Mit dem Mähdrescher-Stil zurück Richtung Spitze

Triathletin Daniela Ryf siegte am Ironman 70.3 in Rapperswil und folgt beharrlich einem erstaunlichen Weg.

Überlegene Siegerin: Daniela Ryf setzte sich in Rapperswil durch.

Überlegene Siegerin: Daniela Ryf setzte sich in Rapperswil durch. Bild: Keystone

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Sie strahlt, geniesst das Interesse, das ihr entgegengebracht wird, und stellt die in 4 Stunden und 14 Sekunden erbrachte Leistung in einen Rahmen. Daniela Ryf gewann den Ironman 70.3 in Rapperswil-Jona über 1,9 km Schwimmen, 90 km Velo und 21,1 km Laufen – das sind 70,3 Meilen und entspricht der Hälfte der legen­dären Ironman-Distanz. Erst zwölf Minuten nach ihr kam die einstige Rad-Zeitfahr-Weltmeisterin und Olympiazweite Emma Pooley (Gb) ins Ziel, gar über 21 Minuten ­später Triathlon-Olympiasiegerin ­Nicola Spirig. Das sind Referenzen erster Güte.

Im Tempo der Männer

Für Staunen gesorgt hatte die 27-jährige Solothurnerin Ryf bereits in der ersten halben Rennstunde. Nach 23 Minuten stieg sie aus dem Wasser des Obersees – in ­Gesellschaft der schnellsten Männer, allen voran Jan van Berkel, Ronnie Schildknecht, Ruedi Wild oder Mike Aigroz. «Das Spezialtraining hat offenbar angeschlagen», erklärte sie später. Unter Trainer Brett Sutton, dem Australier, der zum Beispiel Nicola ­Spirig zum Olympiasieg führte, hat sie sich einen neuen Schwimmstil angeeignet. Kein schöner, aber ein effizienter. Das sehe aus wie ein Mähdrescher, sagten ihr Trainer ihres Schwimmclubs in Burgdorf. Doch im ­offenen Gewässer und für die geforderte Distanz zahlt sich der Stilwechsel aus. «Ich habe Fortschritte gemacht», sagt Ryf.

Gut 100 Sekunden nahm sie in der Auftaktdisziplin der meist­genannten ­Favoritin Spirig ab, siebeneinhalb Minuten Pooley. Wegweisend aber war, was anschliessend folgte: die ersten rund 10 flachen Velokilometer. Ryf hielt mit den Männern mit, distanzierte Spirig weiter und realisierte schliesslich die bessere Radzeit als Pooley. Und dann liess sie eine Laufleistung folgen, die ebenso höchsten Ansprüchen genügte.

Der jähe Einbruch

Die Leistungsfähigkeit von ­Daniela Ryf auf der halben Ironman-Distanz macht Eindruck. Als Talent hatte sie sich schon früh etabliert. Zweimal errang sie auf der olympischen Distanz den Europameistertitel bei den Juniorinnen, 2006 wurde sie U-23-Weltmeisterin, und an den Olympischen Spielen in Peking belegte sie Platz 7 – mit 21 Jahren. Dann aber kam der Bruch in der Entwicklung. Vor Olympia 2012 kämpfte sie über ein Jahr mit ­Magen-Darm-Problemen. Rang 40 beim Saisonhöhepunkt stellte einen weiteren Tiefpunkt dar.

Daraufhin wandte sich Ryf von der olympischen Disziplin ab, anderen zu, und verlegte ihren Lebensmittelpunkt nach fünf Jahren Australien wieder in die Schweiz. Der Erfolg kehrte zurück. Letzten Sommer gewann sie den 70.3-EM-Titel und belegte Rang 6 an der WM. Jetzt ist sie daran, sich weiterzusteigern. Unterstützt wird sie dabei von Sutton, der sie seit letztem Herbst betreut und ihr neue ­Impulse verleiht.

«Ich habe einen perfekten ­Winter hinter mir, bin fitter ­geworden und bin mit einer ­unglaublichen Freude bei der Sache», sagt sie. Da passt, wenn sie anfügt: «Rapperswil war ein Trainingswettkampf, der Fokus gilt den Sommerrennen.» Vorerst geniessen die Prüfungen ihres Studiums als Lebensmitteltechnologin Priorität.

Erstellt: 01.06.2014, 22:38 Uhr

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