner WM-Vorlauf aber tilgte diese Zweifel, im Halbfinal qualifizierte sie sich locker für die Endrunde. Es führte dazu, «dass ich wie in früheren Jahren keine Angst mehr vor einem Medaillengewinn hatte». Die Aussage ist typisch für Sprunger, die sich breite Schultern, also ein kräftiges Athletenego, hart hat antrainieren müssen.

Sie hat mittlerweile keine Angst mehr vor den Gegnerinnen. Darum dachte sie schon direkt nach ihrem vierten WM-Rang an nächsten Sommer und die Spiele in Tokio. «Jetzt weiss ich, dass ich zulegen muss», sagte sie. Es bedeutete indirekt: Die erstarkte Sprunger will bei Olympia eine Medaille.

Wie viel noch zu tun ist, zeigten ihr Siegerin Dalilah Muhammad und Sydney McLaughlin. Die Amerikanerin drückte ihren Weltrekord vom Juli um weitere vier Hundertstel auf 52,16. Ihre Teamkollegin war in 52,23 nur einen Tick langsamer. Solche Leistungen wird Sprunger nie erreichen. Aber zumindest für einen dritten Olympiaplatz dürfte auch eine etwas irdischere Vorstellung reichen. Lea Sprunger hat gestern Mass daran genommen.

Erstellt: 05.10.2019, 08:27 Uhr

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