Schweizer NBA-Star Sefolosha: «Ich erhoffe mir weniger Foulpfiffe»

Thabo Sefolosha, der einzige Schweizer in der National Basketball Association (NBA), führt in Blonay bei Vevey ein Trainingslager für Jugendliche durch. Im Interview spricht er über Heimatgefühle, Superstars und Geld.

«Hier kann ich mich selber sein.» Thabo Sefolosha – hier am Genfersee – fühlt sich nach wie vor in der Schweiz daheim.

«Hier kann ich mich selber sein.» Thabo Sefolosha – hier am Genfersee – fühlt sich nach wie vor in der Schweiz daheim. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Fühlen Sie sich jetzt zu Hause, oder sind die USA, wo Sie den grössten Teil des Jahres verbringen, zu Ihrer Heimat geworden?
Thabo Sefolosha: Hier ist mein Zuhause, hier fühle ich mich daheim. Ich kam in Vevey zur Welt, wuchs hier auf. Hier habe ich meinen Freundeskreis, meine Familie. In der Schweiz spüre ich keinen Stress, hier kann ich mich selber sein.

Was macht den Stress in Oklahoma City aus?
Es ist eine ruhige Stadt mit angenehmen Menschen. Der Stress wird durch den Basketball erzeugt; als NBA-Profi stehst du auf dem Feld unter grossem Druck, zudem sitzt du dauernd im Flugzeug.

Wie verbringen Sie den Sommer?
Das Camp hält mich gut zwei Wochen auf Trab, ansonsten trainiere ich viel – im Kraftraum und in der Halle.

Haben Sie schon Ihren Nachfolger entdeckt?
Das ist schwierig zu sagen. Aber es hat unter den Kindern einige grosse Talente, die schon gut Basketball spielen. Es macht grossen Spass, sie zu fördern.

Sie arbeiten seit Jahren intensiv an Ihrer Wurftechnik, trotzdem war Ihre Trefferquote in der letzten Saison noch nicht auf dem gewünschten Niveau. Bereitet Ihnen diese Schwäche Sorgen?
Nein, ich lasse mich durch Statistiken nicht verrückt machen; die harte Arbeit wird sich letztlich auszahlen. Ich trainiere auch im Sommer intensiv; unter Anleitung eines Privatcoaches werfe ich pro Einheit rund 700 Mal auf den Korb.

Sie wurden von den NBA-Coaches ins zweite Defensivteam der Liga gewählt und gehören daher offiziell zu den zehn besten Verteidigern in der NBA. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?
Meine Leistungen wurden auf diese Weise honoriert. Das ist toll, zumal ich hart an meinem Abwehrverhalten arbeite und es mich stolz macht, meine Gegenspieler stoppen zu können.

Haben Sie als bester europäischer NBA-Abwehrspieler einen anderen Status erlangt?
Keine Ahnung. Ich denke nicht, dass mich die NBA-Profis nun in einem anderen Licht sehen. Ich erhoffe mir etwas mehr Respekt und etwas weniger Foulpfiffe von den Schiedsrichtern, jetzt, da ich zu den anerkannten Defensivspielern zähle.

NBA-Topskorer Kevin Durant verlängerte den Vertrag mit Oklahoma City Thunder bis 2016. Wie nahmen Sie diese Nachricht auf?
Selbstverständlich erfreut. Mein Vierjahresvertrag beginnt in der kommenden Saison; es ist ein grosses Plus, Kevin während dieser Zeit im Team zu wissen. Dass er als Superstar zu Thunder steht, ist ein starkes Zeichen.

Diverse Experten bezeichnen Durant als den «nächsten Michael Jordan». Trauen Sie ihm eine derartige Karriere zu?
Jordan-Nachfolger? Das kann ich nicht beurteilen. Aber Kevin ist grossartig; wenn er einmal zurückgetreten ist, wird jeder seinen Namen kennen und sich an ihn erinnern.

Was macht ihn speziell?
Sein Selbstvertrauen ist riesig, unerschütterlich. Obwohl er 2,07 Meter gross ist, kann er hervorragend dribbeln und aus der 3-Punkte-Distanz präzis werfen. Dennoch ist er bescheiden geblieben.

Wie haben Sie die Playoff-Serie gegen die Los Angeles Lakers, den späteren Champion, in Erinnerung?
Es war grossartig, Teil dieser verrückten Zeit zu sein. Die Intensität auf dem Feld ist unglaublich hoch, jeder geht an die Grenzen – es ist noch schwieriger, Körbe zu werfen, als in der Qualifikation. Zudem war unser Publikum fantastisch; im ersten Heimspiel stand die Halle kopf; so etwas hatte ich noch nie erlebt.

Die Stars LeBron James, Chris Bosh und Dwyane Wade spielen nächste Saison alle für Miami Heat. Ist Miami nun Topfavorit?
Das wird man sehen.

Verstehen Sie den Entscheid von James?
Ehrlich gesagt nicht. Wenn jemand über so viel Talent und Klasse verfügt, sollte er meiner Meinung nach nicht in eine Mannschaft mit anderen Topstars wechseln.

James, Wade und Bosh haben alle mit über 100 Millionen Dollar dotierte Sechsjahresverträge unterzeichnet. Was sagen Sie zu diesen Beträgen?
Das sind irre Summen, doch sie gehören zur US-Sportkultur. Viele Amerikaner lieben es, Basketball, Baseball oder Football zu sehen. Daher werden in all diesen Ligen derartige Saläre gezahlt.

Sie selber verdienen in den nächsten vier Jahren umgerechnet rund 15 Millionen Franken. Was bedeutet Ihnen Geld?
Nicht allzu viel. Aber es war eine Erleichterung, diesen Kontrakt zu signieren. Ich kann meine Familie finanziell absichern und muss mir, wenn ich mich nicht dumm anstelle, nie mehr Sorgen wegen des Geldes machen. Das erlaubt es mir, entspannt Basketball zu spielen.

Erstellt: 14.07.2010, 12:09 Uhr

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Kommentare

Blogs

Sweet Home Kleine Wohnung – grosse Kunst

Geldblog Stimmung bei Novartis hellt sich auf

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Kampf gegen das Aussichtslose: In Kalifornien versuchen die Feuerwehrleute immer noch das Ausmass der Buschfeuer einzugrenzen. (11. Oktober 2019)
(Bild: David Swanson) Mehr...