Opfer des US-Missbrauchsskandals für ihren Mut geehrt

Über 100 Opfer des Sportarzts Larry Nassar nahmen am Mittwoch gemeinsam einen Award entgegen – ein bewegender Moment.

Ergreifende Szenen: Die Missbrauchsopfer werden in Los Angeles für ihren Mut, an die Öffentlichkeit zu gehen, geehrt. (Video: Tamedia/AP/ABC)

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Es war ein eindrückliches Bild. Rund 140 Frauen stehen auf der Bühne des Microsoft-Theaters in Los Angeles. Einige halten sich an den Händen, einigen laufen Tränen über das Gesicht, und andere lächeln. Ihnen allen ist in den letzten 30 Jahren dasselbe Schicksal widerfahren – sie alle wurden Opfer des Sportarzts Larry Nassar.

Im Januar fand in Lansing im US-Bundesstaat Michigan der Prozess gegen den ehemaligen Mannschaftsarzt der US-Turnerinnen und der Michigan State University statt. Fast 200 Missbrauchsopfer sagten vor Gericht gegen den Arzt aus. Nassar hatte die Sportlerinnen über Jahre sexuell missbraucht. Er wurde zu einer Gefängnisstrafe von bis zu 175 Jahren verurteilt. Nun wurden die Turnerinnen für ihren Mut, an die Öffentlichkeit zu gehen, geehrt.

«Hätte nur ein Erwachsener damals auf uns gehört…»

Am Mittwochabend standen sie gemeinsam auf der Bühne der Espy-Awards. Die ehemaligen Turnerinnen Sarah Klein, Aly Raisman und die ehemalige Softball-Spielerin Tiffany Thomas Lopez nahmen den vom US-Sportsender ESPN verliehenen Arthur-Ashe-Courage-Award repräsentativ für alle Opfer entgegen. Sarah Klein, das erste Opfer von Nassar, hielt im Anschluss eine ergreifende Rede. Sie plädierte für Mut und wiederholte die Vorwürfe gegen das amerikanische olympische Komitee, den US-Turnverband und die Michigan State University. Diese hätten über 30 Jahre Geld und Medaillen über das Wohl und die Sicherheit von Hunderten Nachwuchsathletinnen gestellt. Klein war mehrmals den Tränen nahe.

Die Bilder der Preisverleihung in Los Angeles:

Als Aly Raisman das Mikrofon ergriff, richtete sie sich an Richterin Rosemarie Aquilina, die Nassar verurteilte. Sie habe den Frauen die Kraft wieder zurückgegeben, die in ihnen stecke. «Hätte nur ein Erwachsener damals auf uns gehört, uns geglaubt und reagiert, so wären die Menschen auf dieser Bühne ihm (Nassar) nie begegnet.»

Dem US-Sport droht der nächste Skandal

Am Tag der Preisverleihung wurden in den USA neue Missbrauchsvorwürfe im Sport bekannt. Zwei frühere US-Wasserspringerinnen werfen dem Verband USA Diving vor, Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs ignoriert oder Ermittlungen behindert zu haben. Die in der letzten Woche eingereichte Klage richtet sich auch gegen die Ohio State University und einen früheren Trainer, wie die Zeitung «Indianapolis Star» berichtete.

Eine Sprecherin des Verbandes, der seinen Sitz in Indianapolis hat, erklärte zunächst nur, man nehme die Angelegenheit sehr ernst, könne derzeit aber keinen weiteren Kommentar abgeben. Der Verband hatte den Coach zwar 2015 auf eine Liste von Trainern gesetzt, mit denen er nicht mehr zusammenarbeiten wollte. USA Diving soll dies aber erst sechs Monate nach Ermittlungen der Universität getan haben, die zur Trennung von dem Trainer führten. (tzi/sda)

Erstellt: 19.07.2018, 11:58 Uhr

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