Sie wollte Volleyball und landete im Gefängnis

Ghoncheh Ghavami bekommt die volle Härte der iranischen Regierung zu spüren. Jetzt fordern 500'000 Menschen ihre Freilassung.

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Ghoncheh Ghavami lebte erst ein paar Monate im Iran, als sie am 20. Juni das Volleyball-Länderspiel der Männer zwischen dem Iran und Italien besuchen wollte. Doch der Blick auf Männer in Sportkleidung ist Frauen im Iran nicht erlaubt.

Deshalb forderte die in London geborene Ghavami, zusammen mit anderen Frauen, vor dem Azadi-Stadion Einlass. Dieses «Vergehen» wurde als «Propaganda gegen das Regime» taxiert, die 25-jährige Studentin wurde in Folge im berüchtigten Evin-Gefängnis von Teheran eingesperrt.

41 Tage Einzelhaft

Nun wird Ghavami der Prozess gemacht. Zwischen der Festnahme und dem Prozessbeginn liegt nicht nur ein Vierteljahr, sondern auch 41 Tage Einzelhaft, diverse Verhöre, Besuchsverbot und ein Hungerstreik.

Mit der Staatsbürgerin von Grossbritannien und dem Iran bekamen die Opfer des erbarmungslosen Regimes im vorderasiatischen Staat ein neues Gesicht. Mehr als 500'000 Menschen haben eine Petition ihres Bruders unterschrieben, der sich für die Freilassung von Ghavami einsetzt. Auf der Facebook-Site «freeghonchehghavami» machen sich Menschen rund um den Globus für ihre Freilassung stark.

Gleichberechtigung dank WM-Organisation?

Inzwischen hat sich auch der Volleyball-Weltverband (FIVB) eingeschaltet. Ary S. Garça, Präsident des FIVB und von Beruf Anwalt, liess dem iranischen Staatspräsidenten Hassan Rohani einen Brief zukommen, in dem er Rohani bittet, Ghavamis Inhaftierung neu zu prüfen.

Der Brasilianer fand gleichzeitig eine indirekte Möglichkeit, dass Irans Regierung nochmals über die Gleichberechtigung im Sport nachdenkt. Einer iranischen Nachrichtenagentur sagte Garça, dass er sich über eine iranische Bewerbung um die Volleyball-WM der Männer 2018 sehr freuen würde – so stellt der Iran das derzeit beste Volleyballteam in ganz Asien. Ausserdem geniessen die Spieler Heldenstatus.

Hoffen auf baldige Freilassung

Es darf zumindest bezweifelt werden, dass ein einzelnes Sportturnier die fest verankerten Grundsätze einer erzkonservativen Regierung über den Haufen wirft. Garças Eingreifen erhöht auch die Hoffnung bei Sousan Moshtaghian, die ebenfalls in London geborene Mutter von Ghavami. Auf ihrer Facebook-Seite schrieb Moshtaghian: «Das Gericht hat seinen Entscheid auf nächste Woche angekündigt. Ich hoffe, dass dann dieser Albtraum ein Ende hat und ich meine Tochter endlich wieder in die Arme schliessen kann.»

Erstellt: 17.10.2014, 15:33 Uhr

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