Superman ist jetzt wieder Rennfahrer

Vorjahressieger Fabian Cancellara ist froh, dass der Druck vor dem sonntäglichen Klassiker Paris–Roubaix kleiner geworden ist.

Gefürchtet: Die Pavés sind bei den Fahrern nicht beliebt, aber Fabian Cancellara kann recht gut mit dieser Unterlage umgehen.

Gefürchtet: Die Pavés sind bei den Fahrern nicht beliebt, aber Fabian Cancellara kann recht gut mit dieser Unterlage umgehen. Bild: Keystone

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Die Krämpfe, die Fabian Cancellara am vergangenen Sonntag an der «Kapelmuur» von Geraardsbergen plagten, hatten auch ihre gute Seite: Sie machten aus «Superman», vor dem sich alle fürchteten, wieder einen Rennfahrer. Keinen ganz gewöhnlichen, aber einen menschlichen mit Schwächen. Klar ist er auch bei Paris–Roubaix, bei der Fahrt durch die «Hölle des Nordens», der grosse Favorit. Doch, so ist er überzeugt, «es werden diesmal nicht mehr alle nur auf mich schauen. Es gibt viele andere Fahrer und Mannschaften, die das Rennen gewinnen wollen».

Cancellara wirkt locker. Froh, dass der unheimliche Druck, dem er in der Flandern-Rundfahrt widerstehen musste, nachgelassen hat. Auch wenn niemand in seiner Umgebung (und auch er selber nicht) daran zweifelt, dass er genau so stark ist wie bei seinem Doppelsieg vor einem Jahr, gibt er sich zurückhaltend. «BMC, Quick-Step, Garmin haben sehr starke Mannschaften», sagt er, «wenn sie gewinnen wollen, müssen sie etwas unternehmen. Und wir können uns danach richten.»Cancellara wünscht sich ein Rennen so spannend wie Mailand–Sanremo und die Flandern-Rundfahrt, aber mit einem wesentlichen Unterschied. Nicht mehr 50 oder mehr Fahrer sollen dabei sein, wenn das Finale beginnt, es soll ein Ausscheidungsrennen werden, bei dem sich die Grossen bekämpfen. Und bei dem der Stärkste gewinnt.

Die Helfer als Opfer

Für ein solches Szenario ist Paris–Roubaix geeignet. Die Schwierigkeiten mit den ersten Pavé-Abschnitten beginnen schon nach 98 der 258 Kilometer, der Wald von Arenberg 86 km vor dem Ziel sorgt in der Regel für eine Selektion. Zwei Helfer, so rechnet Torsten Schmidt, der Sportliche Leiter, werde Leopard-Trek wegen der kräfteraubenden Führungsarbeit dort opfern müssen.

Wer auf dem 2,4 km langen Pavé-Stück der schlimmsten Art abgehängt wird, wird es schwer haben, wieder aufzuschliessen. Ein neues Teilstück, das nach Arenberg in den Parcours eingefügt wurde, soll die Selektion zusätzlich fördern. «Für mich spielt das nicht so eine grosse Rolle», sagt Cancellara, «in diesem Rennen kann soviel passieren, dass überall alles möglich ist.»Schmidt hofft, dass Cancellara noch mindestens zwei Helfer dabei haben wird, wenn das Finale beginnt. Nicht wie bei der Flandern-Rundfahrt, als Cancellara nach dem Paterberg isoliert war. Er ist zuversichtlich. Immerhin steht mit Stuart O’Grady ein ehemaliger Sieger an der Seite des Titelverteidigers («er hatte in Flandern nicht seinen besten Tag»).

Schmidt rechnet auch mit Joost Posthuma, der in der Flandern-Rundfahrt gestürzt war. Und er ist froh, dass der Belgier Wouter Weylandt nach seinem fürchterlichen Sturz am Mittwoch beim Schelde Prijs am Donnerstag auf den Pavés trainieren konnte. Dominik Klemme, der junge Deutsche, ist für die Rolle von Cancellaras Bodyguard (oder Schutzengel, der ihm Wasser bringt und ihn vor dem Wind schützt) vorgesehen. «Wir haben alles getan für dieses Rennen», sagt Cancellara, «das Team ist bereit.»Bereit ist auch das Material. Die Rennräder von Trek, einer Firma, wie Cancellara anmerkt, «die bisher siebenmal die Tour de France gewonnen hat, aber noch nie ein Rennen wie Paris–Roubaix». Er habe alles getan, um seine Erfahrung einzubringen – er gewann Paris–Roubaix 2010 mit Specialized und 2006 mit Cervélo – und sie hätten alles getan, um die Velos zu entwickeln. Die Belastung für Räder, Reifen und Rahmen ist enorm. Ein Defekt kann den Sieg kosten. Wobei Vorbeugen besser ist als Heilen: Der Betreuerstab bei Leopard und den andern Favoritenteams umfasst mindestens 25 Personen. Neben dem offiziellen Begleitfahrzeug sind vier Fahrzeuge auf der Strecke unterwegs. Mit je drei Mann Besatzung, Ersatzvelos, Rädern und Verpflegung. Ein fünftes rollt mit und ist einsatzbereit, falls der Mannschaftswagen von den Pavés k. o. geschlagen wird.

Erstellt: 09.04.2011, 14:28 Uhr

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