Sie hat die störenden Gedanken verbannt

Zuerst waren in der Schweiz nur die Gasparin-Schwestern, in diesem Winter hat sich Lena Häcki nach vorne gearbeitet.

«Wir haben das hervorragend hingekriegt»: Lena Häcki (24) musste an ihrer Konstanz arbeiten – und tat das erfolgreich.Foto: Keystone

«Wir haben das hervorragend hingekriegt»: Lena Häcki (24) musste an ihrer Konstanz arbeiten – und tat das erfolgreich.Foto: Keystone

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Es war ein bewusster Schritt: herunterfahren, das Gewehr und die Langlaufski in die Ecke stellen, eine Auszeit nehmen. Drei Tage ohne Training. Weihnachten war dafür prädestiniert. «Die fünf Wochen davor sind sehr intensiv gewesen», begründete Lena Häcki ihr Ausspannen über die Festtage.

Das Zurückstecken gelang entspannt. Häcki ist ein hervorragender Auftakt in die Biathlon-Saison geglückt. Da waren die beiden historischen Podestplätze mit der Frauen-Staffel, der zweite und dritte Rang Mitte Dezember. Und dann ihr dritter Platz im Weltcup-Verfolgungsrennen am Samstag vor Weihnachten. Es waren ihre besten Karriereresultate. Dabei bewies die 24-Jährige, dass sie die Erkenntnisse aus dem Einzelrennen 17 Tage zuvor schnell umsetzen konnte. Da hatten drei ­Fehlschüsse in der letzten Stehendsequenz nicht nur die Aussichten auf einen Rang unter den ersten drei, sondern gar auf den Sieg vereitelt.

Im Rückblick streicht Häcki jedoch das Erfreuliche heraus: «Was uns in der noch jungen Saison geglückt ist, macht Freude und motiviert enorm.» Die Kurzpause über Weihnachten hat ihr dazu gedient, «Abstand zu gewinnen, Energie zu tanken und mich mit anderen Gedanken zu beschäftigen».

«Training» auf Schalke

Wenig bedeutend war, dass sie mit Rang 7 zusammen mit Benjamin Weger beim Show-Wettkampf in und um die Fussballarena Auf Schalke am Samstag kaum brillieren konnte. «Ein exzellentes Training vor grossartiger Kulisse», bilanzierte sie den Anlass, der auch eine Abschiedsvorstellung für die Deutsche Laura Dahlmeier war. Vor allem im Schiessen galt es, das Drumherum mit den 46'000 Zuschauern auszublenden.

Durch Treffsicherheit zeichnete sich Lena Häcki neben ihren physischen und langlauftechnischen Fähigkeiten früh aus. Die Öffentlichkeit nahm dies erstmals im Herbst 2016 wahr. Das Talent blieb damals beim Saisonstart ohne Fehlschuss. Mit Rang 4 erreichte Häcki ein erstes Topergebnis. Spitzenresultate sind der Engelbergerin seither ab und an geglückt. Für den Sprung aufs Podest aber musste sie sich länger als gewollt gedulden.

«Was uns in der noch jungen Saison geglückt ist, macht Freude und motiviert enorm.»Lena Häcki, Biathletin

Auch, weil es ihr an einem wichtigen Faktor mangelte: der Konstanz. Die wollte und will sie verbessern, das ist ihr in dieser Saison wichtiger als ab und zu ein Ausreisser nach oben. «Ich will regelmässig unter die besten 20 laufen.» Bis auf zwei der sieben Einzelrennen ist ihr dies bis jetzt geglückt – «eine solide Quote», wie sie sagt.

Überraschend ist die Entwicklung für Häcki nicht gekommen. Zusammen mit Nationaltrainerin Sandra Flunger analysierte sie ihre Entwicklung nach der letzten Saison. Sie hat die entscheidenden Feinjustierungen für Konstanz im Schiessen vorgenommen. Hinzu kam die intensivierte Zusammenarbeit mit Sportpsychologe Jörg Wetzel. Der Fachmann und die Athletin stellten sich richtungsweisende Fragen: «Wie bekomme ich unter Hochdruck bei den Schiesssequenzen den Kopf frei? Wie vermeide ich Fehler durch störende Gedanken?» Jetzt hält sie fest: «Wir haben das hervorragend hingekriegt.»

Die Nähe zu Ruhpolding

Einen Grossteil ihrer Trainingszeit verbringt Häcki in Ruhpolding, dem Zentrum der deutschen Biathleten. Dies ermöglicht ihr die Nähe zum Deutschen Freund, dem Biathleten Marco Gross.

Nach dem Jahreswechsel folgt ein Trainingslager mit dem Schweizer Team in Lantsch/Lenz. Sie wird die drei Gasparin-Schwestern Selina, Elisa und Aita sowie die weiteren Nationalteam-Mitglieder Irene Cadurisch und Susi Meinen wiedersehen. Von «einem harmonischen Miteinander» spricht sie, «alle profitieren, wir schätzen und pushen uns». Zu spüren bekam dies Häcki hautnah: Bei den beiden Staffel-Podesträngen wurde sie von den drei Gasparins als Schlussläuferin im Ziel euphorisch empfangen. «Ein geniales Gefühl.»

«Ich versuche, mir nicht zu viel Druck zu machen.» Im Wissen darum, dass «Im Weltcup und an der WM im Februar in Antholz einiges drinliegt.»Lena Häcki, Biathletin

Die Erfolgs-Aussichten als Einzelathletin wie als Staffelmitglied nimmt Lena Häcki ins neue Jahr mit. Auf dem sechsten Zwischenrang im Gesamtweltcup will sie aufbauen. Sie sagt: «Ich versuche, mir nicht zu viel Druck zu machen.» Im Wissen darum, dass «im Weltcup und an der WM im Februar in Antholz einiges drinliegt.»

Erstellt: 31.12.2019, 12:59 Uhr

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