Video-Interview

«Plötzlich bist du der Beste und der Schönste»

Der dreifache Schwingerkönig Jörg Abderhalden erklärt, was es braucht, um am Eidgenössischen zu triumphieren, wie es sich anfühlt, die Krone zu tragen, und auf wen er in Burgdorf sein Geld setzen würde.

«Christian Stucki strahlt eine unheimliche Ruhe aus»: Jörg Abderhalden sieht den Berner Schwinger als den Kronfavoriten für das Eidgenössische 2013.
Video: Sebastian Rieder, Wildhaus SG

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Jörg Abderhalden, was braucht es alles, um Schwingerkönig zu werden?
Es braucht viel Idealismus fürs Schwingen, auch einen gewissen Fanatismus. Die Grundeinstellung muss schon stimmen. Man muss wirklich der Beste werden wollen. In den jungen Jahren braucht es viel Training. Am Anfang vor allem schwingen, schwingen, schwingen. Dann kommen Kondition, Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer dazu. Und am Ende braucht es auch ein wenig Glück. Natürlich kann man das Glück auch erzwingen.

Bis zum Eidgenössischen vergehen jeweils drei Jahre – worauf muss man als Athlet am Schwingfest achten?
Am Tag selber geht es wieder von null los, dessen muss man sich bewusst sein. Es nützt nichts, wenn du die ganze Saison gut warst und dann am Tag X nicht bereit bist. Es ist ganz wichtig, dass man Gang für Gang nimmt und nicht schon am Morgen aufs Tableau schaut und beginnt, sich weitere Paarungen auszumalen. Bei einem schlechten Gang muss man wieder aufholen. Wenn man gegenüber dem Feld einen Vorsprung hat, darf man nicht eingeholt werden. Die Konzentration darf nicht nachlassen.

Als Athlet muss man den Stellenwert des Eidgenössischen relativieren.
Genau. Man muss alles relativieren. Denn wenn du zwei Gänge verlierst, bist du schon weg vom Fenster.

Wenn man dann am Ende tatsächlich Schwingerkönig wird wie Sie, was passiert da? Wie sieht es im Kopf aus?
Das sind ganz viele Gedanken, die einem da durch den Kopf gehen. Am Anfang realisierst du es gar nicht richtig, erst später wird es dir bewusst. Plötzlich bist du der Beste und der Schönste. Die Verlockung, das zu glauben, ist schon sehr gross.

Für das Eidgenössische 2013 schwingen mehrere Favoriten um die Krone. Wer hat aus Ihrer Sicht die besten Aussichten, König zu werden?
Die Berner sind absolut in der Poleposition: Christian Stucki, Kilian Wenger, Matthias Sempach. Ich denke, dass auch die beiden Nordwestschweizer Bruno Gisler und Christoph Bieri mitmischen können. Die beiden gehören sicher zu den Favoriten. Dann hat es Innerschweizer mit Philipp Laimbacher. Dazu gehört auch Nöldi Forrer als mehrfacher Kranzfestsieger. In der zweiten Reihe lauern aber noch eine ganze Menge Athleten, die bereit sind, wenn die Favoriten straucheln.

Wenn ich Ihnen 1000 Franken Spielgeld gebe, auf wen setzen Sie?
Das ist extrem schwierig. Ich würde das Geld splitten und sicher auf einen der drei Berner setzen, also Stucki. Er ist für mich ein heisser Kandidat, weil er in der Regel sehr wenig Gänge verliert. Nummer zwei ist Gisler, dann Sempach.

Was macht Stucki so stark? Ist es die Masse? Seine Technik? Mental?
Christian strahlt eine unheimliche Ruhe aus. Er ist gross, er hat die Masse. Er ist aber auch sehr beweglich für seine Grösse. Und sein grosser Vorteil ist, dass ein Fehler bei ihm im Gegensatz zu einem kleinen Schwinger kaum Auswirkungen hat. Das könnte ihm zugutekommen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.08.2013, 10:01 Uhr

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