Surf-Legende Slater will Haie töten

Der US-Amerikaner Kelly Slater macht sich mit einem Kommentar zu einem Haiangriff vor der Insel La Réunion unbeliebt.

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Er ist wohl der bekannteste Surfer der Welt: der Amerikaner Kelly Slater. Seit mehr als 25 Jahren ist er Profisurfer und auch mit 45 noch ein wichtiger Teil der World Surf League, der besten Surfliga. Elfmal holte sich Slater bisher den Weltmeistertitel, das ist Rekord.

Neben seinem Können auf dem Surfboard ist Slater auch für sein Engagement zum Schutz der Weltmeere bekannt. Er arbeitete unter anderem mit der Umweltschutzorganisation Sea Shepherd zusammen und betreute Projekte, die bedrohte Tiere wie Orang-Utans und Nashörner schützen sollen.

Mit einem Kommentar auf Instagram hat Kelly Slater nun für grosse Aufregung gesorgt. Auf La Réunion, einer kleinen Insel östlich von Madagaskar, kam vor rund zwei Wochen der Bodyboarder Alexandre Naussac bei einem Haiangriff ums Leben. Er verblutete, nachdem er von einem Bullenhai in den Oberschenkel gebissen wurde. Der Unfall ereignete sich an einem Strand, der für jeglichen Wassersport gesperrt war.

Frankreich soll handeln

Es war der 20. Haiangriff auf der Insel seit 2011 und der achte, der tödlich endete. Diese Zahlen sind auch weltweit verglichen hoch, nirgendwo sonst scheint es so viele Haiattacken in so kurzer Zeit und auf so kleinem Raum zu geben. Zwischen 2011 und 2015 haben 13 Prozent der weltweiten tödlichen Angriffe auf dieser Insel stattgefunden. La Réunion ist lediglich 2500 Quadratkilometer gross. In den USA und Australien passieren statistisch gesehen aber noch immer die meisten Haiunfälle.

Der Amerikaner kommentierte darauf hin auf der Instagram-Seite seines Berufskollegen Jeremy Flores, der auf La Réunion aufwuchs. Slater forderte die französische Regierung auf, einzugreifen und Haie vor der Insel zu erlegen. Er schreibt von einem Ungleichgewicht im Ozean in dieser Region. «Wenn auf der ganzen Welt solche Angriffsraten herrschen würden, würde niemand mehr ins Meer gehen», begründet Slater seine Aussage.

Auf der Insel ist die Gefahr bekannt. Es gibt lediglich zwei Zonen, die durch Netze von Haien abgetrennt sind und wo Surfen erlaubt ist. Boote, die mit Kameras bestückt sind, suchen den Meeresboden nach Haien ab. Zudem gibt es mit Harpunen bewaffnete Taucher, die die Strände schützen sollen.

Dem Profisurfer war durchaus bewusst, dass er mit diesem Kommentar seine Popularität nicht steigern würde. Eine Aussage von einem bekannten Sportler wie Slater gemacht, der bisher strikt gegen das Töten von Haien war, trug unmittelbar Reaktionen mit sich.

Anfangs fielen sie noch positiv aus. Einige Nutzer befürworten Slaters Statement. «Danke für deinen Mut, klar Stellung zu diesem Thema zu beziehen», schreibt jemand. Auch Flores selbst greift in die Diskussion ein und pflichtet Slater bei. La Réunion sei speziell, und die Probleme mit den Bullenhaien seien ausser Kontrolle geraten. Flores schreibt, die ganze Insel sehe die vielen Haiattacken als Problem an.

Doch viele Instagram-Nutzer sind auch gegenteiliger Meinung. «Der Ort, an dem es passierte, ist gefährlich. Niemand geht da ins Wasser. Dieser Unfall hätte vermieden werden können», schreibt ein weiterer User. Andere haben Bedenken bezüglich des Eingriffs in den Lebensraum der Tiere, nur damit sich Menschen vergnügen können.

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Auch Paul Watson von der Umweltschutzorganisation Sea Shepherd äusserte sich zu Slaters Hai-Aussage. Anfangs konnte er nicht glauben, dass er diesen Kommentar wirklich geschrieben hat. «Das widerspricht allem, was Kelly je über Haie gesagt hatte. Ich war enttäuscht», so Watson.

Watson und Slater sprachen dann zusammen, und Slater gab zu, sein Kommentar sei in einem sehr emotionalen Moment verfasst worden. Er entschuldigte sich gegenüber Watson. «Jemanden töten ist nie eine dauerhafte Lösung für ein Problem, das widerspricht meiner Lebensphilosophie», soll Slater geschrieben haben. Trotzdem beharrt Slater auf seiner Aussage, dass er spezifisch bei La Réunion momentan keine andere Lösung sieht.

Warum La Réunion?

Warum genau diese Region besonders betroffen ist, ist nicht klar. Der aus der Schweiz stammende Haiforscher Erich Ritter nannte einst eine Futterbasis als möglichen Grund. Tatsächlich befindet sich in der Nähe des Strandabschnitts St. Gilles, wo seit 2011 die meisten Haiattacken passierten, eine Fischerei. Zudem vermischen sich in der Regenzeit Unmengen an Süsswasser mit dem Ozean, diesen Mix mögen Bullenhaie besonders gern. Trotz Warnschildern und teils unbewachten Stränden begeben sich dort immer wieder Menschen ins Wasser - mit teilweise fatalen Folgen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.03.2017, 14:44 Uhr

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