Der verschwundene Weltmeister: Hat ihn das Trikot gestört?

Der Eklat an der Tour de France lässt viele Fragen offen. Nun deuten Gerüchte an, dass Rohan Dennis einfach keine Lust mehr hatte.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Was hat Rohan Dennis bewogen, die Tour de France überstürzt zu verlassen? Auf der 12. Etappe vom Donnerstag war der australische Zeitfahr-Weltmeister ausgestiegen. Ohne offensichtliche Probleme. Und das ausgerechnet am Tag vor dem Zeitfahren von Pau heute Freitag, zu dem er als Favorit gestartet wäre.

Nun fragt sich die Radsportszene: Was war da los mit dem 29-Jährigen? Fühlte er sich körperlich schlecht? Oder ist er sonst gekränkt? Dies zumindest deuten Gerüchte aus dem Umfeld des Fahrers an. So soll ihm das Renndress nicht gepasst haben, das ihm sein Team Bahrain-Merida für das Zeitfahren von heute Freitag zur Verfügung stellte. Eine Eurosport-Reporterin berichtet von einem «Streit mit dem Team über die Ausrüstung».

Der Fall wird dadurch nicht weniger mysteriös. Bahrain-Merida hatte nach dem Ausstieg getwittert, man sei auf der Suche nach dem Fahrer und melde sich wieder, wenn man mehr wisse. Noch vor dem Ende des Rennens kam Dennis im Ziel an, ging aber wortlos durchs Fahrerlager und verschwand bald darauf wieder.

Etwas später äusserte sich der Sportliche Leiter der Equipe, Gorazd Stangelj. Seine Antworten provozieren noch mehr Fragen. So erzählte der Slowene, er habe, nachdem er Dennis’ Rad in der Verpflegungszone stehen gesehen habe, telefonisch versucht, mit dem Fahrer Kontakt aufzunehmen. «Aber er wollte nicht mit mir sprechen.»

In der Nacht dann veröffentlichte Bahrain-Merida eine Medienmitteilung, in der erstmals Dennis selbst zu Wort kam. Der Australier liess ausrichten: «Ich bin sehr niedergeschlagen. Das Zeitfahren vom Freitag war ein grosses Ziel, für mich und das Team, aber in meiner gegenwärtigen Verfassung war es die richtige Entscheidung, sich zurückzuziehen.»

Das Statement beantwortete allerdings die wichtigsten Fragen nicht, im Gegenteil: Es warf abermals weitere auf. Zumal Stangelj, der sportliche Leiter, gesagt hatte, dass die Aufgabe keine physischen Gründe habe. Fragen über einen allfälligen Konflikt dagegen wich er aus, liess aber durchblicken, dass Dennis, der bis 2018 für BMC fuhr, sehr anspruchsvoll sei bezüglich Betreuung und Materialwünschen. «Er ist ein spezieller Typ – aber alle Champions sind so.»

Im Falle von Dennis könnte es sein, dass er an einer Weggabelung in seiner Karriere angelangt ist: Hat er die Tour aus freien Stücken verlassen, weil ihm die Lust vergangen ist, dürfte das Folgen haben für ihn. Dass Bahrain-Merida dies akzeptiert, scheint durchaus fraglich.

Erstellt: 18.07.2019, 22:23 Uhr

Artikel zum Thema

Yates zeigt sich beim Pyrenäen-Auftakt am stärksten

Simon Yates gewinnt die 12. Etappe der Tour de France. Julian Alaphilippe bleibt in Gelb. Mehr...

Ein Mittelchen sorgt an der Tour für Aufruhr

Dem Nahrungs-Ergänzungsmittel Ketone werden Wunderdinge nachgesagt. Die zwei erfolgreichsten Teams benützen es – da ist die Aufregung nicht mehr weit. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Spielvergnügen: Kinder spielen in einem 20'000 Quadratmeter grossen und zwei Kilometer langen Maislabyrinth bei «Urba Kids» in Orbe, Waadt. (22. August 2019)
(Bild: Laurent Gillieron) Mehr...