Stamm am schnellsten um die Welt

Der Schweizer Bernard Stamm gewann mit Jean Le Cam (Fr) in 84 Tagen das Barcelona World Race.

Die Sieger Bernard Stamm und Jean Le Cam auf den letzten Metern vor Barcelona. Foto: Siu Wu (AP, Keystone)

Die Sieger Bernard Stamm und Jean Le Cam auf den letzten Metern vor Barcelona. Foto: Siu Wu (AP, Keystone)

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Kurz vor 19 Uhr gestern Abend kreuzten Bernard Stamm und sein französischer Kollege Jean Le Cam auf dem 18 Meter langen Boot Cheminée Poujoulat im ­alten Hafen von Barcelona nach 84 Tagen und 6 Stunden als Sieger die imaginäre Ziel­linie der Weltumsegelungsregatta Barcelona World Race. Es ist ein hoch überlegener Erfolg. Die Zweiten, Altadill/Muñoz (Sp/Chi), liegen nahezu 1000 Seemeilen zurück und werden erst in einigen Tagen erwartet.

«Dieser Sieg ist ein schönes Geschenk, eine Entschädigung für all die Mühen», sagte der Schweizer Weltumsegler, nachdem er wieder festen Boden unter den Füssen hatte. Der Vorsprung sei wohl gross, aber das bedeute nicht, dass es ein problemloses Rennen gewesen sei. Stamm und Le Cam gelten als starke Charaktere. Auf die Frage, ob sie sich nach 84 Tagen an Bord noch ausstehen können, umarmten sie sich demonstrativ, und Le Cam antwortete: «Wir hatten viele Probleme zu lösen. Es waren aber keine zwischenmenschliche, sondern technische Probleme.»

Vier Elektroautos als Siegprämie

Die Siegesfeier wurde mit Rücksicht auf die Trauer um die Opfer der Flugzeugkatastrophe schlicht gehalten, es gab keine der üblichen Champagnerduschen, dafür eine Gedenkminute. Als Siegprämie erhalten die beiden vier Elektroautos im Gesamtwert von 150 000 Euro.

An Silvester war das Feld von 8 Booten vor Barcelona gestartet. Während fast dreier Monate trotzten Stamm/Le Cam allen Stürmen in diesem über rund 44 000 km führenden Rennen zu zweit um die Welt ohne Zwischenstopps. Die Bestmarke lag bei 92 Tagen und 9 Stunden aus der ersten Auflage 2007/08. Der Vergleich hinkt allerdings. Denn beim jetzigen Rennen führte der Kurs an der Nordspitze von Neuseeland vorbei, bei den zwei Rennen zuvor mussten die Konkurrenten durch die Cookstrasse ­segeln, die Meerenge zwischen der Nord- und Südinsel von Neuseeland.

Für den 51-jährigen Waadtländer Stamm, der mit seiner französischen Partnerin und den zwei Töchtern seit Jahren an der französischen Atlantikküste lebt, ist dieser Erfolg eine grosse Genugtuung nach dem Pech der letzten Jahre. An Heiligabend 2013 war er in höchster Not mit seinem Kumpel Damien Guillou dem Tod entronnen, als sein Schiff 180 Seemeilen vor der bretonischen Küste in einem Orkan auseinanderbrach. Stamm hatte 2003 und 2007 die Weltumsegelungsregatta mit Zwischenstopps, die Velux 5 Oceans, gewonnen. Bis gestern blieb ihm ein weiterer grosser Erfolg bei einer Weltumsegelung versagt.

Seit dem 15. Januar segelten Stamm und Le Cam auf dem achtjährigen, ­geleasten Boot an der Spitze des Feldes. Damals erlitten ihre grössten Konkurrenten, der Brite Alex Thomson und sein spanischer Teamkollege Pepe Ribes, im Südatlantik auf ihrem Boot Mastbruch. Zum Zeitpunkt der Havarie lagen Stamm/Le Cam um 60 Seemeilen (rund 111 km) hinter den Favoriten zurück. Fortan zeichnete sich ab, dass Stamm/Le Cam den Sieg nur verpassen, wenn auch sie mit einer Havarie oder Verletzung konfrontiert würden. Stamm betonte wohl bereits vor dem Rennen zu Recht: «Eine Weltumsegelung ist immer eine grosse Herausforderung und birgt immer ­Risiko, egal ob die Konkurrenz gross oder weniger stark ist. Die Wellen und die Stürme sind immer da.» Aber Fakt ist auch: Die Konkurrenz bei diesem Barcelona World Race war nicht so stark, wie sie beim Vendée Globe zu finden ist, dieser legendären Einhand-Weltumsegelung. Die jungen Franzosen François Gabart und Armel Le Cléac’h, Sieger und Zweiter bei der letzten Vendée, waren beim Barcelona World Race nicht dabei, der Dritte, Thomson, erlitt wie erwähnt Mastbruch.

Für Stamm bleibt die Vendée Globe die letzte grosse Herausforderung. Im Gegensatz zu seinem Partner Le Cam, der 2005 Zweiter wurde und 2013 auf Platz 5 segelte, kam der Schweizer bei drei Starts noch nie in die Wertung. Er musste jeweils wegen Havarien aufgeben oder wurde disqualifiziert. Im November 2016 wird zur nächsten Vendée Globe gestartet, mit einer neuen Generation von Booten. Stamm aber ist zurzeit ohne Boot, und sein langjähriger Hauptsponsor, der französische Kaminbauer Cheminées Poujoulat, beendet im Juni nach 12 Jahren seine Unterstützung.

Erstellt: 25.03.2015, 22:46 Uhr

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