Schwingen und Dopingkontrolle – ein spezieller Gang

Am Eidgenössischen in Burgdorf mussten die Schwinger zur Dopingkontrolle antraben. Allerdings: Antidoping Schweiz würde die Heroen des Landes rigider kontrollieren.

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Schon längst hat das urchige Schwingen in Sachen Doping seine Unschuld verloren. Aktive wie Beat Abderhalden (2001), Thomas Wittwer (2005) und Stefan Marti (2012) wurden erwischt und für Monate gesperrt. Die Problematik wird sowohl im Eidgenössischen Schwingerverband (ESV) als auch in seinen Teilverbänden diskutiert und thematisiert. Und mit Alfred Brunner schaut der Dopingverantwortliche des ESV, dass alles mit legitimen Mitteln zu- und hergeht und dass Dopingkontrollen beim Schwingen durchgeführt werden.

Brunner war für eine Stellungnahme nicht erreichbar, ob auch beim Eidgenössischen Dopingkontrolleure ihre Zelte aufschlugen. Eduard Ritter, der Doping-Kommissionspräsident des ESV, weiss aber, «dass Dopingkontrollen am vergangenen Wochenende in Burgdorf stattgefunden haben». Bei wem oder bei wie vielen Schwingern, das ist Ritter nicht bekannt. «Ich gehe davon aus, dass bei den Aktiven, die den Schlussgang bestritten haben, Kontrollen stattfanden.» Ritter erinnert daran, dass schon bei den Eidgenössischen Schwingfesten in Frauenfeld (2010) und Aarau (2007) Dopingkontrollen durchgeführt wurden, etwa nach den Gängen 6 und 7. Es ist also davon auszugehen, dass Protagonisten wie Schwingerkönig Matthias Sempach und Rivale Christian Stucki gestern in der Emmental-Arena von den Kontrolleuren nicht verschont wurden.

Der ESV gehört Swiss Olympic nicht an

Allerdings führt der ESV seine Dopingkontrollen differenzierter durch als andere Schweizer Sportverbände. Der Grund: Der ESV gehört Swiss Olympic nicht an. Brunner bestimmt, wer wann kontrolliert wird, und beauftragt Antidoping Schweiz mit dem Vollzug.

Würden die Schwinger und Schwingerinnen zur Familie von Swiss Olympic gehören, dann würde Antidoping Schweiz die Kontrollen selbst in die Hand nehmen. Das hätte zur Folge, dass mehr Dopingkontrollen in dieser traditionellen Schweizer Sportart auf dem Plan stünden. «Ich schätze, wir würden 30 bis 40 Kontrollen pro Jahr durchführen – vor einem so bedeutenden Anlass wie dem Eidgenössischen Schwingfest in Burgdorf wesentlich mehr», sagte Matthias Kamber, Direktor von Antidoping Schweiz, gegenüber SRF.ch im Vorfeld des grossen Schwing-Happenings. Das wäre wohl eine Verdoppelung der Kontrollen. Rolf Gasser, Geschäftsstellenleiter des ESV, erklärte in der Vergangenheit mehrmals: «Auf das Image des Schwingsports würde sich ein Beitritt zu Swiss Olympic positiv auswirken.»

Ob das in Zukunft passieren wird, bleibt abzuwarten. Denn der Beitritt des ESV zum grossen Dachverband des Schweizer Sports ist ein Politikum, bei dem die Basis zuerst befragt werden muss. Und das kann sich über Jahre hinziehen. Viele Beobachter der Schwingszene behaupten, dass dieser Prozess zu vergleichen ist mit einem allfälligen Beitritt der Schweiz zur EU – langwierig oder mit wenig Aussicht auf Erfolg. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.09.2013, 15:20 Uhr

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