Neues Abenteuer nach Schreckensnacht

Vor einem Jahr entrann Bernard Stamm in höchster Seenot knapp dem Tod. Nun startet der Weltumsegler zum Barcelona World Race – ein langjähriger Konkurrent ist sein Partner.

Starke Persönlichkeiten in einem Boot: Stamm (links) und Le Cam. Foto: Keystone

Starke Persönlichkeiten in einem Boot: Stamm (links) und Le Cam. Foto: Keystone

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Die Nacht vor Heiligabend 2013 wird ­Bernard Stamm nie vergessen. Der Waadtländer und sein französischer ­Kollege Damien Guillou segelten von Brasilien nach Frankreich. Sie befanden sich auf der Rückreise der Regatta Transat ­Jacques Vabre, bei der das Duo Vierte ­geworden war.

180 Seemeilen vor der bretonischen Küste gerieten sie in einen Orkan. Um etwa 20 Uhr, beide Segler waren unter Deck, krachte das Boot mit ohrenbetäubendem Knall durch ein Wellental. Die beiden gingen sofort hinauf und sahen, dass der gesamte Bug nach oben weg­gebrochen war. Das 18,29 m lange und erst drei Jahre alte Hightechboot war in der Mitte komplett aufgerissen. Kurz darauf fiel der 29 Meter lange Mast.

Dank einer dramatischen Rettungs­aktion, in die ein Flugzeug der französischen Küstenwache, ein Helikopter der britischen Coast Guard und ein norwegischer Frachter involviert waren, entrannen die beiden Schiffbrüchigen in höchster Not dem Tod.

Weihnachten feierten die beiden ­Segler damals an Bord des Frachters mit den philippinischen Seeleuten, welche sie aus den sturmgepeitschten Wellen gezogen hatten.

Ein explosives Duo

Ein Jahr später nun, an Silvester, startet der in der Romandie geborene und an der französischen Atlantikküste lebende Bernard Stamm (51) wieder ins Abenteuer. Zusammen mit seinem langjährigen Konkurrenten Jean Le Cam (55) ­bildet er nun ein Duo beim Barcelona World Race. Diese Weltumsegelungs­regatta zu zweit führt von Barcelona über insgesamt rund 23'000 Seemeilen (42'600 km) ohne Zwischenstopps und ohne Hilfe von Dritten einmal um die Welt. Die Sieger der letzten Austragung (2010/11), die Franzosen Jean-Pierre Dick und Loïck Peyron, waren nach 92 Tagen und 22 Stunden wieder im Ziel an der spanischen Mittelmeerküste.

Es herrscht emsiges Treiben im alten Hafen von Barcelona. Über allem steht auf einer riesigen Säule Christoph ­Kolumbus und überschaut die Szene. Stamm und sein bretonischer Partner Le Cam demonstrieren Gelassenheit. Von der französischen Presse sind die beiden wegen ihrer starken Persönlichkeiten als «duo explosif» bezeichnet worden. ­Unter den acht Teilnehmern zählen sie zu den Mitfavoriten. Erster Siegesanwärter ist indes der Spanier Pepe Ribes mit seinem britischen Partner Alex Thomson.

Denkt Stamm, zweifacher Familienvater, nicht jeden Tag an die Schreckensnacht vor Heiligabend? «Nein. Das ist nun ein Jahr her. Ich werde sie wohl nie vergessen. Aber diese Nacht belastet mich nicht mehr. Ich fokussiere mich auf das Barcelona World Race.»

Aluminium war das Problem

Nach dem Schiffbruch vor einem Jahr hatte Stamm während Wochen nicht mit den Medien gesprochen. Der Grund sei ganz simpel gewesen, meinte der Weltumsegler in Barcelona. «Die Frage, welche die Journalisten uns stellten, konnten auch wir vorläufig nicht beantworten: Weshalb brach das Boot auseinander?»

Mittlerweile kennt Stamm die Ursache: «Es war ein Korrosionsproblem.» Die Waben des in der Komposit-Bauweise hergestellten Kunststoffrumpfes bestanden zum Teil aus Aluminium. «Bei einem Aufprall bricht Aluminium nicht, sondern verformt sich. Deshalb kamen die Ingenieure auf dieses Material», erklärt Stamm. Doch die verheerenden Folgen der Korrosion hatten die Bootsbauer damals noch nicht gekannt.

Für den Extremsegler ist nach dem Verlust des Bootes die zentrale Frage ­geklärt. «Ich habe keinen Fehler gemacht, der das Unglück verursachte. Wäre mir der entscheidende Fehler ­unterlaufen, wäre ich nie mehr auf das Meer zurückgekehrt.»

Stamm und Le Cam segeln nun auf einem geleasten Boot. Auf jenem, mit dem Michel Desjoyeaux 2007 die Weltumsegelungsregatta Vendée Globe gewann und das beim letzten Barcelona World Race Platz zwei belegte. Und ja, sagt Stamm, als hätte er die Frage erwartet. Bei diesem Boot wurde kein Aluminium beim Bau des Schiffsrumpfes verwendet.

Erstellt: 29.12.2014, 23:05 Uhr

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