Lieber mit dem Team ins Museum als blöde Fragen beantworten

Spieler aus aller Welt und ein spezieller Coach prägen die San Antonio Spurs – und diese seit Jahren die NBA.

Tony Parker ist der Bestbezahlte der Spurs und in Frankreich eine Ikone. Foto: Keystone

Tony Parker ist der Bestbezahlte der Spurs und in Frankreich eine Ikone. Foto: Keystone

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Während ihrer Saisonvorbereitung unternahmen die San Antonio Spurs einen Trip nach Berlin – und der fünffache NBA-Champion unterlag in diesem mit viel Hype angekündigten Testspiel gegen Alba Berlin mit dem letzten Wurf 93:94.

Das war natürlich optimale Werbung für Alba Berlin und das deutsche Basketball. Doch es war nur ein Vorbereitungsspiel, und Gregg Popovich, der Coach der Spurs, zeigte sich in Berlin von einem anderen Aspekt enttäuscht. Er hatte mit der Mannschaft den Besuch des ­Pergamonmuseums mit seinen antiken Kunstschätzen auf dem Programm. Doch das Museum wurde just Anfang Oktober wegen Umbauarbeiten geschlossen. Popovich äusserte gegenüber den Medien seinen Unmut und sprach von einer ­ärgerlichen Programmänderung. Ob diese Enttäuschung ernst war oder nur gespielt, war schwer zu eruieren.

Doch es passt zur Geschichte des 65-jährigen Coaches, der in den USA unter den Journalisten einen Sonderstatus besitzt. Mit Popovich ein Interview zu führen, gilt als besondere Herausforderung. Meist sind seine Antworten keine zehn Wörter lang und fadengerade heraus. Und manchmal sagt er auch gar nichts und gibt mit seiner Mimik dem Journalisten zu verstehen, dass er diese Frage wirklich saublöd findet.

Das Publikum und die Spieler lieben den grantigen Mann mit dem Pocken­narbengesicht. Zur Legende passt, dass Popovich während des Militärdienstes bei der Air Force für die USA als Spion gegen die Sowjetunion tätig gewesen sein soll.

Erfolg mit ausländischen Spielern

Seit 1996 ist er Coach bei den San ­Antonio Spurs, und als einer der ersten setzte er konsequent auf ausländische Spieler. Der 1,88 m grosse Franzose Tony Parker kam 2001 und war damals ein Spieler, der vor allem spektakulär zum Korb zog. In der NBA, mit den Kolossen unter den Körben, ist das aber für kleinere Spieler ein schwieriges und risikoreiches Unterfangen. Popovich machte aus Parker einen Strategen und forcierte ihn, an seinem Wurf zu arbeiten. «Es gibt keinen Menschen auf dieser Welt, der mich so oft und so unerbittlich kritisiert hat wie Popovich», sagte Parker einst. «Aber es gibt auch keinen Menschen auf dieser Welt, dem ich so viel zu verdanken habe wie ihm.»

Parker, mittlerweile eine Ikone des französischen Sports, wurde mit den Spurs im vergangenen Juni zum vierten Mal NBA-Champion. Mit einem Jahres­gehalt von 12,5 Millionen Dollar ist er ihr bestbezahlter Spieler. Und seit vergangenem Juni ist er Hauptaktionär und Präsident des französischen Spitzen­vereins ASVEL Villeurbanne, der in Lyon beheimatet ist. Laut der französischen Sportzeitung «L’Equipe» hat der 32-jährige Parker für 60 Prozent der ­Aktien 2 Millionen Euro bezahlt. Und er will nach seiner Karriere als Präsident Villeurbanne zu einem der erfolgreichsten Clubs in Europa machen. Während des NBA-Lockouts 2011 spielte Parker ­einige Monate dort.

Euroleague-Sieger als Assistent

Die ganze Basketball-Welt im Fokus, aber Konzentration auf das Detail im eigenen Haus, das ist das Credo der Spurs. Im 15-Mann-Kader figurieren Spieler aus Frankreich, Italien, Australien, Neuseeland, Kanada, Argentinien und Brasilien. Dabei sind die meisten, wie Manu Ginóbili aus Argentinien oder der brasilianische Center Tiago Splitter, in ihren Heimatländern populärer als in der NBA.

Und seit dieser Saison ist der Italiener Ettore Messina Assistenzcoach von ­Popovich. Der 55-jährige Sizilianer zählt zu den renommiertesten Trainern in ­Europa, er gewann mehrere Titel mit Bologna und Treviso, coachte Real ­Madrid und wurde mit dem ZSKA ­Moskau zweimal Euroleague-Sieger, die Champions League im Basketball. Nach über 20 Jahren als Chefcoach hätte er sich nicht vorstellen können, nochmals Assistent zu sein. «Doch als Gregg ­anrief, habe ich keine Sekunde überlegt. Es gibt keinen besseren Ort auf der Welt, um Basketball zu spielen und zu trainieren, als bei den Spurs.»

Erstellt: 04.11.2014, 20:40 Uhr

Gregg Popovich

Der 65-Jährige ist seit 1996 Trainer von San Antonio und führte den Club zu fünf Meistertiteln.

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